Tim Mälzer bittet zum Krieg der Sterneköche

Zum Start der dritten Staffel von "Kitchen Impossible" trafen wir den Fernsehkoch-Rabauken Tim Mälzer zum Gespräch über sein Erfolgsrezept, Fluchen im TV und Tränen in der Küche.

Von Alaska über Marokko bis Südkorea: Im gefeierten Kochduell-Format "Kitchen Impossible", das es just ins Finale der Publikumswahl "Bestes Dokutainment-Format" bei der GOLDENEN KAMERA 2018 geschafft hat, scheuchen sich Tim Mälzer und ein renommierter Kochkollege um den Globus. Der eine wählt ein Gericht irgendwo auf der Welt, der andere muss es vor Ort kosten, nur nach Geschmack Zutaten einkaufen und in der Originalküche nachkochen. Zum Start der dritten Staffel (ab 4. Februar sonntags um 20.15 Uhr) mit neuen Gastkoch-Kontrahenten (darunter sieben Sterneköche) sprachen wir mit dem Mann hinter dem Quotenhit..

Tim Mälzer über Staffel 3 von "Kitchen Impossible"

(Video-Interview: Alexander Attimonelli)

Tim Mälzer im Interview

GOLDENE KAMERA: In "Kitchen Impossible" be­siegen Sie regelmäßig Ihre Sternekoch-Kontrahenten. Was ist die perfekte Siegstrategie?

TIM MÄLZER: Ich versuche, meine Gegner über ihre Arroganz stolpern zu lassen. Gern wähle ich Aufgaben, die Spitzenköche oft unterschätzen: eine Pasta, eine Frikadelle, eine Tomatensoße. Erst während des Ko­chens entfalten diese Gerichte ihren ganzen Charakter. Dazu geht es um die Frage: Wie schlägt sich ein Profi in einem völlig unge­wohnten Umfeld? In der neuen Staffel schicke ich etwa den Dreisternekoch Christian Bau auf einen Markt in Accra in Ghana. Und letztlich gehören zum Wettkampf auch etwas Psychokrieg und eine große Klappe.

Und manchmal anscheinend auch eine sehr derbe Sprache. Bereuen Sie eigent­ lich Ihre Flüche hinterher?

Nein. Auch wenn ich später manchmal denke, ich hätte mich zusammenreißen können. Doch das Format ist eben ungeschönt. Diese Extremsituationen und die Authentizität der Köche machen diese Sendung aus.

Und wie extrem wird die neue Staffel?

Es gibt einzigartige Gänsehautmomente. Die Aufgaben werden deutlich härter. Bisher dachte ich meist: Die Aufgaben sind unmöglich, aber ich schaff's. Diesmal dachte ich oft: Das ist unmöglich. Punkt. Unter anderem muss ich Hochküche in Japan und Straßen­küche in Vietnam kochen. Und ich muss
in die "Traube Tonbach" im Schwarzwald, wo wohl 90 Prozent der deutschen Sterne­köche gearbeitet haben. Da wollte mir je­mand zeigen, wie wenig Ahnung ich habe.

In Staffel 2 gab es eine bewegende Szene: Da sprachen Sie den Tränen nahe von einem "Minderwertigkeitskomplex".

Ich musste in der Küche des Sternekochs Kevin Fehling in meiner Heimatstadt Ham­burg kochen. Das war mir von Anfang an zu intim. Zudem ist Kevins Ausrichtung eine ganz andere als meine – als müsste ein Break­dancer plötzlich Tango tanzen. Doch wir Köche gieren immer nach Applaus und neh­men auch solche Herausforderungen an. Da wir so viel von uns in die Gerichte stecken, ist es umso brutaler, wenn man mal scheitert.

Trailer zur 2. "Kitchen Impossible"-Staffel (TV-Start: 29.1.2017)

Stört es Sie, kein Sternekoch zu sein?

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich er­ reicht habe. Ich habe mal entschieden, nicht in eine bestimmte Richtung weiterzugehen. In Indonesien gibt es eine Nudelbar, die einen Stern hat. Das ist das richtige Signal. Wenn du etwas Großartiges, Einzigartiges machst, verdient das einen Stern. Es geht nicht da­ rum, wie gut die Technik oder wie teuer das Porzellan ist. Was zählt, sind die Emotionen.