Star der Woche: Corinna Harfouch

Unsere GOKA-Preisträgerin Corinna Harfouch bewegt sich auf höchstem Niveau, egal ob auf der Bühne oder im Film. Im TV-Film "Die vermisste Frau" wandelt sie sich von der treuen Ehefrau zum knallharten Rache-Engel.

Im TV-Thriller "Die vermisste Frau" (2. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) spielt Corinna Harfouch die treue Gattin Karen, die ihrem hochverschuldeten Ehemann Georg (GOLDENE KAMERA-Preisträger Jörg Hartmann) durch ihren Suzid helfen möchte, seine Schulden zu begleichen. Schließlich beläuft sich die Versicherungssumme ihrer Lebensversicherung auf eine Million Euro. Im letzten Moment überlegt sie es sich jedoch anders - nur leider ist Georg darauf vorbereitet und hat bereits einen Auftragskiller auf sie angesetzt. Doch statt Karen zu ermorden, hilft ihr Bruno (Ulrich Matthes, GOLDENE KAMERA 2015). Und beide drehen den Spieß um - schließlich würde auch ihr die Versicherungssumme bei seinem Tod zustehen...

Karrierestart mit Hindernissen

Man kann den mühsamen Werdegang kaum glauben. Und doch hat die Tochter eines Lehrerehepaares aus Großenhain in Sachsen einen Umweg als Krankenschwester gemacht, eine erste kurze Ehe und das Studium der Textilwirtschaft. Der Grund: Corinna Harfouch (63) hatte den Test für die Schauspielschule in Berlin zwar bestanden, doch bei der Aufnahmeprüfung fiel sie durch. Abgelehnt mangels Leidenschaft. Sie heiratet einen Syrer mit dem Namen Harfouch und will ihm in seine Heimat folgen. Mit Visum und Flugticket in der Tasche wagt sie den zweiten Anlauf an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Sie besteht die Prüfung und trennt sich von ihrem Mann. Das war 1978.

Trailer zum DEFA-Film "Die Schauspielerin" (1988)

Bis 1981 studierte sie Schauspiel und wurde eine der meistgefeierten Bühnenschaupielerinnen der DDR, unter anderem am Berliner Ensemble und an der Volksbühne unter der Leitung von Heiner Müller. 1983 hatte sie ihr Debüt als Filmschauspielerin in "Verzeihung, sehen Sie Fußball?". Für ihre zahlreichen Filmrollen bei der DEFA wurde sie mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft. Nach der Wende zählte das alles plötzlich nichts mehr. "Das ist schon eine Scheißerfahrung. Aber das ging vielen anderen in ganz anderen Berufen genauso," sagt sie in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Kompromissloses Qualitäts-Schauspiel

Dann kam erneut der Durchbruch. Nach einer kurzen Pause spielte sie u. a. den General Harras in der umstrittenen Castorf-Inszenierung von Zuckmayers "Des Teufels General" an der Berliner Volksbühne und die Eva in "Eva - Hitlers Geliebte". Dazu zahlreiche Film- und Fernsehrollen. 1994 spielte sie die Hauptrolle im Kinofilm "Irren ist männlich", diese Rolle macht sie zum Publikumsliebling. Gemeinsam mit Götz Georg stand sie für Nico Hofmanns Drama "Solo für Klarinette" (1998) vor der Kamera. Ihr Spiel wurde von den Kritikern hochgelobt. Für ihre einfühlsame Verkörperung der in den 1960ern wegen Mordes verurteilten Titelfigur des dokumentarischen Spielfilms "Vera Brühne" (2001) wurde sie für den Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. In Bernd Eichingers Kinofilm "Der Untergang" (2004) übernahm sie die Rolle der Magda Goebbels, die ihre eigenen Kinder vergiftete.

Mit der Sat.1-Krimireihe "Blond: Eva Blond" (2002-2006) prägte sie einen neuen Kommissarinnentyp, der launisch und humorvoll die skurrilsten Fälle löst. Als Christa Laub zeigte sie in "Wut" (2006), dass auch scheinbar starke Frauen extremen Situationen nicht immer gewachsen sind. Im "Tatort: Pauline" spielte sie eine zerbrechliche Frau, die am (Familien-)Leben scheiterte, in "Helen Ted und Fred" eine frustrierte intellektuelle Emanze, die therapiesüchtig ist, weil ihr wenigstens dort jemand zuhört. Schon die Aufzählung macht die schwindelerregende Vielfalt dieser Schauspielerin deutlich. Dafür wurde sie 2007 mit der GOLDENEN KAMERA als "Beste deutsche Schauspielerin" ausgezeichnet.

2009 folgten Hauptrollen im Melodram "Hand in Hand" und im Kinofilm "This Is Love", für die sie für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Beste weibliche Hauptrolle" nominiert wurde. Mit emotionaler Wucht spielte sie eine hintergangene Ehefrau im TV-Krimi "Tod einer Schülerin" (2010). 2012 war sie unter anderem in dem Drama "Auf der Suche" und in der Fernsehproduktion "Schmidt & Schwarz" zu sehen. Der Kinofilm "Was bleibt" feierte im selben Jahr Premiere bei der 62. Berlinale. Im ARD-Fernsehfilm "Der Fall Bruckner" (2014) spielte sie einfühlsam eine Jugendamtsmitarbeiterin, die Kindesmisshandlungen aufdeckt. Für diese Rolle erhält sie den Deutschen Schauspielerpreis als "Beste Schauspielerin".

In diesem Jahr wird sie im Kinofilm "Lara" von Jan-Ole Gerster ("Oh Boy") in einer Hauptrolle zu sehen sein. Es ist die Geschichte einer Mutter, deren Sohn Viktor (Tom Schilling) an ihrem 60. Geburtstag ein großes Soloklavierkonzert gibt und zu dem sie nicht eingeladen ist. Produzent Marcos Kantis (49, "Oh Boy") sagt gegenüber BILD: "Es wird eine Tragikkomödie mit einer großartigen, sensiblen Corinna Harfouch. Regisseur Jan-Ole Gersters wollte nur sie, konnte sich keine andere als Corinna für die Rolle vorstellen. Und er hatte Recht. Wir sind alle hin und weg!" Von dieser großartigen und enorm vielseitigen Charakterdarstellerin kann man das auch nur sein - schließlich steht ihr Name für kompromissloses Qualitäts-Schauspiel.

Bildergalerie: Corinna Harfouch in ihren besten Rollen

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