GOLDENE KAMERA-Kandidat: "Fremder Feind"

In unserem ersten GOKA-Kandidaten für 2019 "Fremder Feind" kämpft GOLDENE KAMERA-Preisträger Ulrich Matthes gegen einen anonymen Angreifer.

Wie viel kann ein friedliebender Mensch ertragen, bevor er die Kontrolle über seine Gefühle verliert – und zum Mörder wird? Das ist die Schlüsselfrage des TV-Dramas "Fremder Feind" (Mittwoch, 21. Februar, 20.15, Das Erste).

Darum geht's in "Fremder Feind"

Widerwillig akzeptieren Arnold (Ulrich Matthes, GOLDENE KAMERA 2015) und Karen Stein (Barbara Auer, GOLDENE KAMERA 1989), dass ihr Sohn Chris (Samuel Schneider) zur Bundeswehr will und dort einen Auslandseinsatz im Krisengebiet absolviert. Als der junge Mann fällt, begeht Karen Suizid. Arnold Stein zieht sich nach dem doppelten Verlust in eine einsame Berghütte zurück.

Aber die verschneite Alpenwelt entpuppt sich rasch als blanker Horror: Ein anonymer Angreifer verwüstet Steins karge Behausung, zerstört sein Auto und verletzt seinen Hund durch einen Bolzenschuss. Da schlägt Stein erbarmungslos zurück. Es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod.

Was Gewalt mit Menschen macht

"Steins jahrelang verinnerlichte Menschenfreundlichkeit ist plötzlich nicht mehr abrufbar, weil er sich in einer seelischen Extremsituation befindet", erklärt Ulrich Matthes im Exklusivnterview mit GOLDENE KAMERA. "Ich habe zwei Theorien dazu: Einerseits könnte Stein so aggressiv werden, weil er den gewaltsamen Kriegstod seines Sohnes und den Suizid seiner Frau kompensieren will. Aber vielleicht war er schon immer unterschwellig aggressiv und hat das bloß 'überspielt'. Der Firnis der Zivilisation ist so dünn, dass er jederzeit aufbrechen kann." Matthes meint, die Verfilmung des Romans "Krieg" von Jochen Rausch vermittle, was Gewalt mit Menschen mache und wie sehr man überrascht sei, wenn man gewalttätig werde, obwohl man das nicht für möglich hielt.

Der Star offenbart: "Diese Erfahrung habe ich selbst schon gemacht, etwa wenn ich innerhalb von Sekunden hoch aggressiv im Straßenverkehr reagiere. Dann habe ich, scherzhaft ausgedrückt, manchmal Mordgelüste." Dennoch, so der Schauspieler, solle "Fremder Feind" kein Plädoyer für Pazifismus sein. Der 58-Jährige bekennt: "Es würde sich wohl besser machen, wenn ich sagen würde, dass ich Pazifist bin, aber man braucht nur an den Kampf der Alliierten gegen die Nazis zu denken, um es nicht zu sein. Pazifismus hieße, auf jegliche Art von Waffengewalt zu verzichten. Das halte ich aber für eine schöne Utopie angesichts der Tatsache, dass nicht alle Menschen gleich nett sind."

Zwar müsse man mit diplomatischen Mitteln den Frieden bewahren, so lange es möglich sei, meint Matthes. Doch der Schauspieler ist auch überzeugt: "Es gibt einen Punkt, an dem militärisch reagiert werden muss, nämlich spätestens dann, wenn man angegriffen wird."

GOKA-Wertung

Wie friedlich kann der Mensch sein? Dieser Aspekt und das Leid der Angehörigen, auf ihre Weise Kriegsopfer, haben Regisseur Rick Ostermann ("Wolfskinder") an Jochen Rauschs Roman "Krieg" interessiert, den er parallel in zwei Zeitebenen erzählt, die im winterlichen Tirol und im Frühling in Berlin entstanden sind.

Muss ich sehen, weil...

dieses Drama intensive, mitreißende und hochemotionale Achterbahnfahrt ist und mit großartig spielenden Schauspielern besetzt ist.

Für Fans von...

"Die Wand" (2012)

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

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