Star der Woche: Rainer Bock

Rainer Bock gehört zu den Besten seines Fachs - im Theater, Fernsehen und im Kino. Er ist ein echter Held der Nebenrolle, spielt niemals im Vordergrund und ist doch nicht vordergründig.

In der mitreißenden Romanverfilmung "Charlotte Link - Die letzte Spur" (Freitag, 9. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) brilliert Rainer Bock als "Cover"-Chefredakteur Nick, der seine Mitarbeiterin Rosanna Hamilton (Jasmin Gerat) überredet, in einer TV-Talkshow aufzutreten, um für ihre Artikelserie zu werben. Dank seines Drängens kommt sie der Lösung um das Rätsel ihrer vor drei Jahren vermissten Freundin näher. Rainer Bock beweist hier mal wieder, dass er eigentlich alles fürs Hauptfach besitzt. Denn auch in dieser Bestsellerverfilmung schafft er es seiner Figur - und damit dem ganzen Film - einige reizvolle Facetten zu verleihen.

Rainer Bock, 1954 in Kiel geboren, stammt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater wollte Buchhändler werden, arbeitete dann aber in der Sackgroßhandlung eines Onkels. Zu seinem Beruf fand Bock über ein Café, das er 1979 mit einem Freund in Kiel eröffnete. Sie veranstalteten Kleinkunst und Bock machte Quatsch vor Publikum. Damals dachte er noch nicht daran, Schauspieler zu werden. Doch auf Anregung seiner Gäste ging er mit 28 Jahren an die Schauspielschule.

Vom Theater auf die Leinwand

Nach der Schauspielschule bekam er Engagements an den Theaterbühnen von Kiel, Heidelberg, Mannheim und München. Als er in München am Residenztheater spielte und ein neuer Intendant kam, wurde ihm gekündigt. Ohne Job mit seiner Familie in München, das hat ihm schon etwas Angst gemacht. Dennoch lehnte er weitere feste Engagements ab - denn er wollte frei bleiben. Er wusste schon damals, was er kann. Und dann passiert es: Jemand, der vor seinem Fünfzigsten praktisch nie vor der Kamera stand, wird plötzlich von Hollywood umgarnt: Quentin Tarantino, Brian de Palma, Anton Corbijn, Spielberg … sie alle wollten mit ihm drehen. Gerne wird er für böse Nebenrollen besetzt, denn Rainer Bock verleiht seinen Rollen ein beängstigendes Charisma.

Die erste seiner zwiespältigen Respektspersonen war General Olbricht in Jo Baiers "Stauffenberg" (2004). Darin spielte er den Mann, der "Operation Walküre" zu spät auslöste und so wahrscheinlich Stauffenberg zum Scheitern verurteilte. Auch in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" (2009) gab er einen General, in "Mein bester Feind" (2011) einen SS-Hauptsturmführer, in dem Fantasyfilm "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" (2013) einen Major. Einen Berliner Kommissar spielte er in Brian De Palmas Thriller "Passion" (2012), im selben Jahr den Stasi-Offizier in Christian Petzolds "Barbara". Er war der grausame Arzt in Michael Hanekes vielfach preisgekröntem Drama "Das weiße Band" (2009), er spielte für Steven Spielberg einen Offizier in "Gefährten" (2011), für Anton Corbijn einen BND-Chef in der Le Carré-Verfilmung "A Most Wanted Man" (2014), in Christian Schwochows Mauerfall-Tragikomödie "Bornholmer Straße" (2014) einen Grenzmajor, in Philip Kadelbachs "Nackt unter Wölfen" (2015) einen KZ-Kommandant. Im ZDF-Mehrteiler "Tannbach – Schicksal eines Dorfes" (2015/2018) gab er erneut einen Stasi-Offizier.

Und die bösen Nebenrollen nehmen kein Ende: Noch in diesem Jahr wird er als Kommandant der Marinebasis in der französischen Hafenstadt La Rochelle in der Neuverfilmung von "Das Boot" als Miniserie an der Seite von Tom Wlaschiha ("Game of Thrones") und Rick Okon ("Tatort") zu sehen sein.

Ulrich Matthes: "Mordgelüste? Ja, manchmal!"

Im TV-Drama "Fremder Feind" spielt Ulrich Matthes einen Lehrer und Pazifisten, in dessen Leben Gewalt einbricht. Wir trafen unseren GOLDENE KAMERA-Preisträger zum Exklusivinterview.
Mehr lesen