Anke Engelke: "Genregrenzen sind mir schnuppe"

Weniger Comedy, mehr Schauspielerei – ist das das neue Motto von Anke Engelke? Wir fragten bei der Hauptdarstellerin des TV-Films "Südstadt" nach.

Ein Haus, drei Wohnungen und drei Paare, die ihre verschiedenen Beziehungs- und Lebenskonzepte auf den Prüfstand stellen müssen. In unserem GOLDENE KAMERA-Kandidaten für 2019 "Südstadt" (26. Februar, 20.15 Uhr, ZDF) stecken Anke Engelke und Matthias Matschke als Paar in der Krise. Anne (Anke Engelke, GOLDENE KAMERA 1999) und Martin (Matthias Matschke, lesen Sie hier das Interview über seine Rolle in "Südstadt") wollen sich das Scheitern ihrer Ehe nicht eingestehen. Beide verstricken sich in Laster, Leidenschaften und Lügen. Seitensprünge inklusive.

GOLDENE KAMERA traf Anke Engelke zum Interview:

Anke Engelke im Interview zum TV-Film "Südstadt""

Interview mit Anke Engelke

Auf der Suche nach dem Glück - zwischen Neurosen, Anspruchsdenken, Selbstbetrug, mehr Schein als Sein und Kindern als Karrierebremse. Ticken die 50-jährigen wirklich so wie die Protagonisten in Ihrem neuen TV-Film "Südstadt", Frau Engelke?

Toll zusammengefasst! Aber ob das Verhalten von Anne, die ich spiele, typisch für ihre Generation ist, weiß ich nicht. Anne vertraut ihrem Mann blind. Sie nimmt alles, was auf sie zukommt, an, ohne es groß zu bewerten. Gleichzeitig macht sie zu viel mit sich selbst aus. Aber offensichtlich haben sich Martin und Anne früher mal versprochen, im Guten wie im Schlechten füreinander da zu sein. Dass Martin viel lügt, nicht nur Anne, sondern vor allem sich selbst belügt, ist problematisch – genau wie die Tatsache, dass er arbeitslos, pleite und pornosüchtig ist. Und dass Anne ebenfalls betrügt und lügt, macht die Sache auch nicht besser …

Wurde die Rolle an Sie herangetragen? Oder wurden Sie gecastet?

Matthias Matschke hat mich Matti Geschonneck vorgestellt, und mit Matti wollte ich unbedingt zusammenarbeiten. "Südstadt" war eine der schönsten Arbeiten seit langem.

Lust auf eine Fortsetzung?

Ich fände eine Fortsetzung total spannend. Matti Geschonneck und ich haben oft darüber gesprochen, denn mit ihm kann ich nicht nur wunderbar schweigen, sondern auch herrlich rumspinnen. Manchmal haben wir gemeinsam überlegt, wie es wohl mit Anne weitergehen könnte. Und bei der Gelegenheit hat Matti auch immer gesagt, dass Matthias Matschkes Figur Martin nach dem Filmende am besten aus der Nummer rauskommt, weil er sich nicht mehr verbiegen muss.

Würden Sie Ihre Nachbarn so nah an sich heranlassen wie die Protagonisten in "Südstadt"? Oder würden Sie sogar mit ihren besten Kumpels unter demselben Dach leben wollen?

Mit Freunden zusammenzuleben - ja, warum nicht? Darüber habe ich mir irgendwie noch gar keine Gedanken gemacht. Früher habe ich mal in der Kölner Innenstadt in einem Haus gelebt, wo es schöne, nachbarschaftliche Kontakte gab. Im Hinterhaus wohnte ein Pärchen, über mir eine junge Frau und im Stockwerk darüber ein weiteres Pärchen. Damals haben wir uns gemeinsam um eine über 80-jährige, ehemalige Opernsängerin, gekümmert, die ganz oben wohnte – beispielsweise haben wir im Wechsel für sie eingekauft und ihr ein Zehnerpack Eier von einem bestimmten Bauern besorgt und mit ihr Scrabble gespielt und Behördengänge für sie vorgenommen. Ich fand das gut, denn das Ganze hatte überhaupt nichts Übergriffiges, und es war gleichzeitig auch nicht so eng, dass man alles voneinander wusste. In einem solchen Rahmen, also mit abgesteckten Grenzen, könnte ich mir so etwas durchaus wieder vorstellen: Wenn jeder Nachbar sein freies Leben lebt und man gleichzeitig wahrnimmt, was Drumherum passiert.

Ob "Tödliche Geheimnisse", "Deutschland '86" oder "Südstadt" - Sie spielen immer öfter in Mehrteilern, Serien und Spielfilmen mit. Wann haben Sie sich das vorgenommen?

Kann man sich so etwas vornehmen? Ich bin innerhalb meines Berufs so offen, dass mir Genregrenzen natürlich schnuppe sind. Dadurch, dass ich so früh mit der Arbeit beim Fernsehen angefangen habe, zudem einen journalistischen Background habe – und dem Fernsehen und dem Hörfunk deswegen verbunden bin – greift das alles ineinander über. Ich bin so froh, dass das alles so farbenfroh ist und dass ich so viele verschiedene Sachen machen kann.

Bildergalerie: Anke Engelke als Journalistin in "Tödliche Geheimnisse"

Weniger Comedy, mehr Schauspielerei – ist das Ihre Zukunftsdevise?

Nö, ist ja beides ist Schauspielerei. Ich nehme jede Figur ernst – egal, ob die beabsichtigte Wirkung ein Lachen ist oder etwas Dramatisches. Und ich gehe auch immer auf dieselbe Weise an die Figur ran – egal, ob es eine 20-sekündige Sequenz ist oder eine 90-minütige, im Bogen erzählte Geschichte oder ein Mehrteiler.

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte? Was ist in der Pipeline?

Dieses Jahr wird "Deutschland 86" ausgestrahlt. Da ich noch nichts vom geschnittenen Ergebnis gesehen habe, bin ich total gespannt, wie die neue Staffel aussieht. Da freue ich mich ganz doll drauf.