Matthias Matschke: "Pleite sein kenne ich durchaus!"

Matthias Matschke spielt im TV-Film "Südstadt" Anke Engelkes Ehemann Martin. Seit 20 Jahren verheiratet, beginnt es in der Ehe zu kriseln, weil er lügt und sie ihn betrügt. Wir trafen den 49-jährigen Schauspieler zum Interview.

Ein Haus, drei Wohnungen und drei Paare, die ihre verschiedenen Beziehungs- und Lebenskonzepte auf den Prüfstand stellen müssen. In unserem GOLDENE KAMERA-KAndidaten für 2019 "Südstadt" (26. Februar, 20.15 Uhr, ZDF) stecken Matthias Matschke und Anke Engelke als Paar in der Krise. Martin (Matthias Matschke) und Anne (Anke Engelke, lesen Sie hier das Interview mit der "Südstadt"-Hauptdarstellerin und GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 1999) wollen sich das Scheitern ihrer Ehe nicht eingestehen. Beide verstricken sich in Laster, Leidenschaften und Lügen. Seitensprünge inklusive.

GOLDENE KAMERA sprach mit Hauptdarsteller Matthias Matschke über seine Probleme mit WG-Mitbewohner und Streitkultur:

Matthias Matschke über seine Rolle in "Südstadt"

Interview mit Matthias Matschke

Menschen auf der Suche nach dem Glück – zwischen Neurosen, Pornosucht, Anspruchsdenken und Selbstbetrug. Ist "Südstadt" ein Film über die Midlife-Crisis, Herr Matschke?

Der Film zeigt drei Paare – und was mit diesen Menschen passiert. Ich kann mir schon vorstellen, dass Leute meines Alters in eine solche Konstellation kommen können und dass ihnen etwas Ähnliches passiert wie den Protagonisten in "Südstadt". Denn die Gefühle dieser Leute sind mir selbst nicht fremd. Aber ich glaube auch, dass die Geschehnisse insgesamt sehr speziell – beziehungsweise dramaturgisch verdichtet – sind.

Was hat Sie an der Rolle gereizt? Wurde "Martin" an Sie herangetragen oder wurden Sie dafür gecastet?

Matti Geschonnek hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, Martin zu spielen – und ob ich jemanden kennen würde, den ich mir als meine Filmfrau vorstellen könnte. So kamen wir schnell darauf, dass Anke Engelke eine gute Option für die Beziehungsgeschichte zwischen Martin und Anne wäre. Teilweise geht es in "Südstadt" nämlich sehr lustig zu – und das innerhalb eines fast familiären Freundschaftskreises.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Nachbarn so nah in Ihr Leben zu lassen? Oder mit Ihren Kumpels unter einem Dach zu leben?

Nie und nimmer. Ich liebe meine Freunde. Aber das würde unser Verhältnis neu definieren. Die Paare in "Südstadt" stellen viele Ansprüche an ihre Freunde – genau wie bei fast allen Langzeit-Freundschaften. Auf engstem Raum miteinander zu leben wäre nichts für mich. Keine Ahnung, ob das an meiner Vergangenheit als Einzelkind liegt. Jedenfalls brauche ich Rückzugsmöglichkeiten.

Was gefällt Ihnen an "Südstadt"? Ist es ein Film, der neue Denkanstöße gibt?

Die Qualität liegt im Drehbuch. Ich habe schon oft mit Matti Geschonneck gedreht. Das Angenehme ist seine kaum spürbare Führung. Als Schauspieler möchte man von Natur aus gerne Gefühle anbieten, zeigen und erklären. Aber durch Matti wird das alles zur Seite geschoben. Das Resultat ist eine einfache, direkte Art des Spiels – und viel mehr Schubkraft.

Ist eine Fortsetzung theoretisch denkbar?

Ich glaube, die Geschichte ist gut zu Ende erzählt. Ansonsten müsste man einen komplett neuen Stoff mit den Figuren entwickeln.

Gestritten wird in "Südstadt" zivilisiert, selbst in extremen Situationen fliegen keine Tassen gegen die Wände. Ist die deutsche Streitkultur zu chillig im Vergleich mit der italienischen, wo ein Gewitter die Luft reinigt?

Ich finde es ganz furchtbar, wie die Figuren in "Südstadt" miteinander umgehen. Sie haben einfach keine tolle Streitkultur und keinen Diskurs. Stattdessen legen die Figuren ihre Finger ständig in die Wunden der anderen, und sind dabei sarkastisch und ironisch. So etwas ist nicht wünschenswert. Und ja, ich hoffe, dass wir Deutschen eine andere, bessere Streitkultur entwickeln.

Ihre Figur, Martin, ist heimlich arbeitslos und bankrott. Waren Sie im Leben schon mal pleite – und mussten Sie einen total verrückten Job annehmen?

Pleitesein kenne ich durchaus – sowohl was das Konto betrifft als auch energetisch. Das möchte ich nie mehr erleben.

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Im Frühjahr zeigt das ZDF die zweite Staffel von "Professor T."! Anschließend folgt ein neuer "Polizeiruf 110". Und mit "Pastewka" geht’s ebenfalls weiter!