Marcus Ammon: "Mehr Mut zu kontroversen und frechen Geschichten"

Marcus Ammon, Senior Vice President Film und Entertainment bei Sky
Marcus Ammon, Senior Vice President Film und Entertainment bei Sky
Foto: dpa Picture-Alliance / Julia Sti
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten Marcus Ammon, den Senior Vice President Film und Entertainment bei Sky zum Interview.

Interview mit Marcus Ammon

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

Glücklicherweise haben wir momentan mehr als ein Eisen im Feuer: im fiktionalen Bereich ist neben "Acht Tage" und "Der Pass" sicherlich unsere achtteilige Serie "Das Boot", die wir mit Bavaria Fiction produzieren, unser größtes Abenteuer. Die Dramaserie ist inspiriert von dem gleichnamigen Oscar® und Golden Globe® nominierten Meisterwerk von Wolfgang Petersen nach dem Bestseller von Lothar-Günther Buchheim. Die Dreharbeiten nähern sich langsam ihrem Ende und ich kann nach "Babylon Berlin" eine weitere High-Concept-Dramaserie aus Deutschland versprechen.

Was ist das Innovative an der Produktion?

Neben einer neuen nervenaufreibenden Mission unserer jungen U Boot-Crew etablieren wir einen sehr emotionalen Erzählstrang, der an Land spielt. Wir drehen in drei Sprachen und filmen unsere packenden Geschichten mit allen Mitteln, die das Filmemachen heutzutage hergibt.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen? Ist der Serientrend alles?

Das Fernsehen ist kreativer, abwechslungsreicher und spannender denn je: eine veränderte Wahrnehmung von Serien, gerade in einer jüngeren Zielgruppe, führt zu mehr Mut bei Autoren und Produzenten, kontroverse, grenzüberschreitende und freche Geschichten zu erzählen. Neben Serien werden aber auch andere Angebote, von Sportübertragungen bis hin zu teuren Familienshows, gerne konsumiert.

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Natürlich stellen auch wir eine Verschiebung fest vom klassischen linearen Fernsehen hin zu Streaming-Angeboten, die zeitlich und örtlich uneingeschränkt konsumiert werden können. Mit Sky Ticket haben wir ein Streaming-Produkt im Markt, das junge Zielgruppen zum Binge Watching ganzer Serien-Staffeln einlädt und für das monatlich kündbar ist und nicht an ein herkömmliches Abonnement gebunden ist.

Ist es z. B. durch neue Kooperationen heute leichter, an Geld zu kommen?

Die Produktion aufwändiger Serien ist natürlich kein billiges Unterfangen und Kooperationen helfen mitunter bei der Schließung komplexer Finanzierungspläne. Mit "Babylon Berlin", eine Koproduktion zwischen X Filme Creative Pool, ARD Degeto, Das Erste, Sky und Beta Film, haben wir gerade erst gezeigt, dass wir innovativen Konstellationen gegenüber sehr aufgeschlossen sind.

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender im Gegensatz zum Pay-TV in Zukunft noch finanzierbar?

Das deutsche Free TV besteht im Grund ja aus zwei unterschiedlichen Finanzierungsformen: dem öffentlich-rechtlichen und dem werbefinanzierten Privatfernsehen. Beide Systeme sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und produzieren zu großen Teilen auf diese Zielgruppen zugeschnittenes "modernes Fernsehen". Das deutsche Fernsehen ist in seiner Gesamtheit so hochwertig wie nie zuvor.

Brauchen wir überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Auch die Privatsender leisten ihren Teil zur politischen und sozialen Meinungsbildung in einer pluralistischen Gesellschaft. Bei spannend erzählten Serien oder innovativen Showformaten lässt sich über den einen oder anderen Werbeblock doch gelassen hinwegblicken. Und wenn es gar nicht geht: jeder Fernseher lässt sich wieder aussschalten! Grundsätzlich aber freuen wir uns natürlich über eine zu unseren Gunsten veränderte Wahrnehmung von Pay TV in der Gesellschaft.