Quirin Berg: "Entscheidend sind die Kreativen"

Quirin Berg, Produzent und Ko-Geschäftsführer bei Wiedemann & Berg Film.
Quirin Berg, Produzent und Ko-Geschäftsführer bei Wiedemann & Berg Film.
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten Quirin Berg, Produzent und Ko-Geschäftsführer bei Wiedemann & Berg Film zum Interview.

Interview mit Quirin Berg

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

"Dark" ist wenige Monate nach dem Start eine der international erfolgreichsten Netflix Serien und wir drehen schon diesen Sommer eine zweite Staffel. Außerdem ist aktuell "Der Pass" in Produktion, eine der ersten Serien für Sky und die zweite Staffel von "4 Blocks" für TNT Serie.

Was ist das Innovative an der Produktion?

"Dark" hat eine einzigartige Erzählweise und verbindet Drama, Thriller, Zeitreise - das gab es so noch nie und schon garnicht aus Deutschland. "4 Blocks" ist die erste Gangster-Serie und fängt aus Sicht eines arabischen Clans die Realität in Berlin-Neuköln ein. "Der Pass" begeben wir uns auf der Jagd nach einem Serienkiller in die Alpen zwischen Österreich und Deutschland. Was alle verbindet sind die neuen Welten, die wir erzählen und die große horizontale Kraft der Geschichten.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen? Ist der Serientrend alles?

Das Programm wird individueller, passgenauer für alle Zielgruppen. Damals war man auf der Suche nach dem größten gemeinsamen Nenner, heute kann man durch die neuen Anbieter viel maßgeschneidertes Programm machen. Und das auch über die Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Serien sind hier sicher in einer Vorreiterrolle aber wir werden zukünftig auch zunehmend Spielfilmproduktionen sehen, die exklusiv oder zumindest zeitgleich zum Kinostart auf den neuen Plattformen released werden.

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Wir haben für Turner 2012 die erste deutsche Pay-TV Serie gedreht. Vor allem Sky, Amazon und Netflix sind massiv in die Produktion deutscher Serien eingestiegen. Jerks war ein großer Erfolg für Maxdome. Nun folgt die Telekom und vermutlich irgendwann Apple, Facebook und einige mehr. Aber auch im linearen TV sind mit ZDFneo und Vox neue erfolgreiche Player auf dem Markt. Eine völlig andere Situation als noch vor 5 Jahren, da waren quasi nur ARD, ZDF, RTL und ProSieben Sat1 im Fiction Bereich aktiv.

Ist es heute leichter, an Geld zu kommen?

Durch die Digitalisierung, die Streaming-Möglichkeiten und die Vielzahl neuer und finanzstarker Player ist die Nachfrage deutlich größer, das macht es natürlich leichter. Aber die eigentliche Herausforderung ist es überhaupt ein wirklich gutes, vielleicht sogar herausragendes Projekt zu kreieren. Das ist ein sehr anspruchsvoller und sensibler Prozess, der nicht auf Knopfdruck funktioniert. Entscheidend sind die Kreativen, die Autoren und Regisseure. Deren Talent, deren Handschrift, entscheidet darüber ob ein Projekt am Ende tatsächlich großartig wird.

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender in Zukunft noch finanzierbar?

Das deutsche Fernsehen stand immer schon für absolutes hochwertiges Programm. Natürlich sorgt das aktuelle Momentum nun aber auch für Impulse im Free-TV. Ein gesunder Wettbewerb, der bekanntlich das Geschäft belebt. Das lineare Fernsehen braucht umso mehr Leuchttürme im Programm, die dem Zuschauer in der Angebotsflut den Weg zur eigenen Marke weisen. Und natürlich spielt die Nutzung der Mediatheken eine immer wichtigere Rolle, die Kombination von Seh-, Abruf- bzw. Auswertungsmöglichkeiten. Wir werden in Zukunft vermutlich vermehrt Programme sehen, die in Kooperation verschiedener Plattformen und Partner entstehen.

Brauchen wir überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Das Lean-Back-Fernsehen hat seinen festen Platz im Entertainment-Mix. Manchmal möchte man sich einfach gut unterhalten lassen ohne jedes Mal lange auswählen zu müssen. Oder ohne jeder Minute eines Programms folgen zu müssen. Wenn man nicht dran bleibt fliegt man bei komplexen Serien schon mal schnell aus der Kurve. Insofern sehe ich da kein Gegeneinander sondern eine schöne Erweiterung der Optionen für die Zuschauer. Es ist doch wie bei der Musik, manchmal möchte man ganz bewusst ein Konzert genießen, manchmal einfach Radio hören oder eine neue Playlist.