Sascha Schwingel: "Wir zeigen, was deutsches Fernsehen imstande ist zu leisten"

Sascha Schwingel, Produktionschef bei der ARD-eigenen Degeto.
Sascha Schwingel, Produktionschef bei der ARD-eigenen Degeto.
Foto: Degeto
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten Sascha Schwingel, Produktionschef bei der ARD-eigenen Degeto zum Interview.

Interview mit Sascha Schwingel

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

Am 7. und 8. März zeigen wir den Zuschauerinnen und Zuschauern im Ersten "Gladbeck". Ein unglaublich intensiver und bewegender Zweiteiler über das Geiseldrama, das vor 30 Jahren ganz Deutschland in Atem hielt. Im Herbst kommt dann endlich die preisgekrönte und international hochgelobte Serie "Babylon Berlin" im Ersten.

Was ist das Innovative an der Produktion?

Ohne Innovationen würde "Babylon Berlin" nicht existieren. Die Zusammenarbeit von ARD Degeto, Sky, Beta Film und X-Filme war ein absolutes Novum. Ein internationaler Erfolg 'Made in Germany'. "Babylon Berlin" zeigt, was deutsches Fernsehen im Stande ist zu leisten. Es gibt immer wieder Produktionen, die ein Genre auf einen neuen Level heben. Da wird "Gladbeck" hinsichtlich des klassischen TV-Zweiteilers ein Zeichen setzen. Es ist Fiktion, aber sehr nah an den realen Ereignissen. Das Drehbuch basiert auf zahlreichen Quellen: Polizeiprotokollen, Aussagen von Zeitzeugen, Untersuchungsausschussberichten und Expertenmeinungen. Für alle Beteiligten war "Gladbeck" eine emotionale Tour de Force.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen? Ist der Serientrend alles?

Das Fernsehen wird immer besser! Der Serientrend ist eine Ausprägung. Deutsche Produktionen wie "Babylon Berlin" finden in der ganzen Welt Beachtung. Es gibt aber auch handwerkliche Innovationen, die das Fernsehen neu beleben. So gibt es heute kaum mehr Unterschiede in der Art, wie im Kino oder im Fernsehen erzählt wird. Das Wichtigste ist, dass das Fernsehen in Bewegung bleibt und sich immer weiterentwickelt – das macht die Arbeit so spannend!

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Es gibt im Bereich der Pay-TV-Anbieter neue Player, wodurch andere Kooperationsmodelle und Finanzierungsmöglichkeiten entstehen. Neben dem linearen TV gibt es auch immer mehr Plattformen, auf denen öffentlich-rechtliche Programme zu sehen sind.

Ist es z. B. durch Kooperationen heute leichter, an Geld zu kommen?

Bei einem Programm, das international erfolgsversprechend ist und ein breites Publikum anspricht, gibt es heute mehr Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren ein adäquates Budget zu finanzieren. Wenn sich ein Pay-TV-Sender oder eine Online-Plattform an der Finanzierung eines Programms beteiligt, dann möchten sie auch Rechte erwerben. Kurz: Es kann mehr Geld akquiriert werden, wenn man bereit ist Rechte abzugeben.

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender in Zukunft noch finanzierbar?

Unbedingt. Aber modernes Fernsehen braucht nicht zwingend ein großes Budget. Es braucht Ideen, außergewöhnliche Geschichten und vor allem die besten Talente vor und hinter der Kamera.

Brauchen wir demnächst überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Wir brauchen vor allen Dingen Programm, mit dem wir das Publikum begeistern. Ob linear oder Pay-TV, ob öffentlich-rechtlich oder kommerziell. Am Ende zäählt die Qualität, die Faszination und die emotionale Kraft, die eine Produktion entfaltet.