Regina Ziegler: "Es liegt mehr Geld denn je auf dem Spielfeld"

Regina Ziegler von der Berliner Ziegler Film.
Regina Ziegler von der Berliner Ziegler Film.
Foto: Ulrike Schamoni
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten Regina Ziegler von der Berliner Ziegler Film zum Interview.

Interview mit Regina Ziegler

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

Der ZDF-Fernsehfilm "Stumme Schreie" nach dem Buch "Deutschland misshandelt seine Kinder" von Michael Tsokos und Saskia Guddat. Das Drehbuch schreibt Thorsten Näter. Regie führt Johannes Fabrick.

Was ist das Innovative an der Produktion?

Dass das ZDF einen Film über dieses Tabuthema wie Kindesmissbrauch in der Primetime zeigt.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen? Ist der Serientrend alles?

Die rentable Verbindung von Quiz und Quote - viel Programm für wenig Geld – wird noch ein wenig mehr ausgequetscht. Daneben wird es wie immer ambitionierte Herzeigeprodukte geben, die das System legitimieren sollen. Das werden auf Sicht Mehrteiler und Miniserien sein. Zwischen beiden Typen wird sich die Krimiwelle noch einige Zeit halten. Bis irgendwann alle tot sind. Und ich vermute ein Anwachsen von Life-Formaten aller Art

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Es gibt immer mehr neue Plattformen, die um die besten Produkte kämpfen. Sie beleben das Geschäft. Doch nur wenige werden sich zu echten Playern entwickeln, für meine Branche an der Spitze Netflix.

Ist es z. B. durch Kooperationen heute leichter, an Geld zu kommen?

Es liegt mehr Geld denn je – nein, nicht auf der Straße, sondern auf dem Spielfeld, aber es gibt auch viel mehr Spieler. An Geld zu kommen war, ist und bleibt leider schwierig. Das wird sich erst ändern, wenn Geld nicht mehr das Wichtigste ist.

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender in Zukunft noch finanzierbar?

Jederzeit. Die Einnahmen aus Gebühren und Werbung fließen nach wie vor reichlich. Wenn auch nicht immer ins Programm.

Brauchen wir demnächst überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Vorsicht mit Nachrufen zu Lebzeiten! Jeder hat mal eine Krise. Die kommt derzeit nicht von quälenden Werbeblöcken, sondern von fehlenden Programmen. Das muss und das wird sich ändern. Es sei denn, private Sender wollten in Zukunft keine Fernsehsender mehr sein! Doch was wäre das – ein Sender ohne Programm? Das wäre wie ein Reiter ohne Pferd.