Oliver Berben: "Momentan ist eine extrem gute Zeit für Produzenten"

Oliver Berben leitet Oliver Berben bei der Filmfirma Constantin das Vorstandsressort TV, Entertainment und digitale Medien
Oliver Berben leitet Oliver Berben bei der Filmfirma Constantin das Vorstandsressort TV, Entertainment und digitale Medien
Foto: Sebastian Widmann/Getty Images
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten Oliver Berben, der bei der Filmfirma Constantin das Vorstandsressort TV, Entertainment und digitale Medien leitet, zum Interview.

Interview mit Oliver Berben

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

Da gibt es drei große serielle Projekte: Zunächst "Die Protokollantin", die nach einer Idee von Friedrich Ani und unter der Regie von Nina Grosse entwickelt wurde, die auch die Drehbücher schrieb. Die Serie wird im Herbst im ZDF laufen. Ein absolutes Topprojekt ist die sechsteilige Crime-Serie "Parfum" die auf Motiven von Patrick Süskinds Roman "Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders" basiert. Der Dreh dauerte ein halbes Jahr und wir haben es geschafft, komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu drehen. Das Geheimnis um den Cast lüften wir jetzt auf der Berlinale am 19. Februar. In der Vorproduktion ist als dritte große Produktion "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Das berühmte Drogendrama wird nach einer Idee von Annette Hess als große High-End-Serie im nächsten Jahr neu verfilmt. Extrem spannend ist auch der Entertainment-Bereich, weil wir die ersten Corporate Content-Produktionen vorbereiten. Das sind Produktionen jenseits der klassischen Auftraggeber, in unserem Fall ist es die Supermarktkette Lidl, mit der wir fiktionale Inhalte oder zum Beispiel Live-Shows kreieren.

Was ist das Innovative an den Produktionen?

Gerade die jungen Künstler – und jung meine ich nicht vom Alter her, sondern im Kopf jung – schauen vermehrt auf die Art, wie und mit welchen Mitteln man eine Geschichte erzählt. Die eine mag in neunzig Minuten extrem zu begeistern und zu bewegen. Eine andere tut das gleiche vielleicht in zehn Stunden. Innovativ ist aber vor allem die Form des Konsums, des Vertriebs. Dass Sie viel mehr Möglichkeiten und Abspielkanäle haben, sich Sendungen anzuschauen.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen?

Ist der Serientrend alles? Ich glaube es nicht. Natürlich ist die serielle Erzählung, die dem Konsum eines Romans sehr nahekommt, eine wunderbare Ergänzung des 90-Minüters. Vor allem aber ist es in der heutigen Zeit Aufgabe der Kreativen, der Autoren und Regisseure, Stoffe und Themen zu finden, die die Leute zum Nachdenken und Diskutieren bringen wie etwa bei den "Kindern vom Bahnhof Zoo".

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Es gibt die neuen nicht linearen Player wie die Streamer, die Pay-TVs und so weiter. Dabei übersieht man gern, was sich wirklich maßgeblich verändert hat: Das ist die Sichtweise der traditionellen Player, also der bekannten Sender. Die verändern sich massiv. In der Art, welche Geschichten sie erzählen. Aber auch in der Art, wie sie die Geschichten den Zuschauern zur Verfügung stellen. Stichwort Mediatheken. Sie verändern sich auch in der Form, wie sie mit Kreativen und Künstlern umgehen, weil plötzlich mehr Konkurrenten am Markt sind. Eigentlich steht nichts mehr still. Alles bewegt sich. Das ist in einem kreativen Zusammenhang extrem positiv zu bewerten.

Ist es entsprechend leichter an Geld zu kommen?

Natürlich ist momentan eine extrem gute Zeit für Produzenten. Und die Möglichkeiten der Finanzierung haben sich verbessert, weil es mehr Player am Markt gibt. Andererseits führen mehr Partner auch zu mehr Verhandlungen und teilweise auch zu mehr Kompromissen. Es ist mehr möglich, aber auch sehr viel kleinteiliger geworden.

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender in Zukunft noch finanzierbar?

Grundsätzlich ja. Trotzdem es ist auch richtig, sich Partnerschaften nicht mehr zu verschließen. Schauen Sie sich das ZDF und die ARD an. Da gibt es eine Vielzahl von Produktionen die in Kooperationen entstehen. Ich glaube, dass es absolut nötig ist. Wenn wir international mitspielen wollen, dann muss man Allianzen schließen.

Brauchen wir überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Diese Frage, ob uns private Sender mit Werbeblöcken quälen, wird innerhalb der Sender komplett anders gesehen. Es wird in allen Bereichen an Modellen gearbeitet, wie Werbung in der Zukunft aussehen wird. Es ist auch nicht so, dass Zuschauer keine Werbung möchten. Man muss nur einen guten und intelligenten Weg finden, wie man die Dinge verbindet. Wie das aussehen kann, werden wir sehr bald erleben.