Nico Hofmann: "Entscheidend sind die Kreativen, die Autoren und Regisseure"

UFA-Chef Nico Hofmann
UFA-Chef Nico Hofmann
Foto: Sascha Steinbach/Getty Images
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten Ufa-Chef Nico Hofmann zum Interview.

Interview mit Nico Hofmann

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

Da gibt es bei uns, bei der UFA, viele. Zurzeit drehen wir die zweite Staffel von "Charité", die sich im historischen Spektrum des Nationalsozialismus bewegt. Sie hat eine noch mal deutlich modernere Erzählstruktur als die erste Staffel. Außerdem startet im Herbst natürlich "Deutschland86" bei Amazon Prime. Stolz bin ich auch darauf, dass wir Oscar-Gewinner Michael Haneke gewinnen konnten, mit uns erstmals eine große internationale Serie zu drehen: ein düsteres Zukunftsabenteuer unter dem Arbeitstitel "Kelwins Buch". Und persönlich freue ich mich, dass die Lebensverfilmung von "Siegfried & Roy" unter der Regie von Phillip Stölzl gut voranschreitet.

Was ist das Innovative an den neuen Produktionen?

Sie vereint, dass sie international ausgerichtet sind und die qualitativen Anforderungen durchgehend hoch sind. Doch heute wie früher gilt: Entscheidend sind bei jeder Produktion die Kreativen, die Autoren und Regisseure. Sie entwickeln neue Formen der Erzählung, trauen sich mehr und werden freier in der Interpretation und Umsetzung von Geschichten. Das ist für mich faszinierend zu beobachten und zu begleiten.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen? Ist der Serientrend alles?

Der deutsche Fernsehmarkt ist ein Milliardenmarkt. Da ist für große historische Stoffe wie "Unsere Mütter, unsere Väter" noch genauso viel Platz wie für hochwertige Serien. Der Trend zur Diversifizierung wird weiter zunehmen und der TV-Markt immer "nischiger" werden.

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Auffallend ist, wie sehr zum Beispiel amerikanische Kabelkanäle auf den deutschen Markt drängen. Das Ausland hat heute einen anderen Blick auf uns. Der deutsche Markt hat sich völlig neu positioniert, nach Hoch-Zeiten der skandinavischen Serien und Filme sind jetzt deutsche Produktionen extrem gefragt. Das Interesse an UFA-Projekten ist groß. Das macht sich gerade besonders bei "Deutschland86" bemerkbar. Die Ost-West-Serie feiert ihre Premiere bei Amazon Prime: Ein Knopfdruck im Herbst, und die Serie wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie kurz darauf weltweit zu sehen sein.

Ist es entsprechend leichter an Geld zu kommen?

Das Vorgehen verändert sich. Neben den üblichen Wegen brauchen wir die Kooperation mit internationalen Financiers, weil die TV-Produktionen immer anspruchsvoller werden. Kosten von 2,5 bis drei Millionen für einen 45- bis 50-Minüter im Highend-Bereich sind normal. Das ist die Untergrenze im internationalen Vergleich, aber um ein Vielfaches teurer als etwa ein "Tatort".

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender in Zukunft noch finanzierbar?

Selbstverständlich. Die öffentlich-rechtlichen Sender verfügen nach wie vor über große Budgets und bleiben auch künftig wichtige Partner für uns. Dagegen investieren neue Anbieter wie etwa Sky one oder andere Plattformen in deutsche Produktionen in deutlich geringerem Umfang. Trotzdem ist der Weg der ARD, für Großprojekte wie "Babylon Berlin" mit Sky zu kooperieren, der richtige.

Brauchen wir bei all der Vielfalt überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Um die Privaten muss man sich bei allem Umbruch nicht sorgen. Das ist ein ganz eigenes Geschäft. RTL etwa kennt seine Zuschauerschaft genau und produziert seine Sendungen exakt für diese im Vergleich jüngere Zielgruppe. Das Publikum ist ein ganz anderes als zum Beispiel beim Streamingdienst Netflix und deckt sich nur wenig.