Michael Lehmann: "Es gibt ganz neue Erzählmöglichkeiten mit Virtual Reality und Augmented Reality"

Michael Lehmann, Chef der Studio Hamburg Produktion.
Michael Lehmann, Chef der Studio Hamburg Produktion.
Foto: Stefan Malzkorn
GOLDENE KAMERA traf im Rahmen von sieben Fragen an sieben Produzenten den Boss der Studio Hamburg Produktion Michael Lehmann zum Interview.

Interview mit Michael Lehmann

Was ist Ihre größte und aufregendste Produktion im TV-Jahr 2018?

Auf jeden Fall unsere sechsteilige Banken-Thriller-Serie "Bad Banks", die Anfang März als Binge-Watch-Event auf Arte und im ZDF läuft und auch bereits im letzten Jahr in Cannes bei den Einkäufern aus aller Welt großen Anklang gefunden hat. Und dann stehen dieses Jahr noch die Dreharbeiten für einen Kinofilm über Udo Lindenberg an - für mich persönlich ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.

Was ist das Innovative an der Produktion?

"Bad Banks" ist die erste Thriller-Serie im Bankenmilieu. Hinter diesem Projekt stehen neben unserer Produzentin Lisa Blumenberg unserer Meinung nach die besten kreativen Köpfe der neuen Generation, zu denen Regisseur Christian Schwochow und Headautor Oliver Kienle zweifellos gehören. Neu ist auch die Art der Finanzierung, da es sich nicht um eine klassische Auftragsproduktion handelt, sondern um eine europäische Koproduktion mit der luxemburger IRIS Productions sowie ZDF und ARTE. Neu und spannend ist auch, dass wir einen internationalen Weltvertrieb mit Sitz in Frankreich an unserer Seite haben, Federation Entertainment.

Wohin entwickelt sich das Fernsehen? Ist der Serientrend alles?

Es gibt nicht nur den Serien-Trend, sondern der Fernsehmarkt insgesamt befindet sich in einer großen Veränderung. Mediatheken entwickeln sich von TV-Catch up weg und produzieren eigenen Content. Die großen Player wie Amazon und Netflix entwickeln sich auch immer weiter, Amazon kauft inzwischen Sportrechte. Und dann gibt es mit Virtual Reality/360 Grad und Augmented Reality ganz neue Erzählmöglichkeiten und man kann den Zuschauer noch intensiver für den Content begeistern. Eine spannende Zeit für große Geschichten, aber nicht nur in der Fiction.

Gibt es neue Player und wer sind diese?

Es ist spannend zu sehen, wie die Verbreitungsmöglichkeiten immer vielseitiger werden und sich damit auch mögliche Partner ergeben. Da sind z.B. die kleineren Player wie einzelne Bezahlsender, die vorher noch nichts produziert haben und jetzt langsam damit anfangen und damit interessant für uns werden. Das Thema Exklusivität nimmt für kleinere Player und den VoD-Bereich einen immer größeren Stellenwert ein. Wenn man sieht, dass jetzt auch Facebook oder Apple auf selbst produzierte Inhalte setzen, dann tun sich damit ganz neue Möglichkeiten auf.

Ist es entsprechend leichter an Geld zu kommen?

Jein. Einerseits könnte man meinen, dass es einfacher geworden ist, weil es mehr Partner gibt, andererseits wird dadurch die Rechtediskussion auch viel komplexer und die Finanzierung splittet sich auf mehrere Partner auf.

Ist modernes Fernsehen für deutsche Free-TV-Sender in Zukunft noch finanzierbar?

Auch Free-TV Sender öffnen sich langsam gegenüber neuen Finanzierungsmöglichkeiten wie man z.B. aktuell an der Finanzierung unserer Serie "Bad Banks" sehen kann, bei der wir neben den Sendern ZDF und Arte von Anfang an auch den französischen Weltvertrieb Federation als starken Partner mit an Bord hatten.

Brauchen wir überhaupt noch Privatsender, die uns mit Werbeblöcken quälen?

Sicher brauchen wir die. Auf den privaten Sendern funktionieren wieder ganz andere Themen und Formate.