Blutiger Schnee im "Tatort: Waldlust"

Zweite Ludwigshafener Impro-Folge nach "Babbeldasch": Ulrike Folkerts spielt ohne Drehbuch, aber dafür mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Eine schäbige Herberge, geführt von einem verurteilten Mörder und im Essen Menschenknochen. Der "Tatort: Waldlust" (4. März, 20.15 Uhr, Das Erste) verlangt Lena Odenthal einiges ab.

Darum geht's im "Tatort: Waldlust"

Ohne Copper muss sich das Team um Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) neu finden. Ein Coachingseminar im Schwarzwald soll für neuen Zusammenhalt sorgen. Doch die Unterkunft mitten in den verschneiten Bergen stellt sich als eine Zumutung dar. Der Besitzer (Heiko Pinkowski), ein verurteilter Mörder, empfängt die Reisegruppe mit einer Mistgabel und seine Nichte Doro (Eva Bay), mit Hang zur Selbstverletzungen, schleicht sich nachts auf einen Friedhof.

Als Trainer Simon Fröhlich (Peter Trabner) aus seinem Essen einen Menschenknochen herausfischt, spitzt sich die Lage zu. Kann das Provinz- Polizistenehepaar Elfi (Christina Große) und Jörn Brunner (Juergen Maurer) der Ludwigshafener Mordkommission helfen?

Wer ist mit dabei?

Neben Ulrike Folkerts ermittelt nun Lisa Bitter als Johanna Stern, die schon seit 2014 zum Team gehört – bisher aber nur die Nebenrolle spielte. Außerdem sind in den Schwarzwald angereist: Sekretärin Edith Keller (Annalena Schmidt) und Kriminaltechniker Peter Becker (Peter Espeloer).

Ausnahmsweise wurde dieser Film chronologisch gedreht und den vier Schauspielern, die das Team der Mordkommissson spielen, nicht verraten, wer der Mörder ist. Alle Darsteller bekamen anstelle von Drehbüchern lediglich eine Zusammenfassung des Plots in die Hand gedrückt – sprich alle Dialoge sind improvisiert. Diese Voraussetzungen machen den Film nicht nur für die Schauspieler spannend. Leider birgt dieses Vorgehen aber auch ungewollte Sprach- und Situationskomik, etwa wenn Sekretärin Edith Keller (Annalena Schmidt) im tiefen Schnee Tai Chi trainiert und Sätze wie :"Diese frische verschneite Landschaft lässt die Stille der Dinge erklingen" von sich gibt.

Das Polizistenpaar Elfi und Jörn Brunner konnte mit den beiden sehr charismatischen Schauspielern Christina Große und Juergen Maurer besetzt werden. Die Charakterdarstellerin ("Neufeld, mitkommen!") und der "Vorstadtweiber"-Star Maurer, zeigen dass sie sich durchaus aufs Improvisieren verstehen.

Hintergrund

Passend untermalt wird die Familientragödie von Martina Eisenreichs Symphonie für großes Orchsester, eingespielt von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Über 50 Minuten erklingen Singende Säge und Cembalo. Die Musik vermischt sich so stark mit der Handlung, dass Regisseur Axel Ranisch die "Sinfonie als das heimliche Drehbuch" beschreibt.

GOKA-Wertung

Ein Schauplatz, eine Handvoll Verdächtige, finstere Seelenpein: Der schräge Nervenzerrer hat seine guten Momente und der Schwarzwald im Schnee stellt durchaus eine reizvolle Kulisse dar.

Nachdem schon der erste Impro-Versuch des Regisseurs Axel Ranisch "Tatort: Babbeldasch" viel Kritik einstecken musste, ist auch diese zweite improvisierte Grusel-Sinfonie durchaus Geschmacksache. Zwar sind hier keine Laien, sondern Profis am Werk, dennoch wirkt auch dieser verschrobene Film oft hölzern und streckenweise unfreiwillig komisch. Wer auf seine Kosten kommt, sind Freunde der klassischen Musik: Die Symphonie ist eindeutig besser als die Dialoge.