Sebastian Fitzek: "Filme mit Opfern im Mittelpunkt, gibt es noch lange nicht genug!"

Was passiert, wenn Computer Verbrechen voraussagen? Der TV-Thriller "Das Joshua-Profil" nach Sebastian Fitzek gibt die Antwort. Wir trafen den Bestseller-Autor zum Interview.

Seine Bücher verkaufen sich millionenfach, alle Romane seit seinem Erstling "Die Therapie" aus dem Jahr 2006 landen auf den Bestseller-Listen: Sebastian Fitzek ist Deutschlands erfolgreichster Thriller-Autor. Am 30. März zeigt RTL um 20.15 Uhr die Romanverfilmung "Das Joshua-Profil", in dem er sogar eine Rolle als Buchverkäufer übernommen hat. Wir sprachen mit ihm über künstliche Intelligenz, Datensammelwut und Gesichtserkennung.

Interview mit Sebastian Fitzek

In "Das Joshua-Profil" ist Predictive Policing Fluch und Segen. Ihre Meinung über künstliche Intelligenz?

Es gibt keine Entwicklung, die nicht zwei Seiten hat. Ob Gentechnik, Digitalisierung oder künstliche Intelligenz: Jede Neuerung hat das Potential, unser Leben zu verbessern, aber auch es zu verschlechtern, im schlimmsten Fall sogar zu zerstören. Das aber nur, wenn wir uns nicht mit den Risiken und Gefahren auseinandersetzen, und hier liegt das Problem bei künstlicher Intelligenz. Obwohl sie schon real ist und angewendet wird, erscheint sie uns immer noch wie Science Fiction.

Ist Predictive Policing realistisch? Gibt’s "Pre Crime" wirklich – also ein Programm, das alle möglichen Daten über uns sammelt, und mithilfe von Algorithmen vorhersagt, wie wir uns verhalten werden?

Ja, das gibt es und wird weltweit auch schon eingesetzt. Vorreiter war das Programm Blue Crush in den USA. Auch in Deutschland gab und gibt es Testversuche. Das LKA Bayern etwa verwendet eine Software namens "Precobs".

Basiert Predictive Policing auf der so genannten Deep Face-Technologie?

Gesichtserkennung (wenn das gemeint ist?) steht nicht im Zentrum solcher Programme. Die Verbrechensvorhersage basiert auf der Auswertung unzähliger Daten: von Verbrechensstatistiken aus der Vergangenheit, wo etwa häufiger eingebrochen oder randaliert wurde, über Social-Media-Daten einzelner Personen, bis zum Veranstaltungs- und Wetterbericht. So kann man Verbrechensschwerpunkte räumlich und zeitlich eingrenzen. Streifenwagen fahren nicht mehr per Zufallsprinzip durch die Gegend, sondern können gezielt zu möglichen Brennpunkten geschickt werden, wo die errechnete Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Straftat höher ist als anderswo.