Wie wird das Fernsehen der Zukunft, Herr Pastewka?

Bastian Pastewka über Hoffnungsträger im TV, die große Krimiflut und seine Idee für den Samstagabend.

Kaum einer kennt die TV-Landschaft besser als er. Zuletzt meisterte Bastian Pastewka mit seiner Serie "Pastewka" sogar erfolgreich den Schritt zum Streamingdienst Amazon Prime.

Bastian Pastewka über die neue "Pastewka"-Staffel

Im Gespräch mit GOLDENE KAMERA erklärt der Vielseher, was englische Sender uns voraushaben und wie Fernsehen von morgen aussieht.

Interview mit Bastian Pastewka

Kunden können Ihre Serie "Pastewka" wie jedes andere Produkt bei Amazon bewerten und kommentieren. Lesen Sie die Bewertungen?

Nein. Nicht weil es mich nicht interessiert, aber diese ungeheure Masse an Meinungen führt mich zu keiner Erkenntnis. Mir reicht es, wenn die Besucher der "Pastewka"-Kinopremieren vor jeder Staffel ihren Spaß haben. Das ist mein persönlicher Wohlfühlmoment und der optimale Schulterschluss mit den Fans und den kritischen Zuschauern.

Nach öffentlich-rechtlichen und Privatsendern produzieren jetzt auch Streamingdienste eigene Serien. Also goldene Zeiten für Schauspieler?

Vor allem haben deutsche Produzenten großes Glück: Sie können bei Streamingdiensten Geschichten anbieten, die in kein Sendeschema mehr passen müssen. Die klassischen Sender sind jetzt im besten Sinn unter Zugzwang, auch Neues auszuprobieren. Dabei gibt es auch schon tolle Serien bei ARD und ZDF wie "Ku’damm 56" oder "Babylon Berlin" in Kooperation mit Sky. Das deutsche Erzählfernsehen ist momentan spannend wie nie. Wenn es goldene Zeiten sind, dann für das Publikum.

Wie sehen Sie persönlich fern?

Ich schaue tatsächlich überwiegend Streamingdienste. Klassische Programme gucke ich kaum noch "live", sondern über Mediatheken. Oder ich nehme mir Sendungen auf. Ich liebe es, vorher mit einem Textmarker die Spalten der TV-Zeitschrift zu durchforsten und mich auf irgendwas zu freuen. Das ist herrlich entspannend.

Das sind Pastewkas Lieblingsserien

Was streichen Sie an?

Viele Serien, vor allem englische.

Ihr aktueller Favorit?

"Der junge Inspektor Morse". Sie spielt im Oxford der 60er und erzählt die Vorgeschichte der "Inspektor Morse"-Reihe. Grandioses Ambiente, tolle Geschichten.

Wie gut ist deutsches Fernsehen im Vergleich mit dem englischen?

Tagsüber läuft da ähnlich viel Unsinn wie bei uns. Abends aber sind Sender wie ITV und BBC unschlagbar, etwa mit der "Graham Norton Show" oder Krimireihen wie "Happy Valley" oder "Line Of Duty". Oder "Mr Selfridge" – oberflächlich betrachtet eine fast schwülstige Soap, aber: Selbst Soaps können die Engländer besser.

Woran liegt das? Sind die Briten handwerklich besser? Mutiger?

Die Geschichten werden konsequenter erzählt. Manchmal auch abseitiger und hemmungsloser als bei uns. Aber: Auch bei uns gibt es immer wieder tolle Reihen, mit denen keiner gerechnet hat, wie etwa "Das Verschwinden" oder "Tempel".

Bildergalerie "Das Verschwinden"

Wen sehen Sie als Hoffnungsträger im deutschen Fernsehen?

Beim Darstellernachwuchs sind die Deutschen für mich immer noch unschlagbar. Siehe "Fack ju Göhte". Im Fachbereich Humor würde ich die extrem talentierte Hazel Brugger gern in die erste Reihe stellen.

Was glauben Sie: Wie wird das Fernsehen in zehn Jahren aussehen?

Ich denke, dass wir in zehn Jahren in erster Linie alles auf Abruf anschauen werden. Diese komischen Scharmützel zwischen Sendern: "O mein Gott! Zwei Moorleichenkrimis laufen zeitgleich!" – solche Diskussionen werden verschwinden.

Werden in zehn Jahren denn immer noch so viele Krimis laufen?

Ich denke ja. Deutschland ist seit jeher eine Krimination. Ich habe eine Theorie.

Ich bin gespannt.

Nach dem Krieg haben uns die Alliierten ihre Krimis dagelassen: Simenon, Wallace, Durbridge & Co. Die ersten großen TV-Hits der frühen 60er waren Mehrteiler wie Durbrigdes "Das Halstuch". In diesen Krimis wird der Täter sehr genau entlarvt, das Motiv exakt beschrieben. Kurz: Es wurde eine umfassende Erklärung für Schuld dargeboten. Vielleicht war das nach dem Krieg ein Ventil. "Der Kommissar" und "Derrick" haben das weitergeführt.

Bildergalerie: Die TV-Klassiker der 60er-Jahre

Hat das einstige TV-Highlight, die große Samstagabendshow, noch eine Zukunft?

Es gibt samstagabends ja erfolgreiche Shows wie "Klein gegen Groß" oder "Der Quiz-Champion". Aber die Zeiten von 20 Millionen Zuschauern sind vorbei. Dafür hat sich das TV zu sehr verändert.

Wenn Sie den Sendeplatz am Samstag um 20.15 Uhr bekämen mit völliger Freiheit und unbegrenztem Budget: Was würden Sie tun?

Ich würde "Der junge Inspektor Morse" zeigen. Und danach als Programmdirektor abgesetzt werden. Deal?