GOLDENE KAMERA-Kandidat: "Die Freibadclique"

In "Die Freibadclique" (28. März, 20.15 Uhr, Das Erste) erzählt eine authentische Story aus den Kriegsjahren: Die schrecklichen Erlebnisse an der Front beenden die Träume von fünf Teenagern.

Den fünf 16-jährigen Freunden aus der Freibadclique steht der Sinn nach Musik und Mädchen, aber bestimmt nicht nach Vaterlandspflicht und Krieg. Doch genau dahin werden sie gnadenlos gezwungen: zum Volkssturm für den "Endsieg".

Trailer zu "Die Freibadclique"

Darum geht's in "Die Freibadclique"

Der Krieg ist bereits so gut wie verloren, das Nazireich steht vor dem Untergang. Die fünf Jungen, die sich Im Sommer 1944 regelmäßig im Freibad von Schwäbisch Hall treffen, interessiert das so wenig wie die Ideologie ihrer Eltern. Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft, hören amerikanischen Jazz, schwärmen von hübschen Mädchen und träumen von der ersten Liebe. Doch sie ahnen auch: Dem Krieg können sie nicht entkommen.

Schließlich werden die Freunde tatsächlich eingezogen und kommen an die Front. Sie müssen mit ansehen, wie Kameraden erschossen und Deserteure gehängt werden, gleichzeitig versuchen sie, selbst zu überleben, immer hin- und hergerissen zwischen Auflehnung und Anpassung. Als die Clique sich nach Kriegsende wiedertrifft, ist sie nicht mehr vollzählig. Und auch die Überlebenden sind nicht unversehrt, weder körperlich noch psychisch.

Hintergrund

Die Geschichte des Films "Die Freibadclique" basiert auf den Jugenderinnerungen von Oliver Storz, die er 2008 als Roman veröffentlichte. Der Autor und Regisseur, Jahrgang 1929, konnte den Stoff nicht mehr selbst umsetzen. Vor seinem Tod 2011 übertrug er das Filmprojekt an Friedemann Fromm, der Drehbuch und Regie übernahm. "Für mich war es faszinierend, mich dieser Generation anzunähern", sagt Fromm, dessen Vater im gleichen Jahr geboren wurde wie Storz. "Es gab bei ihnen eine Lebensfreude jenseits der Grauen des Krieges."

Anfangs gab es die Idee, den Film als Zweiteiler zu konzipieren. Das wäre durchaus sinnvoll gewesen, denn er besteht aus zwei Teilen: Nach dem Antikriegsdrama wirkt die Schilderung der Nachkriegsmonate wie ein Krimi. Um beide Teile zu verbinden, arbeitete Fromm mit Vorblenden, die Bedrohliches in der Zukunft andeuten: "Ich mag das als dramaturgisches Mittel. Es schärft die Aufmerksamkeit."

GOKA-Wertung

Eine Stärke des Dramas ist, dass es neben dunklen auch humorvolle Momente hat. Die Jungs wollen Spaß haben, auch im Krieg. Und sie wehren sich auf ihre Art. Der Film gibt authentische Einblicke in die Psyche einer Generation: "Sie sind keine großen Widerstandskämpfer oder Helden", so Fromm. "Aber sie versuchen, sich mit ihren bescheidenen Mitteln dem System zu entziehen und sich so ihre Integrität und Lebendigkeit zu bewahren."

Muss ich sehen, weil...

...dieser Film eine grandiose Zeitstudie ist und die Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger erzählt wird – und gerade deshalb so eindringlich ist.

Für Fans von...

...Nachkriegsdramen wie Oliver Storz' "Gegen Ende der Nacht" (1998)

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)