Der Kampf um die Wahrheit: Welchen TV-News vertrauen die Deutschen am meisten?

Die Nachrichtenmoderatoren im deutschen Fernsehen gelten als überaus glaubwürdig.
Die Nachrichtenmoderatoren im deutschen Fernsehen gelten als überaus glaubwürdig.
Foto: HÖRZU
Wahrheit, Falschmeldung oder Fakt? Darüber entscheiden unsere Nachrichtenmacher jeden Tag aufs Neue.

Vertrauen ist die wichtigste Währung für Nachrichtensendungen – und für diejenigen, die uns die Fakten präsentieren. Aber welchen News-Moderatoren vertrauen die meisten Deutschen wirklich? Wer ist besonders glaubwürdig? Wir wollten es genau wissen. Deshalb wurde das Meinungsforschungsinstitut Forsa mit einer repräsentativen Umfrage beauftragt. Dabei wurde 1010 Bundesbürgern über 18 Jahren die Frage gestellt, wie sehr sie den fünf großen Nachrichtensendung vertrauen. Als Antworten waren „voll und ganz“, „eher“, „eher nicht“ und „überhaupt nicht“ möglich. Das Ergebnis:

Das Erste liegt vorn – und zwar mit Abstand. Der „Tagesschau“ vertrauen 49 Prozent „voll und ganz“, 41 Prozent „eher“ – insgesamt glauben also 90 Prozent der Deutschen den „Tagesschau“-Sprechern, was sie sagen. Die „Tagesthemen“ kommen auf 89 Prozent: 43 Prozent vertrauen ihnen „voll und ganz“, 46 Prozent immerhin „eher“. Auf Platz drei: „heute“ mit insgesamt 83 Prozent (35 Prozent „voll und ganz“, 48 Prozent „eher“), gefolgt vom „heute-journal“ (34 und 49 Prozent), beides Sendungen des ZDF. Abgeschlagen landet „RTL Aktuell“ auf dem letzten Platz: Nur 8 Prozent glauben den Nachrichten des Privatsenders „voll und ganz“, 35 Prozent „eher“. Auffällig: Der Sendung mit Peter Kloeppel vertrauen 39 Prozent „eher nicht“ und acht Prozent „überhaupt nicht“.

Keine Chance für Falschmeldungen

Am Moderator liegt das nicht, denn 43 Prozent der Deutschen halten ihn für den vertrauenswürdigsten Nachrichtenmann. Kloeppel liegt nur einen Prozentpunkt hinter Claus Kleber (44 Prozent) vom „heute-journal“ und vor Marietta Slomka (37 Prozent). GOLDENE KAMERA bat die Sieger zum Gespräch: Claus Kleber (62), Peter Kloeppel (59), Marietta Slomka (48) und Kai Gniffke (57), Erster Chefredakteur ARD-aktuell („Tagesschau“).

Wie kämpfen Sie als Nachrichtenmacher gegen „Fake News“, Falschmeldungen?

Peter Kloeppel: „Zum einen, indem wir grundsätzlich skeptisch sind – egal wie schlüssig Meldungen auf den ersten Blick auch erscheinen mögen. Außerdem haben wir ein sogenanntes Verifizierungsteam aufgebaut.“ Diese Instanz, so Kloeppel, überprüfe „mit ausgeklügelten technischen Methoden vor allem Bildmaterial“, bei dem die Quellenlage unklar sei. (Lesen Sie hier das komplette Interview mit Peter Kloeppel) Auch die ARD hat Anfang 2017 eine Art Taskforce gegen falsche Nachrichten ins Leben gerufen, so Kai Gniffke: „Bei uns heißt dieses Team ‚Faktenfinder‘ – und es ist seine Aufgabe, offensichtliche Desinformationen aufzuspüren und unseren Nutzern zu erläutern, welche Rechercheergebnisse wir selbst dazu gefunden haben.“

Ist Vertrauen also auch aus der Sicht der Nachrichtenmacher die wichtigste Währung für ihre Sendungen?

Marietta Slomka: „Bei uns ist das wichtigste Kapital das Vertrauen, dass wir unsere Arbeit professionell, unabhängig und redlich machen. Vertrauen heißt aber natürlich nicht blinde Gefolgschaft. Auch eingefleischte Stammzuschauer finden nicht jeden Bericht oder jedes Interview gut. Und natürlich sind wir nicht frei von Fehlern.“ (Lesen Sie hier das komplette Interview mit Marietta Slomka) RTL sieht das ähnlich: „Vertrauen ist die wichtigste Währung“, so Peter Kloeppel, „aber wir müssen sie uns jeden Tag aufs Neue durch korrekte, verlässliche Berichterstattung erarbeiten.“ Und Kai Gniffke fügt hinzu: „Höchstwahrscheinlich ist das Erfolgsgeheimnis der ‚Tagesschau‘ tatsächlich das Vertrauen, das die Menschen seit Jahren in die Unabhängigkeit, Kompetenz und Verlässlichkeit unserer Sendung haben. Dieses Vertrauen jeden Tag neu zu rechtfertigen ist die eigentliche Herausforderung für die Zukunft.“

Wie entscheiden Nachrichtenmacher, was eine Nachricht ist – und was nicht?

„Für mich“, erklärt Kloeppel, „ist eine Nachricht eine Information, die aktuell und relevant ist.“ Slomka: „Ein Ereignis ist neu, wichtig, ungewöhnlich, nahe, betrifft viele Menschen und ist wirklich so geschehen. Mit der Entscheidung darüber haben sie aber schon sehr viel zu prüfen und zu gewichten. Ein Beispiel dafür, dass die Auswahl von Nachrichten in einem höheren Sinne nicht ‚objektiv‘ sein kann: Ein großes Zugunglück in Bayern ist für uns ein Aufmacher. Ein ebenso großes Zugunglück in China nicht. Ist das nun objektiv? Im ‚heute-journal‘ setzen wir außerdem immer Schwerpunkte, wir berichten nicht über alle Nachrichten in gleicher Länge. Auch das führt täglich zu neuen Diskussionen und Abwägungen.“

Würden RTL-News wie „Immer weniger Deutsche telefonieren mit dem Smartphone“ auch im „heute-journal“ gemeldet?

Slomka: „Auch bei uns kann es mal um Handynutzung oder Fleischkonsum gehen, wenn es da eine interessante Entwicklung gibt. Aber grundsätzlich ist bei uns der Anteil an Politik, einschließlich Auslandsthemen, ein sehr viel höherer als bei den Privaten. Wir muten unseren Zuschauern auch Themen zu, die komplex sind und ihren eigenen Alltag nicht unmittelbar betreffen. Familie Schmidt aus Wuppertal ist nicht persönlich betroffen, wenn in der Türkei reihenweise Regierungskritiker verhaftet werden. Wir halten das aber für ein wichtiges Thema, um zu verstehen, was auf dieser Welt geschieht. Die Quote ist uns da herzlich egal. Genau das erwarten unsere Zuschauer auch von uns.“

Was kennzeichnet gute Interviews?

„Als Allererstes der Erkenntnisgewinn“, so Claus Kleber. „Also dass die Zuschauer etwas hören, sehen und im besten Fall durchschauen. Was ein gutes Interview nicht ist, ist ein Wettkampf. Es geht also nicht um einen Sieg nach Punkten oder gar um ein K. o.“ (Lesen Sie hier das komplette Interview mit Claus Kleber)

Für die hartnäckigen Interviews wurde jüngst der Begriff „geslomkat“ erfunden – damit ist gemeint, jemanden intensiv in die Mangel zu nehmen. Ein Kompliment?

Marietta Slomka: „Es ehrt mich, solange daraus nicht die Erwartungshaltung entsteht, dass jedes Interview von mir ein großes Bohei bietet. Darum geht es mir sicherlich nicht. Ich bin so manches Mal in den letzten 17 Jahren in Interviews reingegangen ohne die Erwartung, dass das besonders ‚aufregend‘ werden würde – und plötzlich bekam ein Gespräch eine erstaunliche Dynamik und öffentlichen Widerhall. Wenn ich aber ständig mit der Absicht in Interviews reingehen würde, dass es wieder besonders hart sein müsse, wäre das ganz falsch.“ Einen Wunsch hätte die Moderatorin allerdings: manchmal gern mehr Zeit für Interviews.

Sprechen die Moderatoren ihre Interviews mit Politikern ab? Oder bekommen diese die Fragen sogar vorher zugesteckt?

„Niemals“, so Slomka. „Ich habe auch gar keine vorgefertigten Fragen, sondern nur Stichworte auf einem Zettel und gehe dann spontan auf die Antworten des Gegenübers ein. Wer sich an vorgefertigten Fragen festhält, führt keine interessanten Interviews.“

Interviewfragen werden nie abgesprochen

Claus Kleber enthüllt, dass ihn trotzdem schon manche Interviewpartner vorab um die Fragen gebeten haben: „Ausländische Potentaten gelegentlich – Erdogan etwa, und Ahmadinedschad auch. Ihnen musste ich erklären, dass es so was von uns nicht gibt. Ich habe vier US-Präsidenten interviewt, doch keiner von ihnen – und nicht mal ein Mitarbeiter – kam jemals auf diese Idee. Das hat auch was mit demokratischer, parlamentarischer Kultur zu tun.“

Wurde Peter Kloeppel schon mal ein Angebot von ARD oder ZDF gemacht?

Der RTL-Moderator verrät: „Nein, jedenfalls kein ernst gemeintes. Und ganz ehrlich: Ich habe auch nie darauf gewartet!“

Welche Neuerungen sind geplant? Experimentieren die Nachrichtenmacher mit neuen Formen der Berichterstattung?

Claus Kleber: „Eigentlich ständig. Das Schöne ist, dass das ZDF seiner ‚journal‘-Mann-/Frauschaft‘ vertraut und uns auch Freiräume lässt. Irgendwann in den nächsten Jahren wird sicher auch das Studio etwas erneuert. Aber wir fühlen uns auch heute darin wohl.“ Kai Gniffke: „Wir werden im April das Team von ‚tagesschau24‘ um zwei neue Moderatorinnen verstärken, die den Zuschauern bislang noch aus anderen Sendungen bekannt sind.“ Peter Kloeppel: „Wir erproben auch künftig weiter neue Formen wie Erklärstücke, Grafikelemente, Reportagen, Umfragen oder Pro-und-Kontra-Geschichten.“

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