TV-Event der Woche: "Bella Block: Am Abgrund"

Am Ende fährt Hannelore Hoger noch mal zur Höchstform auf: In der letzten Folge als Bella Block landet sie gegen ihren Willen in der Psychatrie, muss den Tod eines alten Freundes aufklären und stößt auf eine Einbruchsbande von missbrauchten Kindern.

Jetzt heißt es Abschiednehmen. Zum letzten Mal ermittelt Hannelore Hoger in ihrer Paraderolle als "Bella Block". Die Folge "Am Abgrund" läuft am Samstag, dem 24. März um 20.15 Uhr im ZDF. Und dieser Fall geht an die Nieren: ein totes Kind, ein explodierendes Auto und eine toughe aber auch mal weinende Bella Block, die mehrere Anschläge überlebt. Im Interview mit der GOLDENEN KAMERA verrät die Schauspielerin alles über ihren Abschied:

Hannelore Hoger über ihren letzten "Bella Block"-Einsatz

Darum geht' s in "Bella Block: Am Abgrund"

Welch ein Schock! Vor Bella Blocks Augen explodiert das Auto ihres guten Freundes Staatanwalt Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig). Gerade saßen sie noch beim Essen zusammen und sprachen über ihre Rente und Mehlhorns letzten großen Fall "eine unglaubliche Schweinerei", von der niemand etwas weiß. Auch Bella wollte von diesen Ermittlungen nichts hören – welch ein Fehler. Nach dem Anschlag gibt sie alles, um den Tod von Mehlhorn aufzuklären. Dieser schien einer Einbruchsbande von Kindern auf der Spur zu sein.

Unerwartet bekommt Bella Block Hilfe von alten Bekannte: Ex-Kollege Jan Martensen (Devid Striesow) und ihr Ex-Liebhaber Simon Abendroth (Rudolf Kowalski), der nach sechs Jahren mit einer großen Neuigkeit plötzlich wieder auftaucht und Bella gleich zwei Mal das Leben rettet. Gefühlschaos pur! Plötzlich ist sie, wie sie lakonisch feststellt, "eine alleinstehende ältere Frau mit Hund – na wenn das nicht zum Lachen ist".

Ihre Ermittlungen bringen Bella immer tiefer in ein Netz aus Korruption und Amtsmissbrauch, sowohl bei der Hamburger Justiz als auch bei einer Wohnungsbaugesellschaft, die ein übles Spiel mit ihren Mietern treibt.

Hintergrund

Als Bella Block 1993 zum ersten Mal im Fernsehen auf Arte erschien, gab es kaum weibliche Ermittler. Eigentlich war der Krimi "Die Kommissarin", welcher auf den Roman "Weinschröter, du musst hängen" (1987) von Doris Gercke beruht, als einmaliger Film vorgesehen. Doch Hannelore Hoger überzeugte so sehr in ihrer Rolle, dass insgesamt 38 Folgen in einen Zeitraum von knapp 25 Jahren entstanden. Die unangepasste Ermittlerin mit ihren Ecken und Kanten, aber immer integer und selbstbewusst, fand schnell ihre Fangemeinde. Neben den vielen positiven Kritiken erhielt sie den Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis, den Bayrischen Fernsehpreis, den Goldenen Löwen und 1998 die GOLDENE KAMERA.

"Diese ambitionierte Krimi-Reihe - meistens keine leichte Kost - entwickelte sich schnell zu einer ZDF-Marke, zu einem leuchtenden Beispiel für die erstrebenswerte Vereinbarkeit von Qualität und Quote, die sowohl vom Publikum wie von den Kritikern geachtet und geschätzt wurde", erklärt Pit Rampelt, Redaktion Fernsehfilm vom ZDF.

Als ihre bösen Wiedersacher sind in der Abschiedsfolge unser Star der Woche Sabin Tambrea und GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Corinna Harfouch zu sehen. Besonders hervor sticht neben den beiden auch Lilith Stangenberg als geistig zurückgebliebene Schwester des Anführers einer Einbruchsbande. Und sogar Ex-Big Brother Bewohnerin Jana Wagenhuber stellt als sexy Bardame Bella Block den einen oder anderen Grappa hin.

Ein besonderes Wiedersehen gibt es zudem mit Rudolf Kowalski als Ex-Liebhaber Simon Abendroth und Devid Striesow, der von 2005 bis 2013 ihren Kollegen Jan Martensen spielte und mittlerweile für den Saarbrückener "Tatort" vor der Kamera steht.

Warum Hannelore Hoger jetzt die Rolle beendet, lesen Sie hier im Interview mit der GOLDENEN KAMERA, gegenüber des ZDFs begründet die 75-Jährige es wie folgt: "Weil ich jetzt in einem Alter bin, wo ich nicht unbedingt immer weitermachen möchte, diese Rolle. Ich möchte auch, würde ich sagen, einen würdigen oder einen vernünftigen Abschied nehmen. Die arbeitet ja schon nach ihrer Rente hinaus. Und es würde mir nicht gefallen, wenn man das sozusagen mit ins Grab nimmt, also mit den letzten Worten noch: Wo waren Sie gestern, und dann fiel sie um. Das wollt ich mir ersparen."

GOKA-Wertung

Was für ein Abschied. In typischer Bella Block-Manier nimmt die wohl unangepassteste Ermittlerin des deutschen Fernsehens ihren Hut. Sie kämpft, weint und lässt sich wie so oft von keinem noch so schweren Schicksalsschlag unterkriegen. Das alles macht sie einerseits sympathisch, aber etwas subtilere Zwischentöne hätten dieser Abschiedsfolge trotzdem gut getan. Nichts desto Trotz werden wir diese eigenwillige, empathische und kantige Rolle sehr vermissen. Zum Glück ist auch diese letzte Folge noch ein mal ganz dicht an Bella dran, an ihrem Gerechtigkeitssinn und den klaren Einsatz für Schwächere. Insgesamt ein emotionalgeladener Abgang mit Knalleffekt.