Peter Kloeppel: "Teil unseres Jobs war es schon immer, die Spreu vom Weizen zu trennen"

 Peter Kloeppel  ("RTL Aktuell") landet mit 43 % Zustimmung in Sachen Glaubwürdigkeit auf Platz 2.
Peter Kloeppel ("RTL Aktuell") landet mit 43 % Zustimmung in Sachen Glaubwürdigkeit auf Platz 2.
Foto: © RTL / Stefan Gregorowius
Peter Kloeppel ist "Mr. RTL Aktuell". 1992 wurde er Chefmoderator der Hauptnachrichten des Kölner Privatsenders.

Im Interview mit GOLDENE KAMERA zum Thema "Glaubwürdigkeit von TV-Nachrichten" erklärt der 59jährige Motorradfan, wie sich die Redaktion von RTL Aktuell täglich vor "Fake News" schützt.

RTL Aktuell wird 30. Was sind Hauptmerkmale der Nachrichtensendung?

Peter Kloeppel: Wir sind kompakt, relevant und eng an den Interessen der Zuschauer orientiert. Wir ordnen ein, bieten Hintergrund-Informationen und auch immer die eine oder andere überraschende, menschelnde Nachricht, die man in vergleichbaren Sendungen so wohl nicht findet.

Fake News – wie lange wird Sie als Anchor und uns als Zuschauer dieses Thema wohl noch beschäftigen?

Derzeit ist Fake News ja zum einen ein populistischer Kampfbegriff, den wir registrieren, aber tagtäglich durch unsere Berichterstattung widerlegen. Zum anderen ist es auch der Versuch von teils anonymen Gruppen und Individuen, uns mit falschen Informationen in die Irre zu führen. Dagegen setzen wir unsere langjährige journalistische Erfahrung und ein umfangreiches Netzwerk an Quellen- und Faktencheckern. Aber ganz nüchtern betrachtet: Die Versuchung, Fake News zu lancieren, hat es immer gegeben und daran wird sich leider auch künftig nichts ändern.

Wie oft wird Ihre Redaktion beim Vorbereiten der Nachrichtensendung mit Fake News konfrontiert, die aussortiert werden müssen?

Nicht so oft wie mancher denken würde – aber Teil unseres Jobs war es schon immer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Wie gelingt das, wie identifizieren Sie Falschmeldungen?

Zum einen, in dem wir grundsätzlich skeptisch sind bei allen Meldungen, egal wie schlüssig sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Außerdem haben wir eine eigene Einheit, das sogenannte Verifizierungsteam, aufgebaut, das mit ausgeklügelten technischen Methoden vor allem Bildmaterial überprüft, bei dem die Quellenlage unklar ist.

Vertrauen – die wichtigste Währung für eine Nachrichtensendung?

Ja, aber wir müssen sie uns jeden Tag aufs Neue durch korrekte, verlässliche Berichterstattung erarbeiten.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Sendeplatz?

18.45 Uhr ist für Millionen Zuschauer jeden Abend ein fester Termin, darüber freuen wir uns und wollen auch nicht an der Uhrzeit bzw. an dieser „Verabredung“ rütteln.

Wie groß ist Ihr Team?

Wir haben eine ca. 20-köpfige Kernmannschaft in Köln, greifen dabei aber auch auf die journalistische Infrastruktur der Mediengruppe RTL zurück mit 11 nationalen und 11 internationalen Korrespondenten-Büros sowie vielen Mitarbeitern in Einheiten, die sich zum Beispiel um Planung, Produktion, Bildbeschaffung und Technik kümmern.

Arbeiten bei Ihnen ausschließlich ausgebildete Journalisten?

Um Redakteur oder Reporter zu sein, ist eine journalistische Ausbildung bei uns Grundvoraussetzung.

Wie definieren Sie den Begriff Nachricht – und warum wird auch vermeldet, dass z.B. „immer weniger Deutsche mit dem Smartphone telefonieren“?

Für mich ist eine Nachricht eine Information, die aktuell und relevant für unsere Zuschauer ist.

Wie ist der für den Zuschauer nicht auf den ersten Blick erkennbare Aufbau von „RTL Aktuell?“

Unser Aufbau ist eigentlich leicht zu erkennen: fast immer beginnen wir mit politischen Themen aus dem In- oder Ausland, angereichert mit Reporterschalten, Interviews und Hintergrundberichten. Es folgen ein Block mit Kurznachrichten, danach Hard-News-Beiträge aus Nicht-Politikbereichen, Service-Themen und auch fast immer eine etwas „weichere“ Human-Interest-Geschichte. Unverzichtbarer Bestandteile am Ende sind der Sport und das Wetter.

Die Preisträger "Beste Information" 2017 im Backstage-Interview

Welche Neuerungen planen Sie bei „RTL Aktuell“, und welche werden vielleicht schon jenseits der öffentlichen Wahrnehmung experimentell erprobt?

Wir erproben ständig neue Formen, ob das nun Erklärstücke sind, Grafikelemente, Reportagen, Umfragen oder auch mal Pro-und-Contra-Geschichten. Wichtig ist uns aber auch, dass wir nicht nur auf dem TV-Bildschirm präsent sind und wahrgenommen werden. Deshalb ist RTL Aktuell auch auf diversen Plattformen im Internet mit teils ganz eigenen Angeboten vertreten.

Gibt es personelle Zu- und Abgänge bei den Gesichtern der Sendung bzw. bei den Korrespondenten?

Charlotte Maihoff, Maik Meuser und ich bilden ein schlagkräftiges Trio, das sicher noch viele erfolgreiche Jahre vor sich hat. Und auch unser Korrespondenten-Netz mit erfahrenen und jungen Reportern ist und bleibt eine feste Bank unserer Berichterstattung.

Umfrage: Welchem Nachrichtenmoderatort vertrauen Sie am meisten?

FORSA-Umfrage von HÖRZU. 1010 Befragte ab 18 vom 1. - 5.3.2018

Wie groß wäre Ihre Lust auf ein tägliches, halbstündiges RTL-Nachrichtenmagazin am späten Abend – à la „Tagesthemen“ und „heute-journal“? Warum gibt’s keins?

Diese Sendung gibt es schon! Wir haben mit dem RTL Nachtjournal seit 1994 ein höchst erfolgreiches Nachrichten-Magazin am späten Abend, das mit längeren Reportagen und Interviews ganz eigene Akzente setzt.

Schlussfrage – und bitte ganz ehrlich: Wurde Ihnen schon mal ein Angebot von den Öffentlich-Rechtlichen unterbreitet?

Nein, jedenfalls kein ernstgemeintes – und ganz im Ernst: ich habe auch nie darauf gewartet.