Claus Kleber: „Ich denke nicht ans Aufhören“

ZDF-Moderator Claus Kleber
ZDF-Moderator Claus Kleber
Foto: ZDF / Uwe Düttmann
ZDF-Anchorman Claus Kleber ist für die Deutschen der vertrauenswürdigste Nachrichtenmoderator.

Bei einer Forsa-Umfrage der Hörzu landete der Moderator des heute-journals mit 44 % Zustimmung knapp vor seinem Kollegen Peter Kloeppel von RTL (43 %). Im Interview mit GOLDENE KAMERA zum Thema "Glaubwürdigkeit von TV-Nachrichten" erklärt Kleber, warum ein TV-Interview kein Match ist, bei dem um einen Sieg nach Punkten geht.

Vertrauen – die wichtigste Währung für einen Nachrichtemoderator?

Klaus Kleber: Sicher, aber wir verdienen kein „blindes“ Vertrauen. Wir gehen jeden Abend davon aus, dass uns denkende, kritische Menschen zuschauen, deren Vertrauen wir Tag für Tag verdienen müssen.

Die deutliche Mehrheit der deutschen Fernsehzuschauer vertraut den Nachrichten. Haben „Fake News“ ihren Zenit überschritten? Brechen jetzt wieder bessere Zeiten für Nachrichtenmacher an?

Mir gefällt die Alternative „besser, schlechter“ nicht. Niemand hat Anspruch darauf, dass Dinge so bleiben wie sie sind. Heute haben Zuschauer sehr viel größere Möglichkeiten, uns zu überprüfen. Und wenn sie Anlass zu Kritik finden, das laut kundzutun. Das bedeutet, dass wir schneller und öfter zur Verantwortung gezogen werden. Gut so. Allerdings müssen nun auch Zuschauer sehen, dass sie Verantwortung tragen für das, was sie aus dem Netz fischen und weitergeben – mit „likes“ und „tweets“.

Jüngst kommentierten Elmar Theveßen und Wulf Schmiese Ereignisse im „heute-journal“ politische Ereignisse. Führt das „heute-journal“ den Kommentar schrittweise ein?

Anders als die ARD haben wir nicht das Ritual des täglichen Kommentars. Aber wenn die Ereignisse danach rufen, haben schon immer herausragende Stimmen bei uns kommentiert. Neuerdings eben auch der (nicht mehr ganz) neue Chef des Journals und erfahrene Hauptstadt-Korrespondent Dr. Wulf Schmiese.

Was kennzeichnet ein gutes Interview?

Als allererstes der Erkenntnis-Gewinn. Dass Zuschauer etwas hören, sehen und im besten Fall durchschauen. Was ein gutes Interview nicht ist: ein Match. Es geht nicht um Sieg nach Punkten oder k.o.

Stecken Sie Ihren Interviewpartner die Fragen vorher zu?

Sicher. Genau so wie Aubameyang dem Torwart vor dem 11-Meter steckt, wohin er zielt.

Bitten Ihre Interviewpartner Sie vorher um die Fragen?

Ausländische Potentaten gelegentlich. Erdogan wollte das. Ahmadinedschad auch. Da musste ich erklären, dass es so was von uns nicht gibt. Ich habe vier US-Präsidenten interviewt. Keiner von ihnen – und kein Mitarbeiter – kam auf so eine Idee. Das hat auch was mit demokratisch/parlamentarischer Kultur zu tun.

Welchen Anspruch haben Sie an ein Interview, das Sie für das „heute-journal“ führen? Exklusivität? Neue Sichtweisen? Das Weiterdrehen einer Story?

Klar ist es schön, jemanden zu haben, den alle wollen aber eben nicht alle bekommen. Ansonsten hat jedes Interview im "heute-journal" aus dem Tag heraus hoffentlich seine eigene Attraktion.

Obwohl Sie die vertrauenswürdigste weibliche Nachrichtenmoderatorin und der vertrauenswürdigste männliche Nachrichtenmoderator im deutschen TV sind, ist die vertrauenswürdigste Sendung laut unserer Forsa-Umfrage nicht das „heute-journal“ (83 Prozent), sondern die „Tagesschau“ (90 Prozent), und danach die „Tagesthemen“ (89 Prozent). Haben Sie eine Erklärung für dieses Paradox?

Kein Paradox. Auch ich halte Tagesschau und Tagesthemen für vertrauenswürdige Sendungen. Der kleine Prozent-Vorsprung ist für uns Ansporn. Am meisten würde es mich freuen, wenn wir alle gemeinsam fast bei 100 wären.

Umfrage: Welchem Nachrichtenmoderator vertrauen Sie am meisten?

FORSA-Umfrage von HÖRZU. 1010 Befragte ab 18 vom 1. - 5.3.2018

Ihr Sendeplatz – optimal?

Ja – wenn er eingehalten wird.

Ihre Sprecher – immer noch alles ausgebildete Journalisten?

Welche Sprecher? Bei uns präsentieren ausschließlich Journalist/innen.

Nehmen Sie bei Ihren Interviews für das „heute-journal“ immer die „konträre Sichtweise“ Ihrer Gesprächspartner ein? Und falls ja: Erkennen die Zuschauer, dass es sich dabei nicht um Ihre eigene Meinung handelt oder wird Ihre Hartnäckigkeit mitunter auch mit Sadismus oder Besserwisserei verwechselt?

Ja, das mache ich. Ich denke, dass „gegenhalten“ ein gutes Werkzeug ist. Lustigerweise sind Interviews, in denen ich besonders heftig für „zu hartes Nachhaken“ oder „aggressive Fragen“ oder „Stillosigkeit“ kritisiert wurde, genau die, in denen ich privat die Ansicht des Gegenübers teilen konnte.

Wie lange läuft Ihr Vertrag beim „heute-journal“? Lust, dort bis zum Rentenalter zu bleiben?

Ich denke nicht ans Aufhören. Aber wenn das ZDF mal sagt „danke, es langt“, dann ist das so.

Welche Neuerungen planen Sie konkret für das „heute-journal“? Experimentieren Sie schon – jenseits der bewussten Wahrnehmung der Zuschauer – mit neuen Rubriken, Abläufen oder Beitragslängen?

Eigentlich ständig. Das Schöne ist, dass das ZDF seiner journal-Mann/Frauschaft vertraut und uns auch Freiräume lässt. Irgendwann in den nächsten Jahren wird sicher auch das Studio etwas erneuert. Aber wir fühlen uns auch heute darin wohl.

Welche neuen ZDF-Reportage-Dokus drehen Sie persönlich in 2018/19? Wofür gehen Sie auf ZDF-Reportagereisen? Wann ist die Ausstrahlung?

Die Reisen für eine neue große Doku haben schon begonnen. Ausstrahlung im Dezember. Es geht wieder um eine der großen Fragen – wie bei HUNGER! und DURST!,Machtfaktor Erde“ und zuletzt Silicon Valley die unter http://siliconvalley.zdf.de immer noch erfolgreich ist. Mehr kann ich noch nicht verraten.

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Foto: © RTL / Stefan Gregorowius
Peter Kloeppel ist "Mr. RTL Aktuell". 1992 wurde er Chefmoderator der Hauptnachrichten des Kölner Privatsenders.
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