Heike Makatsch will sich trotz "Tatort" nicht festlegen lassen

Ellen Berlinger (Heike Makatsch) beim verhören.
Ellen Berlinger (Heike Makatsch) beim verhören.
Foto: SWR/Julia Terjung
Heike Makatsch ist am Ostermontag zum zweiten Mal als Hauptkommissarin Ellen Berlinger im Einsatz und bekommt es mit einem Fall zu tun, der sie auch persönlich betrifft.

Im neuen "Tatort: Zeit der Frösche" (2. April, 20.15 Uhr, das Erste) ist Ellen Berlinger nach ihrer Babypause in ihre Heimatstadt Mainz gezogen. Ihr neuer Fall beginnt mit dem Fund eines blutdurchtränkten Kapuzenpullis in einem Altkleidercontainer. Ellens neuer Kollege Martin Rascher (Sebastian Blomberg) ist davon überzeugt, dass dieser Fund auf einen weiteren toten Jugendlichen hinweist und damit Teil einer unaufgeklärten Mordserie ist.

Im Interview mit GOLDENE KAMERA erklärt Makatsch (46), warum sie nicht mehr als eine Tatort-Folge pro Jahr drehen will und stellt in Frage, dass es eine "ganz normale Familie" wirklich gibt.

GOLDENE KAMERA: Ihr erster „Tatort“ lief vor zwei Jahren. Warum hat es so lange bis zum zweiten gedauert?

Heike Makatsch: Der Ostermontag ist ja ein besonderer Termin für den „Tatort“ und offenbar mit mehr Freiheiten verbunden. Es war ein Entwicklungsprozess, und der hat etwas länger gedauert. Es ist ein neues Buch, ein neuer Regisseur und am Ende ein ganz neuer Film. Die Figur wird einem eher lieb und teuer, die kennt man ja schon ein bisschen besser. Es ist eine interessante Erfahrung, eine Figur weiter zu erzählen, in einem anderen Lebensabschnitt mit anderen Problematiken. Aber es ist trotzdem jedes Mal wieder ein neuer Film.

Es gibt Schauspieler, die wollten schon immer einen Tatort drehen. Und es gibt welche, die wollen es niemals tun, um sich nicht festzulegen.

Genau, und ich bin irgendwo dazwischen. Insofern, weil ich ja tatsächlich nicht so festgelegt bin. Ich mache nicht zwei Tatorte pro Jahr, die es mir kaum mehr ermöglichen, andere Filme zu drehen. Und gleichzeitig freue ich mich, Teil zu sein von einer doch sehr facettenreichen, genrereichen „Tatort“-Familie.

Galerie zum "Tatort: Zeit der Frösche"

Wird es einen dritten Makatsch-„Tatort“ geben?

Bei jedem Film, den ich drehe, muss ich durch Entscheidungsprozesse gehen. Es ist nicht so, dass man mich anruft und sagt: Hier, Film, mach! Sondern: Man bekommt das Drehbuch, man liest es, man überlegt. Es bleibt also spannend.

Was ist so reizvoll daran, eine Polizistin zu spielen?

Es ist interessant, wenn man Figuren in Extremsituationen beschreibt. Wie gehen sie damit um, wie sehr involvieren sie sich, werden aus der Bahn geworfen? Wird diese Figur zum Helden? All das könnte passieren, wenn man eine Polizistin spielt. Wenn die dann auch noch einen privaten Background hat, kann das schon eine runde Figur werden. Aber in einem Krimi sind es oft eigentlich die anderen, die von dem Geschehen betroffen sind. Man steht als Polizistin irgendwie am Rand und kann emotional nicht so richtig rein ins Gemenge.

In „Zeit der Frösche“ ist Ellen Berlinger allerdings tatsächlich persönlich betroffen.

Am Ende ist es immer eine inhaltliche Frage für mich. Es geht nicht darum, eine Form zu erfüllen. Im besten Falle sind es Geschichten, die man gern miterzählen möchte. So wie bei jedem anderen Film auch. Ich bin jetzt in diese „Tatort“-Gang hineingeraten, jetzt sucht man sich da seinen Weg durch.

Sind sie „Tatort“-Zuschauerin?

Ja, schon. Nicht jeden Sonntag. Es ist eine Institution, und ich denke das macht den Tatort auch aus. In Zeiten, in denen sich unsere Informationsquellen sehr über verschiedenste Kanäle verteilt, trifft sich beim Tatort die Nation, wie früher bei „Wetten, dass…?“, zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Fernseher. Und dann fällt jeder sein Urteil. Das ist eine Art Sport, - Quoten, Daumen hoch, Daumen runter - den ich als Zuschauer gut nachvollziehen kann. Als Schauspielerin finde ich ihn so mittel.

Ellen Berlinger nennt sich selbst „verkorkst“ und meint ihr Privatleben. Wäre es nicht schön, mal eine Ermittlerin mit ganz normaler Familie zu haben? Ein bisschen „heile Welt“?

Gibt es so was, eine ganz normale Familie? Wenn man genauer hinschaut, findet man bei jedem Menschen eine Besonderheit. Der eine ist sexsüchtig, der nächste ist einsam, der übernächste ein Perfektionist. Ich finde das Privatleben von Ellen Berlinger nicht besonders spektakulär. Sie ist eine halbwegs überforderte Mutter, die vielleicht manchmal vor der Verantwortung für ihr Kind wegrennt, indem sie in ihren Job flüchtet. Sie hat keine Beziehung, sie versucht es dann mal, aber merkt, dass sie sich nicht richtig einlassen kann. Normal, oder?

„Zeit der Frösche“ dreht sich um Kinder. Berührt einen solch eine Geschichte mehr, wenn man selbst Kinder hat?

Je mehr Erfahrungen man aus seinem eigenen Leben in eine Rolle bringen kann, desto nachvollziehbarer wird sie. Ich habe auch schon Mütter gespielt, als ich noch keine Kinder hatte. Aber selber erlebt zu haben, was es bedeutet, die Selbstverständlichkeit und das Allumfassende des Eltern seins, kann man sich vielleicht nicht vorstellen, wenn man keine Kinder hat.

Was in dem Film auffällt: Die Männer sind die Sensiblen, die Frauen treiben die Dinge voran. Ist Ellen Berlinger eine Heldin?

Da würde ich gar nicht zwischen Mann und Frau unterscheiden, es sind einfach unterschiedliche Menschen. Rascher, den ich eine interessante Figur finde, ist ein empathischer Kommissar. Jemand, der sich emotional nicht raushalten kann. Ich denke, er ist trotzdem eine einsame Insel. Genau wie Ellen, die versucht, ihre Gefühle eher zu verdrängen. Beide umwabert eine Melancholie und Einsamkeit. Sie komme nicht richtig zueinander, aber vielleicht sehen sie sich jedoch ineinander. Auf jeden Fall würde ich nicht sagen, der eine ist weich, die andere ist hart. Sie gehen beide unterschiedlich um mit Dingen, mit denen sie eigentlich nicht umgehen können.