Max Giermann: "Eine Parodie soll immer auch provozieren"

Zum Start der neuen Staffel von "Sketch History" (ab Freitag, 6. April, 23.00 Uhr, ZDF) sprachen wir mit Parodist Max Giermann über Helmut Schmidt, Ritter und Hitze im Mittelalter.

Er war schon Martin Luther, Erich Honecker und Alexander III. Jetzt schlüpft Max Giermann für die dritte und letzte Staffel der Comedy-Reihe "Sketch History" wieder in furiose Rollen. In aufwendigen Clips gehen er und seine Kollegen auf eine schräge Zeitreise. GOLDENE KAMERA sprach mit Max Giermann über die neuen Folgen.

Interview mit Max Giermann

Sie sind diesmal zum ersten Mal überhaupt in der Rolle als Bundeskanzler Helmut Schmidt zu sehen. Wie entwickeln Sie eine solche Parodie?

Ich nähere mich meinen Figuren über ihre Stimme. Zunächst schaue ich stundenlang Filmausschnitte an. Irgendwann nehme ich Sätze auf einem Diktiergerät auf und spreche sie nach. Das ist eine wahnsinnig stupide Angelegenheit. Aber wenn ich die Stimme draufhabe, ist das mehr als die halbe Miete. Anschließend kommt es natürlich auf eine gute Maske an. Bei Helmut Schmidt war die Sache speziell.

Warum? Was war anders als sonst?

Die meisten Menschen haben den späten Schmidt im Kopf. Dieses in sich ruhende Orakel, diesen alten Herrn, der bedächtig gesprochen hat. Ich spiele aber den Schmidt von 1977. Der hatte eine andere Dynamik, ein anderes Sprechtempo. Um einen Wiedererkennungseffekt zu erzeugen, habe ich Elemente des alten und des jungen Schmidt zusammengesetzt. Das war neu für mich.

In einem Sketch guckt Ihr Helmut Schmidt Fernsehen mit den Terroristen der RAF, während seine Frau Loki Sex mit dem Kommunarden Rainer Langhans hat. Könnten das Schmidt-Verehrer nicht als eine Majestätsbeleidigung empfinden?

Ich mache mir über solche Dinge nicht allzu viele Gedanken. Eine Parodie soll ja immer auch ein bisschen provozieren. Wer sich da ernsthaft auf den Schlips getreten fühlt, interpretiert in diesen Sketch zu viel rein und versteht auch die Grundabsicht nicht – dass er vor allem unterhalten und lustig sein soll.

Sie spielen auch wieder eher unbekannte Figuren der Weltgeschichte sowie fiktive Rollen. Ist das etwas anderes, als eine Parodie einer bekannten Figur zu geben?

Es ist auf eine Weise angenehmer, weil ich weniger Druck habe. Die Zuschauer können meine Darstellung in diesen Fällen ja nicht mit ihnen vertrauten historischen Persönlichkeiten vergleichen. Ich spiele einige Rollen, bei denen ich komplett frei bin. Etwa wenn ich irgendeinen Ritter mime. Und dann gibt es reale Figuren wie den österreichischen Kaiser Joseph II. Von dem hat zwar kaum ein Zuschauer eine konkrete Vorstellung. Trotzdem lese ich mich vorher ein: Was hatte der für einen Charakter? Wofür stand der? Ich nehme alle meine Figuren ernst und spiele sie nie einfach so dahin.

Für welche Rolle saßen Sie am längsten in der Maske?

Die Grundregel lautet: Immer wenn künstliche Körperteile nötig sind, dauert es lang. Diemal habe ich pro Drehtag etwa vier Stunden in der Maske verbracht. Ich wurde um drei Uhr morgens abgeholt, in die Maske gesetzt, und um neun fing der Dreh an. Das ist zwar anstrengend, aber ich liebe den Prozess der Verwandlung. Er gibt mir Kraft.

Gab es ein unangenehmes Kostüm?

Wir haben im Sommer in Budapest bei bis zu 40 Grad Hitze gedreht. Da waren vor allem die Mittelaltergeschichten strapaziös: Bei denen hatte ich meistens einen angeklebten Bart, trug Strumpfhosen und ein schweres Gewand. Das war bei den Temperaturen die Hölle. Man kann sagen: Diese Erfahrungen haben mir das Mittelalter ganz schön verleidet.