TV-Event der Woche: "Das deutsche Kind"

Dieser Film geht unter die Haut: Schlimm genug, dass eine 6-Jährige ihre Mutter verliert, aber dann ist sie auch noch einem Sorgerechtsstreit zwischen den christlichen Großeltern und ihren muslimischen Nachbarn ausgesetzt.

In "Das deutsche Kind" (4. April, 20.15 Uhr, Das Erste) spielt GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Petra Schmidt-Schaller, eine Mutter, die das Sorgerecht ihre Tochter nach ihrem Tod an eine muslimische Familie überträgt.

Darum geht's in "Das deutsche Kind"

Cem (Murthan Muslu) ist ein angehender Imam, der hinter einem weltoffenem Islam steht. Seine Frau Sehra (Neshe Demir) trägt aus eigener Überzeugung Kopftuch, arbeitet und führt mit ihm eine Beziehung auf Augenhöhe. Als die Nachbarin und gute Freundin Natalie (Petra Schmidt-Schallker) plötzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, erhalten die beiden, nach dem Testament der Verstorbenen, das Sorgerecht für die sechsjährige Pia (Malina Harbort). Während Sehra das Kind sofort aufnehmen will, zögert Cem. Schließlich fordern auch Pias Großeltern (Katrin Sass und Lutz Blochberger) das Sorgerecht für das Kind und die kulturellen Unterschiede sorgen für Probleme in der eigenen Familie.

Und richtig, kaum ist Pia bei der türkischstämmigen Familie eingezogen, fragt Cems Verwandtschaft, wann er seiner Pflegetochter türkisch beibringen will und sie zum Korranunterricht geht. Doch Cem und Sehra wollen Pia die Frage, für welchen Glauben sie sich entscheidet, selbst überlassen. Anders als Pias Oma, die ihre Enkeltochter heimlich an einem ihrer Besuchswochenenden christlich taufen lässt. Die Situation droht zu eskalieren und alle Beteiligten außer Sehra verlieren die Wünsche des Kindes aus den Augen.

Hintergrund

Der Film ist aus der Perspektive des Adoptivvaters Cem erzählt. Dieser wird großartig vom Wiener Murathan Muslu gespielt, der zuletzt vor allem als Antiheld in zahlreichen Krimis zu sehen war ("Tatort: Tollwut", "Kommissarin Heller: Vorsehung" und "Bozen-Krimi: Am Abgrund" ).

"Die Idee zu der Geschichte kam mir nach der Geburt meiner Tochter", so Autor Paul Salisbury ("Vorstadtrocker", "Herbert"). "Ich habe mich gefragt: Würde ich unser Kind einem befreundeten Nachbarn zum Babysitten anvertrauen, der Moslem ist? Spielt dessen Glauben für meine Entscheidung überhaupt eine Rolle?"

Der Film funktioniert aber nur dank der Glaubwürdigkeit der zehnjährigen Schauspielerin Malina Harbort, die Sätze wie: "Wie kann sie (die Mutter) auf dem Friedhof und gleichzeitig im Himmel sein?" authentisch rüberbringt. Die Berlinerin stand schon für "Der namenlose Tag", "Der gute Bulle" und "Der Kriminalist" vor der Kamera.

GOKA-Wertung

Der Film dreht sich um komplexe moralische Fragen und gleichzeitig wird vielen Vorurteilen der Kampf ansagt. Was zählt, ist doch die Fürsorge für das Kind und nicht der Glaube. Leider wird zeitweise zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt und an anderen Stellen bleibt das TV-Drama zu oberflächlich - oder verliert das Kind sogar ganz aus dem Blick. Erzählt wird aus der Sichtweise des Vaters, sicherlich auch die spannendeste Perspektive, doch die Sicht von Ehefrau und Adoptivtocher kommt dabei etwas zur kurz. Zumal Malina Harbort (10) in ihrer Rolle als Pia wirklich großartig ist. Katrin Sass läuft als irritierte Großmutter, die um ihr Enkelkind kämpft, ebenfalls zur Höchstform auf. Der Film zeigt berührend, das gelebte Nächstenliebe keine Frage des Glaubens ist.