"Ella Schön": Annette Frier als Heldin mit Asperger-Syndrom

Gefühlskram? Das ist nichts für die an Asperger leidende Ella. Annette Frier spielt die Titelheldin unverblümt ehrlich und urkomisch.

Asperger ist ein ungewöhnliches Thema für die ZDF-"Herzkino"-Reihe, doch gerade durch das Handikap der Titelheldin Ella Schön gewinnt der Zweiteiler seinen Reiz.

Darum geht's in "Ella Schön"

Mit dem Tod ihres Geliebten kommt es für Christina knüppeldick: Die zweifache Mutter ist schwanger, dann taucht auch noch Ella Schön auf, die Witwe des Verstorbenen. Die hat sein Haus auf Fischland an der Ostsee geerbt und will die Geliebte samt Kindern nun hinauswerfen – nicht aus Rache, sondern weil sie das Haus verkaufen möchte. Die Not der alleinstehenden Mutter erkennt sie nicht, denn ihr fehlt jegliches Gespür für andere Menschen: Ella leidet an Asperger, einer Form von Autismus.

So weit die Ausgangslage des neuen ZDF-Sonntagsfilms. Die Protagonistin, gespielt von Annette Frier, tut sich mit Gefühlen schwer, der Umgang mit Menschen stresst sie – auch in ihrem Beruf als Juristin. Da sie für Klienten eine Zumutung war, ist sie aus der Kanzlei geflogen. "Asperger ist eine Herausforderung für alle Beteiligten", sagt Annette Frier. Zur Vorbereitung auf die Rolle führte sie Gespräche mit Betroffenen und schaute sich viele Berichte an.

Ella nimmt keine Rücksicht auf Gefühle

Die Annäherung an die Filmfigur fiel Frier dennoch schwer: "Ich musste körperlich verinnerlichen, was der Intellekt schon begriffen hatte. Es dauerte zwei Wochen, bis der Knoten platzte. Ella hat einen ganz eigenen Rhythmus. Für mich ist es so, als würde ich in einer fremden Tonart spielen."

Ellas Bewegungen sind steif und ungelenk. Freundlichkeit, Charme, Diplomatie – all das beherrscht sie nicht. Ohne Rücksicht auf die Empfindungen anderer spricht sie immer direkt aus, was sie denkt. Wenn sie dabei die alltägliche Verlogenheit im sozialen Miteinander entlarvt, entwickelt das durchaus rauen Charme. "Ella hält uns einen Spiegel vor. Wenn sie ganz unverblümt die Wahrheit sagt, entsteht daraus Komik", sagt Frier. "Manchmal tut so was gut in unserer Konsensgesellschaft, in der wir alle meistens brav funktionieren."

Unter dieser Unverblümtheit leidet im Film vor allem Christina, dargestellt von Julia Richter. "Ellas Offenheit ist natürlich oft verstörend", meint die Schauspielerin. Christina versucht, Ella so zu nehmen, wie sie ist, doch manchmal platzt ihr der Kragen. "Natürlich gibt es auch aggressive Momente, in denen sie verletzend wird. Die Figuren sind alle ambivalent, aber dadurch auch nahbar."

Tolerantes Miteinander

Da alle unter einem Dach leben müssen, bis der Erbstreit geklärt ist, bemühen sich alle, mit der schwierigen Situation zurechtzukommen. "Ella und Christina wirken ein bisschen wie ein schräges Ehepaar", meint Julia Richter. Und Annette Frier ergänzt: "Wir wollen eine unterhaltsame, humorvolle Geschichte erzählen." Heile Welt und Happy End sollte man dennoch nicht erwarten: "Asperger ist nicht heilbar. Deshalb müssen alle lernen, mit den Widrigkeiten umzugehen. Das ist mühsam. Ella ist anstrengend, und sie macht es anderen nicht leicht." Das müsse man auch mal aushalten, meint Julia Richter.

Im toleranteren Miteinander sieht sie eine grundlegende Aufgabe unserer Gesellschaft: "Es ist einfach, die Schuld immer nur bei anderen zu suchen. Wichtig ist es aber auch, mal innezuhalten und das eigene Sozialverhalten zu hinterfragen." Richter kann sich eine Fortsetzung der Filmreihe gut vorstellen: "Da steckt viel Potenzial für weitere schöne Geschichten drin."

"Ella Schön" im ZDF

Erst einmal laufen zwei Filme im ZDF: Folge 1 "Die Inselbegabung" am Sonntag, dem 8. April um 20.15 Uhr und Folge 2 "Das Ding mit der Liebe" am Sonntag, 15. April, 20.15 Uhr. Gefallen sie den Zuschauern, werden im Sommer zwei weitere gedreht.