Sadistischer Mord an einem Jungen im "Tatort: Unter Kriegern"

Wer hat den 11-jährigen Malte qualvoll sterben lassen? Von Pädophilie über Leistungswahn bis hin zur Eifersucht finden die Frankfurter Ermittler Anna Janneke und Paul Brix immer mehr mögliche Motive.

Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) geht sein siebter Fall spürbar an die Nieren: "Ich muss eine Bestie fangen, die einen Elfjährigen zum quallvollen Tod verdammt hat." Zusammen mit Kollegin Janneke nimmt er die Ermittlungen in einem Sportleistungszentrum auf, in dem das Frankfurter Team auf eine deprimierende Stimmung aus Leistungsdruck, Angst und Wut stößt. Im "Tatort: Unter Kriegern" (8. April, 20.15Uhr, Das Erste) schockt Regisseurin Hermine Huntgeburth die Zuschauer mit einem düsteren Zusammenspiel negativer Gefühle. Besonders der kaltblütige Unsympath Felix (Juri Winkler) sorgt für schaurige Momente: "Morgen sauf' ich dein Blut", droht der 12-Jährige seiner Mitschülerin Luisa, bevor er sich im nächsten Moment wieder sehr eloquent gibt und von seinem Lehrer eine bessere Note fordert.

Darum geht's im "Tatort: Unter Kriegern"

Der 11-jährige Malte wird tot in einem Kessel im Keller eines Sportleistungszentrums gefunden. Er musste qualvoll verdursten. Welcher Sadist hatte ihn dort eingesperrt? Hauptkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) verhören den Hausmeister Sven Brunner (Stefan Konarske), der ein enges Verhältnis zu Malte hatte.

Der Chef des Sportzentrums Joachim Voss (Golo Euler) möchte kein Aufsehen um den Fall erregen, sein Einfluss reicht sogar bis zur Staatsanwaltschaft. Doch Janneke und Brix bleiben hartnäckig und verhören ihn und seine Familie. Besonders der Sohn Felix (Juri Winkler) scheint von dem Tod des Schulkameraden wenig beeindruckt zu sein. Ihn interessieren einzig seine schulischen Leistungen. Und Voss' Frau, eine Pferdenärrin, scheint Zuhause nichts zu sagen zu haben.

Sie ist hilflos den Launen ihres kaltblütigem Mannes ausgesetzt. Er quält sie mit Aussagen wie: "Das bisschen Geist, was noch vorhanden ist, geht doch für die Pferde drauf" oder "Du bist nicht vorzeigbar." Als Kristof Waldner (Marek Harloff) vom Verein Soziale Neuorientierung, bei dem Hausmeister Brunner eine Therapie macht, die Familie besucht, spitzt sich die Lage zu.

Hintergrund

Lina Beckmann spielt die unscheinbare Mutter von Felix. Die Frau von GOLDENE KAMERA-Preisträger Charly Hübner brachte im letzten Jahr mit "Magical Mystery" und "Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?" gleich zwei Kinofilme auf die große Leinwand. Aber auch im Fernsehen ist sie präsenter denn je. Es ist bereits der vierte "Tatort", in dem sie mitwirkt.

Stefan Konarske gehörte als Daniel Kossik sogar fünf Jahre lang zum festen Dortmunder "Tatort"-Team. Als hauptverdächtiger Hausmeister mit Wahnvorstellung und Bart sieht man ihn hier von einer ganz neuen Seite.

Mut zur fiesen Rolle beweist Juri Winkler. Der im Jahr 2003 geborene Berliner bekam als Oskar in "Rico, Oskar und die Tieferschatten bereits die Filmpreise EMO und den Weißen Elefanten. Letztes Jahr war er neben Heike Makatsch und Elisa Schlott in "Fremde Tochter" im Kino zu sehen.

GOKA-Kritik

Vom Ermittler-Team bis zur kleinsten Nebenrolle ist dieser "Tatort" ausnahmslos gut besetzt. Besonders Juri Winkler überzeugt so sehr als teilnahmsloser, egoistischer Junge, dass einem als Zuschauer das nackte Grauen packt. Und Lina Beckmann wirkt so gedemütigt und verzweifelt, dass man sie schütteln möchte, damit sie endlich ihren Mann verlässt.

Der Mord, ein Junge, der qualvoll im Kellerverlies verdurstet, ist schon gruselig genug. Aber die Darstellung und Dialoge der verschiedenen Charaktere erschüttern noch mehr. Wie weit kann Leistungswahn gehen? Gibt es durch und durch böse Menschen? Wie sehr werden Menschen von den eigenen Kindheitserfahrungen beeinflusst? Und wie weit sind sich Kinder der Tragweite ihrer Handlungen bewusst? Ganz klar, dieser "Tatort" will Debatten auslösen.

Kurzum: Dieser Fall ist ein ergreifende, ausgefeilte Charakterstudie eines 12-Jährigen mit einem cleveren Ende.