Bevor sie "Tatort"-Kommissare waren

Die Frankfurter "Tatort"-Spürnasen Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) sind bei weitem nicht die einzigen unter den aktuellen TV-Ermittlern, die vor ihrer Kommissar-Karriere diverse "Tatort"-Auftritte in komplett anderen Rollen auf ihrem Schauspielerkonto haben.

War der nicht mal ein Zuhälter, der sein Bein nachgezogen hat? Stimmt, denn bevor aus dem Schauspieler Wolfram Koch der Frankfurter Hauptkommissar Paul Brix wurde, der mit seiner Kollegin Anna Jenneke am 8. April (20.15 Uhr, Das Erste) im "Tatort: Unter Kriegern" seinen siebten Fall löst, machte der 56-jährige im Münster "Tatort: Hinkebein" (2012) als mordverdächtiger Lude Heinz Kock Eindruck. Und das Gastspiel bei den "Tatort"-Quotenkönigen Thiel und Boerne war nicht das einzige.

Mit acht "Tatort"-Auftritten vor Beginn der eigenen Kommissar-Karriere gehört Wolfram Koch zu den Spitzenreitern unter den aktuellen Ermittlern, von denen die meisten bereits "Tatort"-Luft geschnuppert hatten, bevor sie ihren Krimidienst antraten.

Die Nebenrollen-Könige unter den "Tatort"-Kommissaren

Übertroffen wird der Frankfurter Ermittler nur noch von seinen "Tatort"-Kollegen im Schwarzwald und in Dresden.

Hans-Jochen Wagner, der am 21. Mai in der Episode "Sonnenwende" seinen zweiten Fall als Hauptkommissar Friedemann Berg lösen wird, war neun Mal als Verdächtiger, Mörder oder Opfer unterwegs.

Und Martin Brambach, der als Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel zuletzt im "Tatort: Déjà-vu" durch Dresden getobt ist, bringt es sogar auf 10 frühere "Tatort"-Einsätze, von denen seine Darbietung als tiefgefroren endender Fleischgroßhändler in der Wiener Episode "Falsch verpackt" (2012) zweifellos zu den Highlights zählt.

"Tatort"-Kommissare mit früheren Stammrollen-Optionen

Am Beispiel der heutigen Co-Kommissarinnen der Herren Wagner und Brambach lässt sich schön veranschaulichen, dass so mancher heutige Chefermittler vorher auch schon mal auf der "Tatort"-Seite des Gesetzes stand und dass es theoretisch auch anders hätte kommen können.

So war die heute im Schwarzwald als Hauptkommissarin Franziska Tobler ermittelnde Eva Löbau zwei Mal als Charlotte Lindholms Kollegin Schmidt-Rohrbach am Start.

Und Alwara Höfels, die noch in diesem Jahr im "Tatort: Wer jetzt allein ist" zum sechsten und letzten Mal als Dresdner Oberkommissarin Henni Sieland ermitteln wird, wurde leider erfolglos im Frankfurter "Tatort: Der Eskimo" (2013) als neue Sidekick-Option des damaligen und kurz danach hinschmeißenden Chefinspektors Joachim Król eingeführt.

Und dann war da natürlich noch Fabian Hinrichs, der als nervig-genialer Neu-Kollege Gisbert Engelhardt im Münchener "Tatort: Der tiefe Schlaf" (2012) beim Publikum so viel Eindruck machte, dass die Fans seinen tragischen Heldentod am Ende nicht akzeptieren wollten. Mit dem Ergebnis, dass Hinrichs seit 2015 in Franken als Hauptkommissar Felix Voss seine eigenen Fälle löst – das nächste Mal am 15. April in der Episode "Ich töte niemand".

Dass ein als Sidekick-Kommissar gemeuchelter Schauspieler wenig später seine eigene "Tatort"-Reihe bekommt, ist jedoch nicht das Skurrilste, das im Krimi-Flagschiff der ARD so alles passieren kann.

Besondere Begegnungen mit späteren "Tatort"-Kommissaren

So stürzte die Dortmunder Kommissarin Martina Bönisch alias Schauspielerin Anna Schudt bei ihren vorherigen vier "Tatort"-Auftritten zwei Mal heutige Kollegen ins Verderben: Im Ludwigshafener "Tatort: Abgezockt" (2004) musste der seit "Zeit der Frösche" in Mainz ermittelnde Sebastian Blomberg dran glauben. Und im Kölner "Tatort: Familienbande" (2010) spannte sie dem zuletzt im Berliner "Tatort: Meta" heroisch auftrumpfende Mark Waschke mit tödlichen Konsequenzen seine Rollenehefrau aus.

Waschke selber sorgte unter eingefleischten "Tatort"-Fans für Irritationen, als er Anfang 2016 im Hamburger "Tatort: Fegefeuer" ein zweites Mal als Nick Tschillers Nemesis Max Brenner auftauchte, obwohl er bereits seit knapp einem Jahr als "Tatort"-Kommissar Robert Karow für Recht und Ordnung in der Hauptstadt sorgte.

Den Vogel schießt aber ihre Wiener Kollegin Adele Neuhauser ab, die im "Tatort: Granit" (2008) als Mordopfer-Gattin Frau Pechtl ins Visier von Oberstleutnant Moritz Eisner gerät. Dem gleichen Oberstleutnant, dem sie seit ihrem Einstieg als Majorin Bibi Fellner im "Tatort: Vergeltung" (2011) zur Seite steht.

Die "Tatort"-Debütanten unter den aktuellen Kommissaren

Harald Krassnitzer gehört zum erlauchten kleinen Kreis von Darstellern, die gleich mit ihren ikonischen Kommissar-Rollen ins "Tatort"-Geschäft eingestiegen sind...

Und die Kollegen der kommissarischen "Tatort"-Debütanten Oliver Mommsen (Bremen) und Udo Wachtveitl (München) scheinen vor ihrer Kommissar-Karriere nur deswegen vorab "Tatort"-Luft geschnuppert zu haben, weil sie den Platz vor der Kamera mit einem besonderen Ermittler namens Horst Schimanski teilen konnten...

Die Schimanski-Premieren heutiger "Tatort"-Kommissare

Sabine Postel, die zuletzt im Bremer "Tatort: Im toten Winkel" ihren 37. Fall als Hauptkommissarin Inga Lürsen löste, war 1989 in der Episode "Der Pott" als Love-Interest Vera des Ruhrpott-Rambos zu bewundern.

In "Der Pott" nahm es auch Miroslav Nemec, der zuletzt im Münchener "Tatort: Hardcore" zum 77. Mal den Hauptkommissar Ivo Batic gab, mit Schimanski auf und fuhr dabei als dubioser BKA-Mann Hochmeier zum zweiten Mal Götz George in die Parade. War Nemec doch bereits 1988 in der Schimi-Episode "Gebrochene Blüten" als mordverdächtiger Bordellbesitzer Willi Kozlowski aktiv.

Auch das Kölner Dauerbrenner-Duo Max Ballauf und Freddy Schenk machte seine ersten "Tatort"-Schritte als Gegenspieler von Götz George. In "Schimanskis Waffe" (1990) gerät Klaus J. Behrendt als Kleinganovenkumpel Erwin Spilonska ins Visier von Mafia-Killern. Und Dietmar Bär zieht als Hooligan-Anführer Ernst in "Zweierlei Blut" (1984) gegen Schimanski letztendlich den Kürzeren.

Das "Tatort"-Comeback des Kommissar-Austeigers

Dass die "Tatort"-Karriere auch anders herum funktioniert, beweist der Dortmunder Aussteiger Stefan Konarske. Kaum hat er seiner Rolle als Oberkommissar Daniel Kossik nach 10 Fällen in der Episode "Sturm" den Rücken gekehrt, taucht er im Frankfurter "Tatort: Unter Kriegern" als Kindermord-Verdächtiger Sven Brunner auf. Der "Tatort" lässt einen Schauspieler halt nie wieder los.