Heino Ferch ist "Der Richter"

Im Thriller "Der Richter" spielt Heino Ferch einen untadeligen Juristen, der von Kidnappern in gesetzlose Gewalt getrieben wird. Packende Charakterstudie.

Es beginnt bedrohlich. Der Richter Dr. Joachim Glahn (Heino Ferch, GOLDENE KAMERA 2002) zielt mit einer Waffe auf einen Mann, der am Boden liegt. Dem Opfer steht Todesangst im Gesicht. Glahn wirkt aggressiv und entschlossen. Wird er abdrücken?

Zunächst bleibt diese Frage unbeantwortet. Denn der Film "Der Richter" (Montag, 16. April, 20.15 Uhr, ZDF) beginnt mit einer Vorblende, einem vorweggenommenen Blick auf Ereignisse, die in der Zukunft liegen. Dieses dramaturgische Mittel setzen Regisseure gern ein, um Spannung aufzubauen. Auch in diesem Thriller ist von der ersten Sekunde an klar, dass es zu einer gefährlichen Eskalation kommen wird.

Heino Ferch als Richter

Dr. Glahn ist ein hoch angesehener Richter. Heino Ferch spielt ihn anfangs als selbstgewissen Mann, der scheinbar keine Selbstzweifel kennt. Der Schauspieler hat im Vorfeld der Dreharbeiten mit Richtern gesprochen. "Ich habe versucht, mir ein umfangreiches Bild über ihre Arbeit zu machen. Mich hat interessiert, wie der Werdegang ist, aber auch, wie sie mit dem emotionalen Druck umgehen, den Anwälte aufbauen, um sie zu beeinflussen."

Im Zweifel für den Angeklagten? Die Maxime scheint für Glahn nicht zu gelten. Den des Mordes angeklagten Wieland (Wolfram Koch) will er unbedingt hinter Gitter bringen. "Er ist sich seiner Sache sehr sicher und tritt auch so auf", sagt Ferch. Ehrgeizig und hart in der Sache, will er der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen. Dabei wirkt er reichlich arrogant und überheblich. Offensichtlich weiß er, was er kann. "Er hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet und Karriere gemacht", so Ferch. "Doch dann bricht sein Leben plötzlich komplett zusammen. Es ist eine enorme Fallhöhe, aus der er abstürzt."

Zunächst zeigt der Film, dass sich hinter der glänzenden Fassade des erfolgreichen Mannes ein Mensch verbirgt, der privat erhebliche Probleme hat. Die Mutter ist Alkoholikerin und schwer krank, in der Ehe kriselt es – auch weil er sich auf eine komplizierte Affäre mit einer Gerichtsmedizinerin eingelassen hat. "Das läuft alles nicht besonders glücklich für ihn", so Ferch.

Elisa Schlott als unliebsame Tochter

In eine existenzielle Krise stürzt er aber erst durch Tochter Luise (Elisa Schlott): Sie soll nach seinem Willen auch als Juristin Karriere machen. Als Glahn erfährt, dass sie seinen Ansprüchen nicht gerecht wird, Drogen nimmt und in kriminelle Kreise abgleitet, steht er vor den Scherben seines Lebens. Und es kommt noch schlimmer: Der Richter ist kurz davor, den Angeklagten Wieland wegen Mordes zu verurteilen, da wird Luise entführt. Die Kidnapper versuchen, Wieland freizupressen.

Alles, wofür Glahn steht, gerät ins Wanken. "Er braucht eine Weile, bis er begreift, dass er völlig machtlos und hilflos ist", sagt Ferch. Anfangs versucht der Richter, durch Druck und Drohungen auf die Entführer einzuwirken. Vergeblich. Er ist gezwungen, sich auf ihre Bedingungen einzulassen, und verliert die Kontrolle über die Situation. Um seine Tochter zu retten, beginnt Glahn ein riskantes Spiel: Er liefert sich ein Duell mit den Gangstern, das bis zum Äußersten geht.

Dabei holt ihn auch seine Vergangenheit ein: Da er aus sozial schwierigen Verhältnissen stammt, kennt er das Milieu der Kriminellen genau – und bekämpft sie mit ihren eigenen Mitteln. "Keiner kann sagen, wie er sich in einer so existenziellen Situation verhalten würde, wenn es um das Leben der eigenen Tochter geht", meint Ferch. Im Thriller greift der Richter schließlich zur Waffe.

Der Film zeigt, wie fragil unsere bürgerliche Existenz in Extremsituationen werden kann. Am Ende hat sich das Leben für alle Beteiligten völlig verändert.

TV-Event der Woche: "Macht Euch keine Sorgen"

Jörg Schüttauf reist in dem TV-Drama ins jordanisch-syrische Grenzgebiet, um seinen zum Islam konvertierten Sohn wieder nach Deutschland zu holen.
Mehr lesen