"3 Tage in Quiberon": Marie Bäumer als Romy Schneider

Die Darstellung von Romy Schneider im Biopic-Drama "3 Tage in Quiberon" wird von vielen als Rolle ihres Lebens gefeiert. Dabei ist Marie Bäumers schauspielerische Hommage an die 1982 verstorbene Leinwand-Ikone nur eine Facette ihres Könnens.

Mit "3 Tage in Quiberon" (Mittwoch, 15. April, 20.15 Uhr, Arte) scheint für Marie Bäumer eine Prophezeiung wahr geworden zu sein. Seit die in Hamburg aufgewachsene Düsseldorferin mit der Schauspielerei begann, wurde sie in der Filmpresse als "neue Romy Schneider" gehandelt.

In der Biopic-Verfilmung des letzten Interviews, das die wenige Monate später verstorbene Schauspieldiva 1981 in einem bretonischen Kurhotel dem Stern-Reporter Michael Jürgs und Starfotograf Robert Lebeck gegeben hat, stellt Marie Bäumer das ihr zugeschriebene Romy-Image eindrucksvoll auf den Prüfstand.

Trailer zu "3 Tage in Quiberon"

Marie Bäumer als Romy Schneider in "3 Tage in Quiberon"

Dass sie den "Deutsche Filmpreis 2018" für "3 Tage in Quiberon" erhielt, war ist nicht nur erwartbar, sondern auch hochverdient. Denn über ihre unbestreitbare physische Ähnlichkeit hinaus gelingt es der 48-Jährigen eindrucksvoll, der späten Romy Schneider authentisch Leben einzuhauchen und trotzdem die eigenständige Interpretation einer zwischen Selbstzerstörung und Lebensfreude hin- und hergerissenen Frau zu präsentieren.

Auf das Projekt hatte sich Bäumer nur eingelassen, "weil die Regisseurin Emily Atef und ich uns schnell einig waren, dass ich mich an ein paar Eckdaten halte, aber ansonsten frei bin und Romy Schneider nicht nachspiele." Und doch ist es bei der erfolgreich vermiedenen Imitation verblüffend, wie nah Marie Bäumer speziell in den Shooting-Sequenzen des Films den Orginalfotos von Robert Lebeck kommt...

Video-Collage mit Robert Lebecks Originalbildern von Romy Schneider in Quiberon (1981)

Schauspielkarriere dank Pippi Langstrumpf

Da es im Akademiker-Haushalt ihrer Eltern keinen Fernseher gab, verbrachten Marie Bäumer und ihre Schwester so viel Zeit wie möglich in einem kleinen Programmkino in Hamburg-Blankenese. Dort machten sie die Bekanntschaft von Pippi Langstrumpf, die zumindest beim überzeugten Tomboy Marie den Wunsch entfachte, vor der Kamera in Pippis Fußstapfen zu treten.

Entsprechend abenteuerlustig stürzte sich die damals 22-Jährige ab 1992 an der Tessiner Scuola Teatro Dimitri und an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg in ihr Schauspielstudium und scheute nach ihrem komödiantischen Durchbruch in Detlev Bucks Komödie "Männerpension" (1996) und vor allem als Saloon-Schönheit Uschi in Bully Herbigs "Der Schuh des Manitu" (2001) nicht davor zurück, besonders herausfordernde Rollen zu suchen – allen voran in Oskar Roehlers krassem Beziehungsdrama "Der alte Affe Angst"...

Trailer zu "Der alte Affe Angst" (2003)

Für ihre Tour-de-force-Perfmance einer Frau, die in einer selbstzerstörerischen Amour fou gefangen ist, wurde Marie Bäumer 2003 mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. In der Folge blieb Bäumer der Pflege ihres darstellerischen Facettenreichtums treu und erregte damit die Aufmerksamkeit von Ausnahmeregisseur Dominik Graf, der sie 2010 in seiner Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens" besetzte...

Trailer zu "Im Angesicht des Verbrechens" (2010)

Marie Bäumers packende Darstellung der Polizisten-Schwester Stella, die mit einem Mitglied der Berliner Russenmafia verheiratet ist, brachte ihr einen Grimme-Preis ein und ermöglichte es der Schauspielerin fortan, weiterhin nur handverlesene Rollen anzunehmen.

Das Spektrum reichte dabei von Kinofilmen wie der Bestsellerverfilmung "Der Geschmack von Apfelkernen" (2013) bis zu aufwendigen TV-Produktionen wie dem GOKA-Kandidaten "Gotthard" und der Miniserie "Das Adlon. Eine Familiengeschichte", mit der die Romy-Schneider-Darstellerin von heute bezeichnender Weise 2013 in Österreich eine Romy als "Beliebteste Schauspielerin" gewann.