Finstere Morde und düstere Erkenntnisse im "Tatort: Ich töte niemand"

Im vierten Franken-"Tatort" geht Dagmar Manzel als Kommissarin Paula Ringelhahn an ihre Grenzen und sogar darüber hinaus.

Vor einem Jahr ermittelte im dritten Franken "Tatort: Am Ende geht man nackt" Kommissar Voss undercover als Flüchtling, diesmal muss er im "Tatort: Ich töte niemand" (15. April, 20.15 Uhr, Das Erste) den Mord an einem libyschen Geschwisterpaar aufklären. Und mal wieder ist, wie so häufig in letzter Zeit, ein Kommissar auch privat in den Fall verwickelt. Ein sehr enger Freund von Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) wird tot aufgefunden.

Darum geht's im "Tatort: Ich töte niemand"

Mitten in die rauschende Einweihungsparty, die Kommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) mit seinen Kollegen von der Mordkommission feiert, kommt eine schockierende Nachricht: Ein libysches Geschwisterpaar ist tot im eigenen Haus aufgefunden worden, erschlagen mit einer Eisenstange. Die beiden lebten seit 15 Jahren in Deutschland, waren gut integriert. Von ihrem Ziehsohn Ahmad (Josef Mohamed) fehlt jede Spur. Paula und Felix ermitteln. Doch plötzlich muss sich Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) mit einem ganz persönlichem, zweiten tragischem Ereignis auseinandersetzen. Frank Leitner (André Hennicke), ein Kollege und sehr enger Freund von ihr, stirbt an der Folge einer Medikamentenwechselwirkung. Ein am Tatort gefundenes Indiz, verbindet die drei Todesfälle miteinander. Hatte Leitner etwa eine rechtsradikale Gesinnung?

Hintergrund

Für Regie, Buch und Kamera zeichnet sich dasselbe Team verantwortlich, wie beim ersten Franken-Tatort "Der Himmel ist ein Platz auf Erden". Regisseur und Autor Max Färberböck, inszenierte schon 1994 die allerersten Folgen von "Bella Block", für die er den Grimme-Preis bekam. Außerdem brachte er Filme wie "Aimée & Jaguar" (1999) und "Anonyma – Eine Frau in Berlin" (2008) in die Kinos.

In dieser Folge entwickelt sich vor allem Dagmar Manzel als Kommissarin Paula weiter. Insebsondere ihre Beziehung zu Felix vertieft sich: "Beide schätzen und respektieren sich, aber jeder von ihnen geht mit der selbstgewählten Einsamkeit anders um", so Manzel.

Mit dabei ist außerdem die österreichische Schauspielerin Ursula Strauss ("Meine fremde Freundin" und GOKA-Kandidat 2017 "Die Stille danach"), die die Rolle der Witwe Leitner übernimmt. Strauss erhielt in den letzten zwei Jahren jeweils als beliebteste Schauspielerin Kino/TV-Film den österreichischen Fernseh- und Filmpreis "Romy".

GOKA-Kritik

Insgesamt ist dieser Krimi szenisch sehr finster gehalten, bisweilen sogar so dunkel, dass sich kaum etwas erkennen lässt. Aber nach und nach bringt dieser "Tatort" im wahrsten Sinne des Wortes Licht in die Dunkelheit. Das Versteck des Ziehsohns Ahmad wird zunächst komplett schwarz gezeigt und dann von Einstellung zu Einstellung heller und schließlich enthüllt.

Wenngleich man das künstlerische Handwerk des Filmes loben kann, so wird der traditionelle "Tatort"-Gucker mit dieser düsteren Atmosphäre und den kammerspielartigen Dialogen bisweilen überfordert sein. Die Ermittler philosophieren zum Beispiel bei einer knapp drei minütigen Autofahrt über ihre Einsamkeit ("Unser Leben ist ein schwarzer Raum"). Es ist nur diesen beiden gestandenen Schauspielern zu verdanken, dass solche Szenen nicht zu langatmig wirken.

Es ist kein Krimi für Menschen, die auf schnelle Action stehen, sondern für Zuschauer, die die leisen Zwischentöne und eine komplexe Erzählweise bevorzugen. Am Ende nimmt der "Tatort" noch ein Mal Fahrt auf und Manzel darf ihr gesamtes schauspielerisches Könnnen an den Tag legen.