TV-Event der Woche: "Mittwoch 04:45"

Preisgekrönter griechischer Film Noir über einen bankrotten Barbesitzer und die ausweglose Situation in seiner Heimat.

Regisseur Alexis Alexiou zeigt in "Mittwoch 04:45" (Arte, 18. April, 23 Uhr) mit einer Prise Sarkasmus die düstere Stimmung Griechenlands nach der Finanzkrise. Ein verschuldeten Clubbesitzers wird zum Geldeintreiber, weil ihn die Eurokrise selbst zum Schuldner gemacht hat. In der Hauptrolle ist Stelios Mainas zus sehen, bekannt aus "Zimt und Korriander".

Trailer "Mittwoch 04:45"

Darum geht's in "Mittwoch 04:45"

Seit 17 Jahren führt Stelios Dimitrakopoulos (Stelios Mainas) einen Jazzclub in der Altstadt Athens. Sein Leben verläuft in trister Routine: Er hat emotionslosen Sex mit seiner Geliebten, zu wenig Zeit für seine beiden Kinder und wird permanent von seiner Frau gerügt. Für eine Renovierung seine Clubs musste er sich von einem Kredithai Geld leihen, der nur "Der Rumäne" (Mimi Branescu) genannt wird. Nach der Finanzkrise von 2007 und dem griechischen Wirtschaftskollaps von 2010 kann Stelios seine Schulden von insgesamt 148.237 Euro nun nicht mehr zurückzahlen. Doch mit dem Rumänen ist nicht zu spaßen. Nachdem Stelios mitansehen muss, wie die rumänische Mafia einen Stripclubbesitzer kalt macht, wird ihm der Ernst seiner Lage bewusst. Zugedröhnt irrt er auf Koks durch die Nacht, um innerhalb von 32 Stunden bis Mittwoch 04:45 Uhr das Geld aufzutreiben.

Hintergrund

Nach einem abgeschlossenem Physikstudium entschied sich Regisseur Alexis Alexiou (42) dafür, eine eignen Produktionsfirma zu gründen. Schon mit seinem Spielfilmdebüt "Tale 52" konnte er große Erfolge einfahren, der Film lief in 14 Ländern in den Kinos und er erhielt die Förderung des renommierten NIPKOW-Programms. Damit wurde Drehbuchentwicklung seines zweiten Filmes: unterstützt, der ebenso ein Erfolg wurde: "Mittwoch 4:45" gewann unter anderem neun griechische Filmpreise.

In der Nebenrolle als schießwütiger Mafiafahrer ist der deutsche Schauspieler griechischer Abstammung Adam Bousdoukos (44) zu sehen. Bousdoukos ist seit seiner Schulzeit mit Regisseur Fatih Akin befreundet und in fast jedem von Akins Filmen zu sehen. Seine Karriere startete er schon als Teenager in Werbespots und lernte Schauspiel an der Hamburger Stageschool. Außerdem spielte er u.a. in der "Lindenstraße" mit und bekam schon 2001 den Adolf-Grimme-Preis.

GOKA-Wertung

Obwohl insgesamt wenig über die Hauptfigur verraten wird, stellt Stelios Mainas sie so minimalistisch und zugleich spannend dar, dass jeder seiner Schritte einen in den Bann zieht. Seine triste, auswegslose Situation und die des Landes wird düster und melancholisch im Dauerregen dargestellt. Jeder leiht bei jedem Geld und keiner ist hier nur Opfer oder nur Täter. Regisseur Alexis Alexiou zeigt die aktuellen Probleme Griechenlands mit der nötigen Prise Sarkasmus und Gelgenhumor und setzt sie mit künstlerisch dunklen Bildern spektakulär in Szene.

Muss ich sehen, weil...

der drohende wirtschaftliche Ruin Griechenlands hier indirekt als spannender Thriller aufgearbeitet wird.

Für Fans von...

"Bube, Dame, König, Gras" (1998) und "Xenia – Eine neue griechische Odyssee" (2014)