Hirschhausens Diät zum Quiz des Menschen

Arzt und Moderator: Dr. Eckart von Hirschhausen
Arzt und Moderator: Dr. Eckart von Hirschhausen
Foto: WDR/Ben Knabe
Für die neue Staffel seiner Show „Hirschhausens Quiz des Menschen“ nimmt sich Dr. Eckart von Hirschhausen wichtige Themen vor: Übergewicht, Zucker und Fehlernährung - und hat dafür selbst über zwölf Kilo abgenommen.

Und das sieht man ihm an! Gegenüber GOLDENE KAMERA verrät Dr. Eckart von Hirschhausen, wie er das hinbekommen hat und wie sich Übergewicht und Fehlernährung gerade durch zu viel Süßes bei Kindern vermeiden lassen.

GOLDENE KAMERA: Sie haben für ihre Sendung (Donnerstag, 19.04, 20:15 Uhr im Ersten) Kinder in den Supermarkt geschickt. Sie sollten spezielle Lebensmittel für Kinder kaufen. Was brachten sie mit?

Dr. Eckart von Hirschhausen: Es war erschreckend, was alles in dem Einkaufswagen landete, nur weil es bunt, laut und „kindgerecht“ vermarktet. wird. Wie uns die Gesundheitspsychologin Prof. Jutta Mata von der Universität Mannheim erklärt hat, sind das alles keine Lebensmittel, sondern Süßigkeiten.

Morgens mit Frühstücksflakes oder Müsli zu beginnen ist doch gut, oder?

Da lohnt sich ein Hinweis auf die Inhalte. Es gibt Produkte, die zu über einem Drittel aus purem Zucker bestehen. Dabei sollte Zucker nur einen sehr kleinen Anteil unserer Energiezufuhr ausmachen. Von gut 1500 „Kinderprodukten“ sind fast drei Viertel in die Kategorie „süße und fettige Snacks“ einzuordnen.

Wieso ist es so schwer, im Supermarkt ungesunde Dinge sofort zu erkennen?

Viele Menschen sind schlichtweg überfordert, das Kleingedruckte zu lesen, zu verstehen und daraus für sich gesündere Entscheidungen abzuleiten. Eine Ampel wäre hilfreich. Aber das verhindert eine mächtige Lobby: Der volle Einkaufswagen war über 100 Euro „wert“, der Zucker darin nicht mal einen Euro. Das heißt: Mit diesen Dingen lässt sich gut Geld verdienen. Die Kalorien aus dem Einkaufswagen hätten übrigens gereicht, ein Kind drei Wochen lang zu ernähren – allerdings miserabel. Aber Joghurt, der ist doch gesund? Joghurts sehen oft toll aus, mit bunten Figuren. Aber müssen da Schokolinsen drin sein? Wozu? Selbst der Fruchtjoghurt ist mit manchmal 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm viel zu süß.

Macht denn Zucker süchtig?

Zucker löst im Hirn einen kleinen Kick aus. Wir sind von Natur aus darauf geeicht, diesen Geschmack gut zu finden. Aber bei zu viel Zucker, reagiert der Körper dagegen: Er schüttet Insulin aus. Auf Dauer werden wir dadurch dick, schlapp und zuckerkrank. Was ist mit gezuckerten Getränken? Eine Dose Cola am Tag kann auf Dauer schon dick machen. Wie süß Limonaden sind, merkt man, wenn man die wie Sirup mit drei Teilen Wasser verdünnt – und sie immer noch süß schmecken. Selbst Babytee enthält eine Zuckerart, also auch Kalorien. Wozu? Am besten gewöhnt man Kinder von klein auf daran, Wasser zu trinken.

Bewegen sich Kinder auch zu wenig?

Früher spielte man Gummitwist und kletterte auf Bäume, heute hocken Kinder oft vor einem Bildschirm und bewegen nur die Finger. Wer ist damals schon zur Schule gefahren worden? Wir sollten jedoch nicht alle Dicken für charakterschwach halten. Die Menschen vor 50 Jahren waren zwar schlanker, aber genauso willensstark oder - schwach. Die Umgebung und die Lebenswelten haben sich massiv verändert. Es braucht gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, um das Problem mit dem Übergewicht einzudämmen.

Wie haben Sie es geschafft, so schlank zu werden, so viel jünger zu wirken?

Ich habe Essenspausen für mich entdeckt. Es braucht kein Pulver, keine Gruppe, keine Diskussion darüber, ob drei Vierkornbrötchen oder vier Dreikornbrötchen gesünder sind: Man kann essen, was man will, aber nicht die ganze Zeit! Der Körper braucht lange Pausen, um von Nahrungszufuhr auf - verwertung umzuschalten.

Wie bekommen Sie zwölf bis 16 Stunden Essenspause im Alltag hin?

Für die meisten Menschen ist es überhaupt kein Problem, nichts zu essen, wenn sie schlafen. Also einfach vor und nach den acht Stunden Bettruhe noch ein paar Stunden „Essensruhe“ anhängen, das ist wirklich praktikabel. In der Sendung zeige ich, was dabei alles im Körper passiert. Es ist keine Diät, sondern eine Lebensweise, mit der man nie wieder Diät machen muss.