"Der Staatsfeind": Henning Baum wird vom Jäger zum Gejagten

Foto: ©SAT.1/Marc Reimann
Im Zweiteiler "Der Staatsfeind" lässt Henning Baum die Fäuste sprechen. Start einer neuen Karriere als Actionstar?

Stahlblaue Augen, dazu Hände wie Pranken und eine sonore Stimme, mit der "Sie sind verhaftet!" gleich doppelt so bedrohlich klingt: Klare Sache, Polizist ist eine Paraderolle von Henning Baum. Doch nachdem der Schauspieler in der Serie "Mit Herz und Handschellen" einen sympathischen, schwulen Hauptkommissar spielte und in "Der letzte Bulle" einen aus der Zeit gefallenen Ermittler, wird er im Thriller "Der Staatsfeind" (Teil 1 am 8. Mai, 20.15 Uhr, und Teil 2 am 15. Mai, 20.15 Uhr jeweils Sat.1) vom Jäger zum Gejagten. Und mehr noch: Als Robert Anger schwingt Baum dermaßen oft die Fäuste, dass seine früheren Rollen bestenfalls wie ein leichtes Aufwärmtraining erscheinen.

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Henning Baum über seine neue Action-Rolle

Darum geht's in "Der Staatsfeind"

Baum spielt den Polizisten Anger, der zufällig Zeuge wird, als ein Amokläufer seine Kollegin erschießt. Doch nachdem er gerade noch ein Phantombild für das LKA erstellt hat, denunzieren ihn die Medien plötzlich als IS-Terroristen. Anger taucht unter und will seine Unschuld beweisen. Aber seine Jäger um den undurchsichtigen MAD-Major Mendt (Manfred Zapatka) sind ihm stets dicht auf den Fersen – ebenso der wahre Mörder.

Trailer zu "Der Staatsfeind"

"Wir zeigen, was passiert, wenn man die Biografie eines Menschen so manipuliert, dass er plötzlich zum Staatsfeind wird", erklärt Henning Baum im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. "Anger steht vor einer Herkulesaufgabe! Er gerät unschuldig ins Fadenkreuz der Behörden, er muss fliehen, sich verstecken und gleichzeitig seine Unschuld beweisen. Zusätzlich hat mich gereizt, dass der Film eine starke Liebesgeschichte hat, denn Angers Frau lässt ihren Mann nicht fallen."

Aber ist das Szenario wirklich realistisch, wonach ein Geheimdienst einem Unschuldigen alles Mögliche unterschieben und ihn so zum Staatsfeind machen kann? "Mit Sicherheit!", so Henning Baum. "Dazu müssten bloß ein paar falsche Nachrichten lanciert werden, und schon wäre ein normaler Bürger diskreditiert!"

Der neue deutsche Actionheld

Der Zweiteiler qualifiziert ihn als neuen deutschen Actionhelden – und tatsächlich hätte der 45-jährige Henning Baum auch ausgesprochen große Lust darauf. Er findet: "Der Körper wird als Instrument in deutschen Formaten völlig unterschätzt! Meistens platzieren die Regisseure ihn bloß auf irgendeinem Stuhl und drücken dem Darsteller dann noch ein Glas Wasser in die Hand. Aber wie kann man den Körper bitte schön vergessen? Er ist doch nicht nur bloße Kopfstütze, sondern voller Energie. Ich möchte gern mehr Action drehen!"

Träumt Baum von einer Rolle in der Tradition des "Tatort"-Fahnders Schimanski, bei der Götz George seinen Spaß am Körpereinsatz ausleben konnte? "Diese Rolle", so der Schauspieler, "wurde mir noch nicht angeboten. Aber ich hätte große Lust auf eine Netflix-Serie. Denn die neuen, horizontal erzählten Serien haben hoch spannende Erzählstrukturen, und sie sind viel komplexer als das, was wir bis vor Kurzem gewohnt waren!"