Kai Pflaume: Das Geheimnis seines Erfolges

Kein TV-Moderator hat so viel Erfolg wie Kai Pflaume. Wie macht er das? Wir blickten ihm bei der neuen "Klein gegen Groß"-Show über die Schulter.

Kai Pflaume macht sich klein. Kniet gekonnt neben seinen jungen Mitspielern oder klappt geschickt wie ein Taschenmesser zusammen, um mit ihnen auf Augenhöhe zu sein. Das ist wichtig. Für die Atmosphäre der Show, aber vor allem für die Kinder, die bei "Klein gegen Groß" die Hauptrolle spielen. Es ist Samstagnachmittag in Berlin, im Studio Adlershof wird die neue Folge der mehr als dreistündigen Abendshow (21. April, 20.15 Uhr, Das Erste) aufgezeichnet. Wegen des jugendlichen Alters der Stars kann nicht abends gedreht werden.

Seit zwei Tagen trudeln sie nach und nach zu Proben ein: auch Hannah und Nele aus Görlitz, Nôa-Elif aus Göttingen, Anton aus Halle, Marquinho aus Brasilien. Den Moderator begrüßen sie wie einen alten Bekannten. "Dass ich zu Kindern einen guten Draht habe, weiß ich nicht erst, seit ich Fernsehen mache", sagt Pflaume.

Viel mehr als ein Moderatorenjob

Die TV-Show passt Kai Pflaume wie ein Maßanzug und ist weit mehr als ein Moderatorenjob. In "Klein gegen Groß" treten in der Regel neun Kinder mit besonderen Fähigkeiten gegen prominente Erwachsene an. Und regelmäßig sehen mehr als fünf Millionen Zuschauer dabei zu. Von Beginn an hat Pflaume den Stil der Show maßgeblich geprägt und eigene Ideen eingebracht. Damit ist ein immenser Zeitaufwand verbunden, doch den nimmt er gern in Kauf: "Für die fünf 'Klein gegen Groß'-Shows, die wir pro Jahr machen, gehen 90 Produktionstage drauf. Das ist so, als würde ich jedes Jahr fünf 'Tatorte' drehen."

Pflaume ist stets hoch konzentriert und komplett bei der Sache – seit Beginn seiner TV-Karriere vor 25 Jahren. Lange galt er als gut vorbereiteter, gut aussehender Mustermoderator, dem bloß die Lockerheit eines Thomas Gottschalk fehlte. Heute ist er ganz bei sich. Neben den Abendshows moderiert er in diesem Jahr noch sagenhafte 134 Mal das beliebte Vorabendquiz "Wer weiß denn sowas?". Das gibt Sicherheit. Es imponiert, wie Pflaume immer den richtigen Ton trifft: mit Exhandballstar Stefan Kretzschmar über fehlende Kondition frotzelt, mit "Tatort"-Star Nora Tschirner einen lustigen Schlagabtausch beginnt oder den Kindern das Lampenfieber nimmt.

Regisseur Frank Hof, der auch viele "Wetten, dass ..?"-Shows mit Gottschalk verantwortet hat, findet es "faszinierend, dass Kai komplett frei moderiert. Er ist authentisch, zeigt Spontanwitz und identifiziert sich so sehr mit dem Format, dass er alles im Kopf hat und keinerlei Hilfsmittel braucht."

"Das hier ist keine Halligalli-Show"

Den Minitalenten gehören zwar die Sympathien der Zuschauer, aber sie gewinnen längst nicht immer: ",Klein gegen Groß‘ ist keine Halligalli-Show, wir feiern keinen Kindergeburtstag. Es geht um die Duelle, das ist echter Wettkampf", sagt Pflaume. Und beschreibt damit eines der Erfolgsgeheimnisse. Das hat sich rumgesprochen. Die Berühmtheiten aus Sport und TV treten gern bei ihm an. Auch weil der Wahlmünchener in der Szene hervorragend vernetzt ist, beinahe jeden persönlich kennt und so auch mal selbst zum Telefonhörer greift. "Das kommt vor. Wir sind ein bisschen stolz drauf, dass bei uns Gäste sitzen, die man nicht jeden Tag und jede Woche in anderen Fernsehshows sieht. In der letzten Sendung war das zum Beispiel Miroslav Klose, mit dem ich persönlich befreundet bin. Das hilft manches Mal."

Noch wichtiger ist der Kontakt zu den Kleinen. Es war Pflaumes Idee, sie vor der Show zu Hause zu besuchen und mit ihnen kurze Porträts zu filmen: "Der Zuschauer soll ein Gefühl für das Kind bekommen. Umso besonderer, vielleicht auch skurril anmutender die Begabung, desto eher könnte sich das Gefühl einschleichen, das sei eine Zirkusnummer: 'Das arme Kind, das macht nichts anderes, als jeden Tag irgendwelche Aufgaben zu rechnen!' Durch den Dreh im Vorfeld zeigen wir ihr normales Umfeld, ihr Kinderzimmer, ihr Training, den Umgang mit Eltern und Geschwistern."

Dabei zeigt sich auch, ob der Ehrgeiz der Eltern größer ist als der des Nachwuchses. Wie oft trifft Pflaume auf solche "Eiskunstlaufmütter"? "Klar gibt es sie hier und da. Aber die werden Sie nicht im Studio antreffen. Wenn wir das Gefühl haben, da wollen die Eltern mehr ins Fernsehen als das Kind, sagen wir ab." Ein schöner Nebeneffekt der aufwendigen Reisen durchs Land: Pflaume, sehr schlanke, sehr fitte 1,90 Meter lang, ist dadurch für die Kinder nicht bloß "ein großer, fremder Mann, dem sie erstmals im Studio begegnen". Sie vertrauen ihm, und er gibt es zurück, indem er dafür sorgt, dass sich in der Show keines der Kinder vorgeführt fühlt.

Welcher Knochenjob hinter so viel Akribie steckt, zeigt der stramme Drei-Tage-Trip nach Südamerika: 15 Stunden Flug hin, 15 wieder zurück, nur um Brasiliens jüngstes Fußballtalent, den siebenjährigen Marquinho, zu besuchen, mit ihm eine Runde auf dem Schulhof zu kicken und mit seinen Eltern zu sprechen. In seiner Heimat wurde Marquinho durch den Onlinefotodienst Instagram eine kleine Berühmtheit. Der Tipp, ihn einzuladen, kam von Pflaumes ältestem Sohn Marvin, der ihn im Internet entdeckt hatte. Eine Ausnahme. Normalerweise bewerben sich die Kinder selbst, oder die zwölfköpfige Showredaktion geht gezielt auf Talentsuche.

In Deutschland trifft Marquinho nun auf Serge Gnabry. Der Linksaußen von Hoffenheim ist ähnlich ehrgeizig wie sein aus der Ferne angereister Gegner. Pflaume nimmt Marquinho an die Hand, geht mit ihm und Gnabry zur Wettposition und gibt das Kommando: "Klein gegen Groß! Auf los geht's los!" Es wird spannend.

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