Star der Woche: Hinnerk Schönemann

In "Marie Brand und der schwarze Tag" zeigt Hinnerk Schönemann einmal mehr, warum er unter Deutschlands TV-Ermittlern eine herausragende Sonderrolle einnimmt.

In "Marie Brand und der schwarze Tag" (21 April, 20.15 Uhr im ZDF) kann Hinnerk Schönemann mal so richtig zeigen, was in Kult-Kommissar Jürgen Simmel steckt. Denn in seinem 22. TV-Einsatz an der Seite von Mariele Millowitsch gerät ihr sympathisch unbedarfter Kollege unter Mordverdacht!

Hinnerk Schönemann in "Marie Brand und der schwarze Tag"

Die "Marie Brand"-Erfolgsformel, dass Mariele Millowitschs Titelheldin ihre grauen Zellen und Hinnerk Schönemanns Bauchmensch-Kommissar Herz und Bauchgefühl sprechen lässt, wird in "Marie Brand und der schwarze Tag" tatsächlich ausgereizt:

Nach einer stürmischen Liebesnacht im Hotel wacht Jürgen Simmel (Schönemann) nämlich neben der Leiche seiner Freundin auf und gerät wegen der erdrückender Indizienlage ins Visier der neuen Staatsanwältin Dr. Carolin Kersting (GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Leslie Malton), die mit Simmel eine gemeinsame Vergangenheit teilt, aber ein doppeltes Spiel zu spielen scheint...

Simmels impulsive Versuche, seine Unschuld zu beweisen, machen einmal mehr deutlich: Seit seinem Simmel-Debüt in "Marie Brand und die tödliche Gier" vor knapp zehn Jahren hat sich Hinnerk Schönemann mit der Rolle des tumben Toren unter Deutschlands TV-Ermittlern eine Sonderrolle erspielt und zum höchst unterhaltsamen Erfolgsmodel ausgebaut.

Hinnerk Schönemann: TV-Ermittler als Berufung

Die Grundlage dafür legte der gebürtige Rostocker, der nach seiner Schauspielausbildung an der Berliner Hochschule der Künste von 2001 bis 2003 zum Ensemble des Hamburger Thalia Theaters gehörte, in der ProSieben-Serie "Dr. Psycho". Als prollig angehauchter Jungkommissar Eddie Stachowiak, der intellektuelle Schwächen mit hemdsärmeliger Einsatzfreude zu kaschieren versuchte, stahl er zwischen 2007 und 2008 sogar Hauptdarsteller Christian Ulmen die Show und empfahl sich für Größeres.

2011 bekam er von Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt die Rolle des Ex-Kommissars Finn Zehender auf den Leib geschrieben. Als eigenbrötlerisch schrulliger Privatdetektiv, der nach der Auftaktepisode "Mörderisches Wespennest" noch in drei weiteren Zehender-Filmen in der norddeutschen Provinz ermittelte, konnte Schönemann nicht nur seinen Schauspiel-Lehrer eines Besseren belehren, der ihm einst prophezeit hatte, dass er nie Helden spielen, sondern aus der zweiten Reihe glänzen werde. In seiner ersten richtigen Hauptrolle demonstrierte Schönemann auch eindrücklich, warum er der Theaterbühne den Rücken gekehrt hat.

Treffen Sie Hinnerk Schönemann persönlich!

Der 43-Jährige blüht nicht als expressive Rampensau, sondern als Schauspieler der leisen Töne auf, der überflüssige Dialoge lieber durch ein verschmitztes Lächeln oder vor den Kopf stoßende Sprachlosigkeit ersetzt. Dieses Stilmittel der Reduktion hat der TV-Ermittler vom Dienst in der erneut aus der Feder von Holger Karsten Schmidt stammenden Krimireihe "Nord bei Nordwest" perfektioniert.

Seit 2014 ist Schönemann als Hamburger Ex-Kommissar Hauke Jacobs im Einsatz, der im fiktiven Ostseestädtchen Schwanitz als Tierarzt untergetaucht ist und Dorfpolizistin Lona Vogt (Henny Reents) in der Episode "Gold!" (Erstausstrahlung im Oktober) zum siebten Mal ermittlungstechnisch unter die Arme greifen wird.

Dass Schönemann früher selber Tierarzt werden wollte, ist nur ein Grund warum ihm Hauke Jacobs besonders zu liegen scheint. Für seine überzeugende Darstellung viel entscheidender ist sein Schauspielansatz, unprätentiös menschlichen Makel vorzuführen – eine Methode, die sich in Schönemanns Markenzeichen der ins Leere laufenden Dreiviertel-Sätze niederschlägt: "Es gibt etwas, was ich überhaupt nicht mag: Wenn man ganz sauber und fein spricht. So reden wir im normalen Leben doch auch nicht."

Hinnerk Schönemann kann auch anders

Dieses Bemühen um menschlichen Realismus ist auch seinen zahlreichen anderen Rollen anzumerken. Denn dass Hinnerk Schönemann mehr als TV-Kommissare kann, bewies er mehr als eindrucksvoll 2013 in der ins Spätprogramm verbannten "Tatort"-Folge "Franziska" als erschreckend sympathischer Triebtäter. Und im Kino zuletzt in Doris Dörries Tragikomödie "Alles inklusive" (2014), in der Schönemann als sensibler Transvestit zu überraschen wusste...

Featurette über Hinnerk Schönemann in "Alles inklusive" (2014)

In diesen Beispielfällen wird deutlich, dass sich der in einem mecklenburgischen 70-Seelen-Dorf lebende Schauspieler auf die Ambivalenz seiner Rollen fokussiert und diese ohne große Worte zum Ausdruck bringt: "Ich finde es spannender, wenn man wortkarg ist und den Rest über Gesten, Haltung, Mimik und Blicke spielt. Ich bin auch zu Hause ein wenig maulfaul." Im Fall von Hinnerk Schönemann ist weniger definitv mehr.

Wer Hinnerk Schönemann einmal persönlich in Schauspiel-Aktion erleben will, sollte dringend bei unserem großen Krimi-Voting mitmachen. Als finaler Hauptpreis winkt dem glücklichen Gewinner nämlich ein Setbesuch bei einer zukünftigen "Marie Brand"-Episode!