TV-Event der Woche: "Wir lieben das Leben"

Petra Schmidt-Schaller überzeugt in diesem ZDF-Drama als Lehrerin, die den Vicky Leandros Song "Ich liebe das Leben" neu interpretiert.

GOLDENE KAMERA-Preisträgerin 2018 Petra Schmidt-Schaller zeigt in dem Film "Wir lieben das Leben" (26. April, 20.15 Uhr, ZDF und in der ZDF-Mediathek) wieder ihr ganzes Können: Mit grell rotgeschminktem Mund und zugleich einer bezaubernden Natürlichkeit wirkt die 37-Jährige in der Rolle der Lehrerin einer Problemklasse selbst wie eine Schülerin.

Darum geht's in "Wir lieben das Leben"

Die Scheidung ist frisch eingereicht, das Konto fast leer, sie muss sich um ihren renitenten Vater (Günther Maria Halmer) kümmern und ist auch noch arbeitslos – Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) steht nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens. Gezwungenermaßen nimmt sie den Job als Aushilfslehrerin in einer Sekundarstufe an. Doch anstatt wie üblich Kunsterziehung zu unterrichten, muss sie als Musiklehrerin einspringen. Ausgerechnet den Song "Ich liebe das Leben" von Vicky Leandros soll sie auf die Bühne bringen.

Die Aufsässigkeit der Zehntklässler setzt ihr zusätzlich zu. Doch Maria sortiert sich neu, sammelt ihre Kraft und stürzt sich mit Elan auf ihre Arbeit. Ihre etwas andere Art zu unterrichten, trägt langsam Früchte. Doch ihr Vater weigert sich weiterhin, sich in eine Seniorenresidenz abschieben zu lassen. Der Oberst will einfach nicht zum alten Eisen gehören. Als im Unterricht auch noch ein Mädchen bewusstlos umkippt, weiß Marie nicht mehr weiter. Doch dann bekommt sie von unerwarteter Seite Unterstützung. Wird sich so wie im Song auch für Maria das Karussell weiterdrehen?

Hintergrund

Es geht um Vater-Kind-Beziehungen, das Fertigwerden mit dem Alter, die Zukunft der Schüler, Armut und generationsübergreifendes Füreinanderdasein. Und vor allem will der Film allen den Mut geben, nach jeder Krise wieder aufzustehen. Frei nach dem Lied von Vicky Leandros "Ich liebe das Leben", welches das Leitmotiv des Films ist. Warum die Schüler ausgerechent dieses Song neuinterpretieren sollen, erklärt der Schuldirektor Gerngross, gespiel von Alexander Beyer: "Es gibt eine ganze Generation, die wegen diesem Lied gezeugt wurde."

Alexander Beyer spielte schon in dem Oscar-nominierten Kurzfilm "Gregors größte Erfindung", "Good Bye Lenin" und neben GOLDENE KAMERA-Preisträger Armin Müller-Stahl in "Leningrad" mit. Überhaupt ist der Film bis in die kleinste Nebenrolle erstklassig besetzt.

Als mitweinender und gefühlvoller Alten- und Krankenpfleger Siggi steht Christoph Letkowski ("Feuchtgebiete") vor der Kamera. Der 35-Jährige war letztes Jahr gleich mit drei Hauptrollen ("Die Reste meines Lebens", "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" und "Die Vierhändige") im Kino.

Die gelähmte Seniorenresidenzbewohnerin spielt Hildegard Schmahl. Die 78-Jährige war letztes Jahr zuletzt in Matti Geschonnecks "In Zeiten des abnehmenden Lichts" neben GOLDENE KAMERA-Preisträger Bruno Ganz zu sehen.

Als Drittklässler Emil ist Claude Heinrich dabei. Der Berliner spielte schon in diversen TV-Produktionen wie "Berlin Station" neben GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Claudia Michelsen mit, demnächst ist er in der apokalyptischen Sky-Serie "Acht Tage" in einer Hauptrolle zu sehen.

Aber auch hinter der Kamera versammelten sich echte Talente: Gabriela Sperl ("Mitten in Deutschland: NSU", "Operation Zucker) und Lena May Graf sind für das Drehbuch verantwortlich. Sherry Hormann ("Wüstenblume", "3096 Tage") inszenierte den Film.

GOKA-Kritik

"Fack ju Göhte" lässt grüßen, nur dass es hier weniger um Johann Wolfgang von Goethe, als viel mehr um die Neuinterpretation von Vicky Leandors Song "Ich liebe das Leben" geht. Aber nicht nur dieser Schlagerhit auch die Musik insgesamt ist in diesem Film gut gewählt.

Es werden viele ernste Themen und Konflikte angerissen. Besonders die Vater-Tochter-Problematik hat dank der beiden großartigen Schauspieler Petra Schmidt-Schaller und Günther Maria Halmer (75) viel Kraft. Dialoge, wie "Ich will nicht so werden wie Du... Wie viel besser würde es mir gehen, wenn Du in Deinem Riesenheim einfacht tot umgefallen wärst", gehen oft ins Eingemachte. Trotzdem findet sich immer wieder auch etwas Leichtes oder sogar Wortwitz.

Auch wenn der Film an einigen Stellen teilweise etwas klischeehaft und konstruiert rüberkommt, so machen die angerissenen Themen und hervorragenden Schauspieler das wieder wett. Und zum Glück hält sich der Kitsch immer und sogar am Ende noch in Grenzen. Insgesamt ein ernster, aber nicht pessimistischer Film – schließlich heißt er ja auch "Wir lieben das Leben" – Ohrwurm inklusive.

Muss ich sehen, weil...

der Film lebensbejahend ist und eine großartige Riege an verschiedenen Schauspielgenerationen versammelt.

Für Fans von...

""Fack ju Göhte"-Reihe und "Sommer in Orange" (2011)