Ausnahmezustand im "Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis"

Einbruch, landesweiter Stromausfall und eine Tote. Maria Simon muss in ihrer Rolle als Kommissarin so einiges bewältigen, einschließlich einer Sinnkrise. An ihrer Seite: Jürgen Vogel als Aussteiger.

Konsum im Überfluss, Beschallung von bunten Bildern und kaum noch freies Denken – für Survivalcampbesitzer Lennard hat das Ende der Zivilisation bereits begonnen und Kommissarin Olga Lenski ist von seinen Ansichten seltsam fasziniert. Großartig gespielt wird die Rolle des Aussteigers von GOLDENE KAMERA-Preisträger Jürgen Vogel. Der Schauspieler feiert am Ausstrahlungstermin vom "Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis" (29. April, 20.15 Uhr, ZDF) zugleich seinen 50. Geburtstag.

Darum geht's im "Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis"

Welch ein Albtraum: Als Kriminalkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) aufwacht, findet sie ihre Wohnung völlig verwüstet vor. Einbrecher haben sie ausgeraubt und nicht nur das – während sie schlief, haben die Diebe sie und ihre Tochter mit Olgas Handy sogar gefilmt. Völlig traumatisiert und verunsichert, kann Olga kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Sie muss aus ihrer Wohnung raus. Kurzentschlossen übergibt sie ihre Tochter in die Obhut ihrer Mutter Maria (Natalia Bobyleva) und nimmt eine Auszeit auf einem Aussiedlerhof. Ihr Kollege, Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), versucht währenddessen die Einbrecher zu schnappen.

Olgas Gastgeber ist der seltsame Kauz Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel), der ein Aussteigerleben führt und seine Kinder zu Hause unterrichtet. Als Kohlmorgens Ex-Frau ermordet wird, ist er der Hauptverdächtige. Ein plötzlicher landesweiter Stromausfall führt zum Blackout. Ist das die apkalyptische Endzeit?

Hintergrund

Regisseur Matthias Glasner, der für seinen ZDF-Zweiteiler "Landgericht" mit einem Grimme Preis 2018 ausgezeichnet wurde und mit "Gnade" weitere TV-Preise einheimsen konnte, hat gemeinsam mit Mario Salazar das Drehbuch für den neuen "Polizeiruf 110" geschrieben. Mit seinem Freund Jürgen Vogel hat Glasner 1996 eine Filmproduktionsfirma gegründet und die beiden arbeiten fortan oft zusammen. Zu den gemeinsamen Filmen gehören: "Sexy Sadie", "Der frei Wille" und "This is love".

Auch für Maria Simon ist Jürgen Vogel ein alter Bekannter. Sie hatte bereits ihr Filmdebüt in "Zornige Küsse" (1999) an der Seite von ihm. Zum erneuten Dreh mit dem Schauspieler sagt sie: "Wir waren uns nach all der Zeit gleich vertraut und fast wie eingespielt. Er ist ein sehr fairer Kollege und umsichtig".

GOKA-Kritik

Niemand ist in dieser Welt mehr sicher. Das außergewöhnliche und sehr spannendes Szenario dieses "Polizeirufes" ist kein klassischer Krimi. Der erste Mord findet erst nach einer halben Stunde statt. Was Gänsehaut verursacht, ist viel mehr die Ungewissheit der Zukunft. Es gibt keine Sicherheit mehr in den eigenen vier Wänden und auch auf die Regierung ist kein Verlass. Hier sind Aussteiger auf der Suche nach einer alternativen Lebensweise.

Wie schon im von Kritikern gefeiertem Film "Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück", kämpft hier ein Vater um eine bessere Zukunft für seine Kinder. Das ist ebenso wie im US-Film aufrüttelnd. Glaubhaft wirkt das Ganze aber nur dank Jürgen Vogel, der solche alternativen Gedanken überhaupt nachvollziehbar macht. Man merkt, dass er mit dem Regisseur eng befreundet ist.

Aber auch Maria Simon überzeugt mit ihrer Darstellung der Verzweiflung. Moral kommt hier nicht mit dem Knüppel, sondern bruchstückhaft. Das ist fesselnd und sehenswert.


Happy Birthday, Jürgen Vogel wird 50!

Der Familienvater mit dem prägnanten Lächeln plant ein große Geburtstagsparty und wir gratulieren unserem Preisträger mit einer Galerie: 50 Rollen zum halben Jahrhundert!
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