Fahrerflucht und Entführung im "Tatort: Familien"

Die Kölner Ermittler Ballauf und Schenk müssen ein entführtes Mädchen retten und den Mord an einen absichtlich überfahrenen jungen Familienvater aufklären.

Es ist in diesem Jahr bereits der dritte "Tatort" aus Köln. Und diesmal versuchen Ballauf und Schenk im "Tatort: Familien" (6. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste, Wiederholungen um 21.45 Uhr und 23.45 Uhr auf ONE) drei miteinander verwobene Familientragödien zu entwirren. Dabei stoßen sie gleich auf eine ganze Reihe von Familienschicksalen.

Darum geht's im "Tatort: Familien"

Was für eine Nacht. Als der Bräutigam in spe volltrunken von seinem Junggesellenabschied nach Hause torkelt, findet er in einem Mülleimer eine Tasche. Der Inhalt: 500.000 Euro! Der junge Familienvater nimmt das Geld an sich. Ein Fehler? Denn Sekunden später wird er absichtlich tödlich überfahren. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) finden heraus, dass das Geld für eine Lösegeldübergabe vorgesehen war. Der renommierte Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig) wollte damit seine Enkeltochter Charlotte (Anke Sabrina Beermann) freikaufen. Doch wer hat ein Motiv die 19-Jährige zu entführen?

In der Nacht, in der sie verschwand, feierte sie gerade die Aufnahme an einer US-Elite-Universität. Bei ihren Nachforschungen entdecken Ballauf und Schenk, dass Charlottes Freund Kasper (Anton von Lucke) und Rainer Bertram eine gemeinsame Vergangenheit haben. Als ein abgschnittener Finger bei den Eltern abgegeben wird, schwindet die Wahrscheinlichkeit, Charlotte noch lebend zu finden.

Hintergrund

Der Drehbuchautor, der auch schon den Kölner "Tatort: Nachbarn" (2017, sehr erfolgreiche 11,19 Mio Zuschauer) geschrieben hat, ist kein unbekanntes Gesicht: Christoph Wortberg spielte jahreland in der "Lindenstraße" die Rolle des heroinabhängigen Arztsohnes Frank Dressler. Aber auch als Autor hat sich Wortberg einen Namen gemacht. Er bekam für sein Buch "Die Farbe der Angst" schon einen der bedeutendsten deutschen Krimipreise, den Friedrich-Glauser-Preis und war mit "Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spass" für den Deutschen Jugendliteraturpreis für nominiert. Wortberg schreibt u.a. auch für "Großstadtrevier", "Die Wache" und "Der letzte Bulle".

Auch die Regisseurin Christine Hartmann kennt sich mit Krimis aus. Nachdem sie schon sechs "Tatorte" inszenierte, ist dies ihr erster Kölner Fall – und wohl auch nicht ihr letzter, schließlich sagt sie: "Freddy, Max und Jütte sind mir sehr ans Herz gewachsen". Und auch Schauspieler Klaus J. Behrendt ist von ihrem Können begeistert: "Es war unsere erste Arbeit unter der Regie von Christine Hartmann. Wir fanden das ganz wunderbar. Gerne mehr davon."

Hansjürgen Hurrig, der die Rolle des Großvaters spielt, kennen Krimifans aus "Bella Block", dort spielte er den Oberstaatsanwalt, der in der letzten Folge der Krimireihe sterben musste, ebenfalls bekannt ist er in seiner Rolle aus "Weissensee" (neue Folgen starten am 8. Mai). Der Ernst-Busch-Absolvent konnte schon zu DDR-Zeiten in DEFA und DFF-Filmen wie "Polizeiruff 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" glänzen. Es ist bereits sein neunter "Tatort".

Und auch, wenn schon wieder die berühmte Imbissszene am Ende fehlt, so gönnen sich die Kommissare zumindest zwischendurch eine Wurst – und das ist neu: eine vegetarische! Mal sehen, welche Wurst es beim nächsten "Tatort" gibt. Denn ein weiterer Fall, bei dem es um den Tod eines Sprengmeister geht, ist bereits abgedreht. Und auch die Drehrbeiten für die übernächste Episode "Tiefer Sturz", die in den Kreisen der Russenmafia spielt, sind fast beendet. Die Ausstrahlungstermine dieser Fälle sind noch nicht bekannt.

GOKA-Kritik

"Tatort: Familien" ist ein grundsolider Krimi mit drei geschickt verquickten Familientragödien. Er hat durchaus seine bewegenden und spannenden Momente. Besonders der Einstieg packt den Zuschauer, doch leider verlieren die vielen losen Enden mit fortschreitender Zeit an Spannung. Und über das Ende lässt sich, wie so oft, streiten. Zumindest sind die sogenannten "Privatelines" kurz gehalten und endlich mal nicht mit dem Fall verstrickt, denn ein vergessener Hochzeitstag und ein ständig in sich Essen reinschaufelnder neuer Assistent sind auf Dauer langweilig. Dennoch unterstreichen diese Szenen die angenehme Bodenständigkeit des Kölner Teams. Kurzum: ein gelungener Mix aus Krimi und Familiendrama, der aber nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.