Interview mit Yvonne Catterfeld zur Krimireihe "Wolfsland"

In neuen Folgen ihrer Krimireihe „Wolfsland“ geht Yvonne Catterfeld wieder auf Mörderjagd. Wir trafen den Star zum Interview.

Ermittlungen in Deutschlands östlichster Stadt, Mordfälle, die unter die Haut gehen und eine Kommissarin als Stalking-Opfer: Vergangenes Jahr legte Yvonne Catterfeld einen erfolgreichen Einstand als ARD-Kriminalkommissarin in „Wolfsland“ hin. Jetzt gibt es endlich zwei neue Folgen (Do, 24. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste).

Yvonne Catterfeld im Interview

Yvonne Catterfeld über ihre Rolle in "Wolfsland"

GOLDENE KAMERA: Eine Leiche im Fundament eines Görlitzer Altstadthauses, ein flüchtiges Verbrechertrio und Geschichte um Schuld und Verstrickung. Warum sind die beiden neuen Folgen von „Wolfsland“ kriminell gut – und warum ermitteln Sie nicht öfter?

Yvonne Catterfeld: Unsere Krimis „Der steinerne Gast“ und „Irrlichter“ sind kriminell gut, weil sie spannend, emotional und unberechenbar sind – und weil die Abgründe und Geheimnisse der beiden Ermittler immer mehr durchschimmern. Das Besondere sind Götz Schubert und ich als Team! Wir funktionieren einfach gut! Und es gibt eine spannende horizontale Erzählung – etwa über Violas Mann, der ihr immer noch nachstellt und sie verfolgt. Ich mag keine faktischen Fälle, bei denen es nur um die Mördersuche und das Abfragen von Alibis geht.

In den neuen Folgen gerät Viola in Lebensgefahr – weil sie im Alleingang drauf los stürmt. Kennen Sie dieses Gefühl?

Nein, Viola tickt ganz anders als ich. Sie ist sehr verschlossen. Ich bin eher offen. Deshalb ist es für mich auch besonders schön, diese gegensätzliche Figur zu spielen.

Violas bester Charakterzug?

Ihr Mitgefühl für die Opfer. Das macht sie zu einer besseren Ermittlerin. Sie setzt alles drauf und dran, um die Täter zu finden.

Und ihr schlechtester Charakterzug?

Dass sie sich nicht helfen lassen will. Und manchmal zu radikal und rigoros ist.

Inzwischen ermitteln wahnsinnig viele TV-Ermittler – und alle haben ihre Ecken und Kanten. Wird es angesichts dessen immer schwieriger, Figuren überhaupt noch ein individuelles, neues, interessantes Profil zu geben?

Ja, das ist schon schwer. Die Krimilandschaft ist riesig, und Mord, Totschlag und Gewalt laufen fast überall. Dementsprechend gibt es natürlich auch viele Kommissare. Bei „Wolfsland“ ist das Besondere – diesbezüglich kann ich mich nur wiederholen – die Konstellation zwischen Götz und mir. Ohne ihn würde meine Figur nicht funktionieren, und umgekehrt ebenfalls nicht. Wir sind zwei einsame Wölfe, zwischen denen ständig irgendwas passiert.

Und was unterscheidet „Wolfsland“ von anderen deutschen Krimiserien?

Schwer zu sagen, denn ich bin kein Krimigucker, sondern eher jemand, der Psychothriller bzw. Mysterythriller liebt, wie zum Beispiel „Absentia“ bei Amazon. Dieser Serie war ich völlig verfallen – weil die Charaktere total ambivalent sind, und weil man als Zuschauer nie weiß, ob die Hauptdarstellerin die Mörderin oder das Opfer ist. Bei uns ist das Mystische ebenfalls sehr stark vertreten, und unser Handlungsort Görlitz ist natürlich auch eine sehr eigene Stadt. Einerseits gibt es dort wunderschöne Seiten – mit kleinen Gassen, Restaurants und süßen Cafés. Aber andererseits hat Görlitz auch finstere, düstere, eigenartige Ecken, wo ich nachts nicht allein hingehen würde.

Wie werden Sie Ihren Enkelkindern später die DDR beschreiben?

Ganz objektiv. Ich war ja noch sehr klein und hab von all den vielen Geschichten und tragischen Begebenheiten nichts mitbekommen, nur meine eigenen kleinen Erlebnisse. Neben all den negativen und abscheulichen Dingen hab ich auch ein paar positive Aspekte vorgelebt bekommen – wie den starken Zusammenhalt. Man war sehr solidarisch, hat sich untereinander unterstützt. Es war kein bisschen Ellbogengesellschaft. Vielleicht lag es daran, dass es in der DDR keine Arbeitslosigkeit gab. Andererseits durfte man aber nicht offen über alles reden, über das westfeebsejen zum Beispiel, obwohl ich es schauen durfte. Ich hatte das Gefühl, man wurde irgendwie klein gehalten, durfte nicht aus der Reihe tanzen, und musste bodenständig bleiben. Das hat schließlich dazu geführt, dass wir alle irgendwie gleich waren. Niemanden den ich hab aus der Reihe tanzen sehen, in meiner Schule waren eher alle angepasst. Seine Individualität leben und zeigen zu dürfen musste ich erst lernen. Viele haben deshalb später mit sich gerungen, wie sie sich selbst entdecken bzw. finden konnten, und wer sie überhaupt sind unter dem ganzen Gedeckelten, das einem aufgestülpt worden war. Man musste sich anschließend wirklich erst mal selbst finden und das auch zulassen.

Wie geht‘s musikalisch bei Ihnen weiter nach Ihrer Tour „Guten Morgen Freiheit“ und dem siebten Studioalbum?

Nach einer kleinen Auszeit habe ich nun langsam angefangen, wieder ein paar Songs zu schreiben – ganz gemächlich. Ich treffe mich locker mit Musikern, mit denen ich musikalisch und inhaltlich harmoniere, und gucke einfach, was daraus entsteht. Und es macht mir sehr viel Spaß, mit Leuten über Themen zu reden, und zu philosophieren und zu diskutieren.

Was singen Sie Ihrem Sohn vor, wenn er traurig ist?

Ich rede eher mit ihm, wenn er traurig ist. Wenn er sich weh tut, hilft jedoch auf erstaunliche Weise, wenn ich das Lied“ heile heile Segen, drei Tage regen...“ singe. Es ist erstaunlich, was Musik kann – unter anderem beruhigen und trösten.

In welchen Ihrer Lieder erfährt man am meisten über Sie?

Die letzten beiden Alben auf jeden Fall – und zwar über meine Einstellung und über meine Haltung zu verschiedenen Dingen. Und natürlich über meine Werte! „Was bleibt“ ist einer meiner Lieblingssongs. Vor allem das letzte Album und ein Teil vom vorletzten Album trifft es sehr. „Aura“ war vor zwölf Jahren mein persönlichstes Album. Damals habe ich darin total viel verarbeitet. Aber heute hat es nicht mehr so viel mit mir zu tun – außer, dass es mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin.

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