Unfall oder Mord im "Tatort: Sonnenwende"?

Der Tod eines schwangeren Mädchens lässt die Freiburger-Ermittler Berg und Tobler nicht los. Sie finden ein mögliches Motiv und einen Verdächtigen – aber keinen Beweis für einen Mord.

Der "Tatort: Sonnenwende" (13. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) ist alles andere, als leichte Kost. Gleich zu Beginn werden erst die fröhlichen Aufnahmen eines Teenagers gezeigt, wenig später muss der Zuschauer das qualvolle Sterben eben dieses Mädchens sehen. Und noch erdrückender wird der Fall, als die Schwarzwald-Ermittler auf Bauern mit rechtsradikaler Gesinnung treffen.

Darum geht's im "Tatort: Sonnenwende"

Pure Landidylle, ein glücklich verliebtes Mädchen und ein naturbewusst betriebener Bauernhof. Doch plötzlich ist es mit der Harmonie auf dem Biohof vorbei. Die älteste Tochter der Familie Böttger Sonnhild (Gro Swantje Kohlhof) stirbt qualvoll an Diabetes. Erste Indizien führen die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) zum Hausarzt des Mädchens. Doch eine Fehlbehandlung kann nahezu ausgeschlossen werden. Berg ist froh, den Tod als Unfall abzuhaken, schließlich kennt er Sonnhilds Vater Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff) von Kleinauf und möchte ihm und seiner Familie weitere Untersuchungen und Kummer ersparen.

Doch für Tobler deutet zu viel auf Fremdverschulden hin, was die Gerichtsmedizinerin Dr. Andrea Binder (Christina Große) aber nicht beweisen kann. Trotzdem bleibt Tobler hartnäckig und findet heraus, dass der Verlobte der Toten, Torsten Schmidt (David Zimmerschied), wegen schwerer Körperverletzung und versuchter Brandstiftung aktenkundig ist. Doch was noch schwerer wiegt: Torsten ist ein Neonazi und auch Familie Böttger scheint einem völkischen Gedankengut anzuhängen. Berg will dies nicht wahrhaben und ist zunächst von dem Zusammenhalt und dem Einsatz für die Natur angetan. Doch bei Sonnhilds Beerdigung kommt auch Berg die Gesinnung der Dorfleute merkwürdig vor. Tobler schaltet den Staatsschutz ein. Doch die gewünschte Hilfe bleibt aus – ganz im Gegenteil...

Hintergrund

Nach "Tatort: Goldbach" ist dies der zweite Fall des neuen Ermittler-Teams Berg und Tobler. Das Opfer, gespielt von Gro Swantje Kohlhof, wurde vor allem mit der Hauptrolle als Täterin im Bremer "Tatort: Die Wiederkehr" bekannt. Für den "Tatort: Rebecca", in dem sie ein traumatisiertes Entführungsopfer darstellte, erhielt die 23-Jährige sogar den Günter-Strack-Fernsehpreis und den New Faces Award.

Janina Fautz, die die Schwester der Toten spielt, war diese Woche schon in "Ich werde nicht schweigen" (bis zum 5. August in der ZDF-Mediathek) im TV zu sehen. Die 22-Jährige steht bereits seit dem achten Lebensjahr vor der Kamera, u.a. für den preisgekrönten Film "Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte" und die Jugendserie "Allein gegen die Zeit".

Gerade noch haben wir Christina Große im GOKA-Kandidaten "Das Leben danach" und als Polizistin ebenfalls im Schwarzwald im Ludwigshafener "Tatort: Waldlust" gesehen. Jetzt spielt sie die undurchsichtige Gerichtsmedizinerin Dr. Andrea Binder. Für die 47-Jährige ist es bereits der achte "Tatort", in dem sie mitwirkt. Mit Steffi Kühner, die hier die Rolle der Chefin Cornelia Harms spielt, stand sie schon für den Kinofilm "Die Frau die sich traut" vor der Kamera.

GOKA-Kritik

Auch in diesem zweiten Schwarzwald-Krimi spielt die wunderschöne Landschaft eine Hauptrolle. Ein idyllischer alter Hof, ein verwunschener See und die romantischen Weinberge – das alles macht Lust auf deutschlands höchstes Mittelgebirge. Im krassen Kontrast dazu stehen quälende, fast unerträglich dramatische Szenen und erschreckende rechtsradikale Gesinnungen. Plötzlich dann wieder Ruhe und Behäbigkeit – das alles zeichnet diesen "Tatort" aus. Leider wird auch hier, wie so oft, die persönliche Geschichte des Ermittlers mit dem Fall verstrickt. Doch dieser Fall geht nicht nur den Kommissaren an die Nieren – sondern auch den Zuschauern. Zum Ende hin nimmt der, an manchen Stellen auch plätschernde Krimi, noch mal an Fahrt auf. Doch das Schrecklichste von allen: die Dummheit der Menschen – beklemmend!