GOLDENE KAMERA-Kandidat "Unterwerfung"

Mit "Unterwerfung" verfilmt Titus Selge eines der bedeutendsten Bücher unserer Zeit vom französischen Autor Michel Houellebecq - mit seinem Onkel Edgar Selge in der Hauptrolle.

Mit dem Schauspieler Edgar Selge (70, GOLDENE KAMERA 2007) wurde für "Unterwerfung" (6. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste) die perfekte Besetzung gefunden, denn er brillierte bereits in der Inszenierung von Karin Beier am Hamburger Schauspielhaus als Literaturprofessor François, den er auch im TV-Film verkörpert.

Darum geht's in "Unterwerfung"

Paris, 2022. Gebannt verfolgt Literaturwissenschaftler François (Edgar Selge, 70), dass sich die politische Lage in Frankreich immer zuspitzt: Um den Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen zu verhindern, stellen sich die anderen Parteien hinter den Politiker Mohamed Ben Abbes – und tatsächlich wird der gemäßigte Moslem kurz darauf zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Doch kaum ist er an der Macht, führt Abbes die islamische Gesellschaftsordnung ein: Er entrechtet die Frauen, erlaubt die Vielehe für François und seine Geschlechtsgenossen – und krempelt das Bildungssystem getreu der Lehre des Koran um.

Als François seinen Job an der Sorbonne verliert, vereinsamt er zunehmend. Da erreicht ihn ein verführerisches Angebot von Rektor Robert Rediger (Matthias Brandt): Wenn er zum Islam konvertiert, bekommt er seine Anstellung an der Universität zurück.

Die Schauspieler und ihre Rollen

Edgar Selge als François

Edgar Selge (hier im Interview) spielt den Literaturprofessor François, der zwischen Tiefkühlkost, Alkohol, schnellem Sex und der Sorbonne hin- und her dümpelt. Und das nicht nur im TV-Film, sondern auch auf der Bühne. Knapp drei Stunden steht er während der Inszenierung von "Unterwerfung" alleine vor dem Theaterpublikum - eine Leistung, die ihm bereits mehrere Auszeichnungen einbrachte und so viel Applaus, dass das Stück verlängert wurde. "Dass ein so aufwühlender, vielschichtiger und mitunter unbequemer Theaterabend so viele Menschen erreicht und berührt, macht einfach Mut und Lust, sich weiterhin mit zeitgenössischen Texten auf der Bühne zu beschäftigen. Die Menschen wollen nicht nur unterhalten werden, sondern auch in eine Auseinandersetzung treten. Und das ist in Anbetracht von Populismus und gesellschaftlicher Spaltung ein gutes Signal", sagt er in einem Interview mit WELT.

Matthias Brandt als Robert Rediger

Matthias Brandt spielt den neuen Präsidenten der islamischen Universität Paris Sorbonne, der aus der neuen politischen Situation den größtmöglichen persönlichen Nutzen zieht.

Der Schauspieler ist der jüngste Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Dass er mittlerweile ein bekannter Schauspieler ist, hängt auf seltsame Weise mit seinem Vater zusammen. Matthias Brandt war ein respektierter, aber nicht allzu bekannter Theaterdarsteller, als ihn der Regisseur und Autor Oliver Storz einlud, in seinem Film "Im Schatten der Macht" (2003) mitzuspielen. Darin geht es um den Rücktritt des Kanzlers Willy Brandt. Matthias Brandt sagte zu - und entschied sich ausgerechnet für die Rolle des DDR-Spions Günter Guillaume, der seinen Vater im Jahr 1974 zu Fall gebracht hatte. Das war sein Durchbruch. Seitdem ist er aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Alina Levshin als Myriam

Alina Levshin spielt eine der zahlreichen Exfreundinnen von François. Eigentlich hat er keinen Kontakt mehr zu seinen vergangenen Liebschaften, doch bei ihr ist das etwas anderes. Ihre Liebe entflammt sogar erneut, doch alte Verletzungen führen zu neuen Provokationen.

Mit 6 Jahren kam Alina Levshin aus der Ukraine nach Berlin und hat sich durchgeboxt. Nach ihrem Schauspielstudium an der Hochschule "Konrad Wolf" in Potsdam bekam sie ihre erste kleine Fernsehrolle in der Krimireihe "Rosa Roth". Ihren Durchbruch feierte sie ein Jahr später mit ihrer Rolle in Dominik Grafs "Im Angesicht des Verbrechens" (2010). Sie war die jüngste "Tatort"-Kommissarin. Heute ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen.

In weiteren Rollen sind Catrin Striebeck, Bettina Stucky, André Jung und Florian Stetter zu sehen.

Hintergrund

Für "Unterwerfung" kombiniert Regisseur Titus Selge Ausschnitte der Theaterinszenierung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mit Filmszenen, die in Paris, Berlin und vor allem in Hamburg während des G20-Gipfels entstanden und dem Drama eine aktuelle Brisanz verleihen.

GOKA-Wertung

"Unterwerfung" ist eine süffisante, dicht am Werk gemachte Hoellebecq-Adaption. Mit Edgar Selge als Literaturdozent in Zeiten politischer Umbrüche ist den Machern ein genialer Besetzungs-Coup gelungen.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)