TV-Event der Woche: "13 Uhr mittags"

Jörg Schüttauf kämpft sich Gary-Cooper-like als einsamer Revolverheld durch die Provinz: Ein gekonnter Mix aus norddeutschem Dorfkrimi und Komödie mit Westernelementen.

Showdown in Niedersachsen: In "13 Uhr mittags" (Mittwoch, 30. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste, Wiederholungen am Donnerstag, 31. Mai 2018, 0.35 Uhr sowie am Sonntag, 03. Juni 2018, 20.15 Uhr auf One) spielt Jörg Schüttauf einen feigen Dorfsheriff.

Darum geht's in "13 Uhr mittags"

Hedly, ein kleines Örtchen im Landkreis Vechta: Dorfpolizist Olaf Gabriel (Jörg Schüttauf) hat seinen Dienst quittiert und setzt alles daran, mit seinem Wohnmobil schnellstmöglich seine Heimat zu verlassen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm: Sein Wassertank leckt, bei seinem Hund Herrn Anton wird ein Tumor diagnostiziert und dann lässt auch noch sein Nachfolger aufgrund von Krankheit auf sich warten. Doch die wirklich schlechte Nachricht kommt mit der LKA-Beamtin Gracia Keller (Rosalie Thomass). Sie verkündet ihm, dass die Verbrecherbande, die Gabriel vor sechs Jahren dingfest gemacht hat, wieder auf freiem Fuß und hinter ihm her ist.

Er schwebt in Lebensgefahr: Bänkräuber Simon Held (Thomas Arnold) hat gleich zwei Motive den Dorfpolizisten abzuknallen. Zum einen hat er ihn bei einer Falschaussage als Bankräuber identifiziert, zum anderen ist sein Bruder wegen Gabriel gestorben. Als die Gangster um 13 Uhr mit dem Zug in Hedly eintreffen, kommt es zum Showdown.

Hintergrund

Fest steht, dass der Titel eine Anspielung auf den legendären US-Western "Zwölf Uhr mittags" mit Gary Cooper und Grace Kelly ist. Nicht umsonst heißt auch die LKA-Beamtin Gracia Keller. Ein Sarg in Reserve, einer in einer Pferdekutsche, die Bösen reisen im Zug an, das ganze mehr oder weniger in Echtzeit – "High Noon" (englischer Originaltitel) lässt grüßen.

Das Drehbuch stammt von Holger Karsten Schmidt ("Sanft schläft der Tod", "Gladbeck"). Der berühmte Drehbuchautor und mehrfache Grimme-Preisträger schrieb "13 Uhr mittags" erneut unter seinem Pseudonym Klaus Burck (es ist der Name einer seiner Romanhelden). Seine Erfahrung trifft hier auf junge Talente, denn für die Umsetzung sind die Plura-Zwillinge zuständig, beide Jahrgang 1985. Martina Plura führt Regie und Monika Plura steht an der Kamera. Nach "Vorstadtrocker" ist dies ihr zweiter gemeinsamer Langspielfilm.

Wie haben sie sich vorbereitet? "Natürlich schaut man sich Referenzen an. '12 Uhr mittags' ist der größte Klassiker. Ein Western ist ja immer sehr langsam, und da haben wir ganz gezielt auch bei der Vorbereitung gesagt, wir wollen die Schießerei in Zeitlupe haben, wir wollen mit der Zeit spielen, sie strecken und uns auch an den Western anlehnen", so Martina Plura und sie erklärt: "Unser Ziel ist es, ein bisschen wie die Coen-Brüder als Plura-Twins uns einen Namen zu machen."

GOKA-Kritik

Hier treffen Westernelemente auf Krimi und Komödie und heraus kommt eine schöne leichte Unterhaltung mit unerwarteten Wendungen. Dafür, dass es für die Plura-Schwestern nach "Vorstadtrocker" gerade mal der zweite Langfilm ist, stellt dies eine beeindruckende Leistung dar. Gelbstichige Bilder vor alten norddeutschem Rotklinker, typische Westernmusik und ein verpeilter Dorfcop. Dazu Dialoge wie: "Hast Du Angst?" - "Nein, bin doch Schützenkönigin!", bieten eine rundum gelungene Mischung.

Wenn eine Oma mit Rollator aus Versehen die Flucht versperrt und es zu einer alles entscheidenden Schießerei auf der Obstwiese kommt, ist das schräg, bisweilen skurril und macht Laune. Die Zwillinge verstehen es, Jörg Schüttauf als einsamen Revolverhelden gut aussehen zu lassen, und setzen gekonnt immer wieder kleine Westernelemente ein, die an das große Vorbild "12 Uhr mittags" erinnern. Nur, dass hier die nordisch herbe und unterkühlte Art für genau den richtigen Kontrast sorgt. Die liebevoll gezeichneten Charaktere, die langsamen Einstellungen, der schwarze Humor machen diesen Film anders und durchaus sehenswert.