Tod eines "Reichsbürgers" im "Tatort: Freies Land"

Im neuen "Tatort: Freies Land" (Sonntag, 3. Juni, 20.15 Uhr im Ersten ) fahnden die Münchner Kommissare in der Szene der "Reichsbürger", die jenseits von Recht und Gesetz stehen.

Raus aus der Stadt, rein ins tiefste Niederbayern: In Traitach residieren die "Freiländer", die einen eigenen Stadt ausgerufen haben. Ein Mitglie wurde ermordet und die Münchner Cops Batic und Leitmayr müssen im Outback ermitteln. Während Leitmayr geht den Diskurs mit den Freiländern geht, die nach dem realen Vorbild der „Reichsbürger“ angelegt wurden, will Batic nur den Fall lösen und die Ideologie ausblenden.

Die Kommissare stehen vor ein Wand aus Ignoranz

„Im wahren Leben würde ich das nicht so machen“, betont Miroslav Nemec im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. Die vielen Verschwörungstheorien, die im Internet kursieren, machen ihm Sorgen. Etwa jene, die Bundesrepublik sei in Wirklichkeit eine GmbH. „Ich habe das Gefühl, alle werden verrückter“, sagt er. „Warum wollen diese Leute alles über den Haufen werfen, statt zu begreifen, was für ein gutes System wir in Deutschland geschaffen haben?“ Auch wenn es nicht perfekt sei: „Wir müssen daran arbeiten, aber konstruktiv.“

Das Thema „Reichsbürger“ gehöre im „Tatort“ behandelt, findet Wachtveitl. Aber nicht allein, weil es neu sei: „Entscheidend ist ein gutes Drehbuch. Was ich nicht mag, ist eine Orginalitätssucht bei der Themenwahl, wenn nicht eine wirklich gute Geschichte damit verbunden ist.“ Das Beziehungsgeflecht der Personen gab einen guten Aufhänger ab, so Nemec: „Wenn man dagegen versucht, wie in einer Doku dem Thema völlig gerecht zu werden und alles zu erklären, würde es ins Abstrakteabgleiten und einen nicht mehr berühren.“

Worum geht's im "Tatort: Freies Land"?

Hat Florian Berg sich umgebracht? Der junge Mann liegt mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne seiner Mutter. Doch am Suizid kommen schnell Zweifel auf. Florian gehörte den „Freiländern“ an, die auf einem alten Hof im Grenzgebiet zu Tschechien ihren eigenen Staat ausgerufen haben. Die Bundesrepublik Deutschland erkennen sie nicht an – und damit auch nicht deren Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), die vor Ort zu ermitteln versuchen.

„Wir beide jenseits des S-Bahn-Rings“, wie Leitmayr strahlend verkündet, als er noch auf eine Art Betriebsausflug hofft. Doch die Euphorie verfliegt schnell in der niederbayerischen Provinz, denn dass ihre polizeiliche Autorität nichts zählt, ist für die beiden Münchener eine völlig neue Situation.

Hintergrund: Batic und Leitmayr feiern „Tatort“-Rekord!

Zum 78. Mal ermitteln Batic und Leitmayr hier gemeinsam – „Tatort“-Rekord! Zudem liefert der „Reichsbürger“-Stoff den Beweis dafür, dass ihnen die Themen nicht ausgehen. Gab es dennoch mal eine Phase, in der sie das Gefühl hatten, die Luft sei raus? „Gab es, natürlich. Auch Krisen“, räumt Wachtveitl ein. Nemec ergänzt: „Trotzdem kämpfen wir nach wie vor um Qualität. Ich merke bei den Drehbuchbesprechungen, dass wir weiter mit Herzblut dabei sind. Keiner sagt: ,Ist egal, spiel das einfach, passt schon.‘“

Batic und Leitmayr hätten sich zudem weiterentwickelt: Sie seien heute glaubwürdiger dargestellt als vielleicht noch vor 15 Jahren, vor allem seien sie menschlich geblieben. Wachtveitl: „Mancher Fernsehermittler ist so eine Anhäufung psychischer Defekte. Und danndieser ungute Hang zur Originalität – auf Teufel komm raus. Aufgepappte Privatismen oder ständig zur Schau getragene schlechte Laune. Ich kann es nicht mehr sehen. Das ist so billig!“

GOKA-Kritik

Die Reichbürger-Problematik wird zu einem düsteren Provinzrätsel verarbeitet, bei dem Frust mit Kampfgeist gepaart ist - eine explosive Mischung. Aber nicht immer geht es bierernst zur Sache: Der Kampf mit dem Bratwurst-Automat ist ein skurriles Highlight der sehenswerten Rekord-Folge.