Der "Polizeiruf 110: In Flammen" stellt König und Bukow auf die Probe

Rostocks "Bad Cop" Charly Hübner muss zusammen mit LKA-Profilerin König einen Mord im rechtsextremen Milieu auflären. Ihr gemeinsames Ermittlungsverfahren macht die Teamarbeit dabei nicht leichter.

Zu wenig Krippenplätze, Alters­armut und fehlende Infrastruk­tur: "Rostock hat islamistische Mörder, die unsere Regierung in unserem Land willkommen geheißen hat – und eine Regierung, die ihre Abschiebungen verhindert!" Mit hass­erfüllten Reden bewirbt sich die rechts­populistische Politikerin Sylvia Schulte (Katrin Bühring) im neuen "Polizeiruf 110: In Flammen" (Sonntag, 10. Juni im Ersten) um das Amt der Rostocker Oberbürger­meisterin.

Doch kurz nach ihrem letz­ten Wahlkampfauftritt wird sie entführt, geknebelt und bei lebendigem Leib ver­brannt. Um den Mörder zu finden, müssen Hauptkommissar Alexander Bukow (Char­ly Hübner) und seine LKA-Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) tief in die extreme rechte Szene eintauchen. Zudem dürfen sich die Ermittler auch noch mit einer internen Untersuchung herumschlagen, die wie ein "Damoklesschwert" über ihrer ohnehin nicht besonders harmonischen Beziehung schwebt.

GOKA-Wertung zum "Polizeiruf 110: In Flammen"

Der letzte Sonntagabend-Krimi vor der Sommerpause ist ein politisches Minenfeld, das packend verarbeitet wurde. Besonders Charly Hüber überzeugt dabei als übellauniger "Bulle Bukow", der Verständnis zeigt für das "rechte Pack in der Provinz", aber sich auch nicht ihm verbrüdern will.

Einen starken Auftritt hat auch Atheer Adel als verdächtiger Syrer Karim Labaneh, der als Flüchtling für eine Flüchtlingshasser-Partei arbeitet. Im Verhör mit König und Bukow bleibt Karim auf Augenhöhe und verliert auch bei rassistischen Anspielungen, die ihn aus der Reserve locken sollen, nicht die Kotrolle. Ein mehr als würdiger Abschluss der Krimisaison!

Wir sprachen mit Charly Hübner (45) über den brisanten Film und seine Karriere:

GOLDENE KAMERA: In Ihrem neuen Fall wird eine Rechtspopulistin lebendig verbrannt. Ist dieser "Polizeiruf 110" etwa ein "AfD-Krimi"?

Charly Hübner: So etwas gibt es gar nicht. In unserem Krimi müssen die TV­-Kom­missare den Mord an einer Politikerin auf­klären. Dabei treiben die genreüblichen Ermittlungen König und Bukow wie in jedem anderen Fall ins Umfeld der Leiche, wo sie manch Vertrautes und manch Neues über Sitten und Bräuche manch deutscher Bürger kennenlernen.

Obwohl der Sendeplatz am Sonntagabend identisch ist, landet "Polizeiruf 110" in Bezug auf die Quoten immer ziemlich weit hinter dem "Tatort". Warum ist das so?

Das müssen Sie den deutschen Fernseh­kieker fragen, und zwar den, der nur "Tatort" guckt und nicht "Polizeiruf 110". Vielleicht hält die Ost­-West­-Schere den einen oder anderen Alt­-Bundesländler im­mer noch vom "Neu­Bundesland­Krimi" ab. Aber Quote allein macht das Essen ohnehin nicht lecker. Es sind schon auch die Zutaten! Solange jene durchschnitt­lich acht Millionen Zuschauer, die seit fast zehn Jahren beim "Polizeiruf: Rostock" zuschauen, mit unseren Gewürzen froh sind, freue ich mich darüber mehr als über eine reine "Zahlenschieberei".

Würde Bukow populistisch wählen?

Ich bin mir nicht sicher, ob er überhaupt wählen würde. Ihr Ermittler bedroht braune Bauern.

Eine Schwäche der Figur?

Nein! Bukow wittert, dass ein weiteres Le­ben akut in Gefahr ist. Deshalb gibt es für ihn nur eins: diesen Menschen zu retten. Inwiefern hat Bukow durch seine Heimatverbundenheit eine andere Sicht auf das Geschehen als König? Bukow ist in all seiner Verschrobenheit an den Menschen dran. Nichts Menschliches ist ihm fremd, seine Intuition lässt ihn sehr an den abstrakten Ideen einer links gepräg­ten "Studierten" wie der Kollegin König zweifeln, weil es eine Denke von oben ist und keine mit den Menschen vor Ort.

Welche Rolle würden Sie gern mal verkörpern?

Letztens las ich ein Buch über den früheren jugoslawischen Präsidenten Tito. Die Rolle wird mir nie angeboten wer­ den, aber es ist eine spannende Figur!

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus?

Das ist sehr unterschiedlich. Mal ist das Drehbuch sehr gut, mal gibt es Regisseure oder Regisseurinnen, mit denen ich prin­zipiell immer drehen würde, etwa Eoin Moore, Detlev Buck, Andi Dresen, Her­mine Huntgeburth, Christian Schwochow und Matti Geschonneck, um nur einige zu nennen. Aber natürlich treibt mich manch­ mal auch einfach ein Thema um.

Bekommen Sie mehr gute oder mehr schlechte Drehbücher?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Bei der diesjährigen "Lola"...

Also beim Deutschen Filmpreis ...

Ja, genau. Da war unter anderem der Film "Casting" fürs beste Drehbuch nominiert. Obwohl es ein Improvisationsfilm war! Für mich ist auch entscheidend, wer ein Buch umsetzt. Manche Regisseure oder Re­gisseurinnen inszenieren "vom Blatt", für andere ist ein Buch nur der erste Schritt, der in die zu inszenierende Welt führt. In sol­chen Fällen ist es nicht ausschlaggebend, wie ausgereift ein Drehbuch ist. In wieder anderen Situationen muss das Buch per­fekt sein. Das alles ist immer sehr speziell.

Müssen Sie eigentlich immer noch zu Castings gehen? Oder tragen die Filmemacher ihre Angebote mittlerweile an Sie heran?

Ich gehe noch zu Castings, und mir werden Rollen auch anvertraut. Beides fetzt!

Sie glänzen nicht nur in ernsten Rollen, sondern auch in lustigen. Man denke nur an "Jürgen: Heute wird gelebt". Brauchen wir mehr Comedy?

Das ist mir zu programmatisch gefragt. Ich wurde durch große britische Formate wie "The Office", "Extras" und "Little Britain" geprägt und habe es sehr genossen, bei "Ladykracher" mitzuspielen. Außerdem mag ich den "Tatortreiniger" und bin ein großer Fan von Harald Schmidt, Jan Böh­mermann und "Switch reloaded". Diese Formate könnten immer weitergehen. Sie stehen viel auf der Bühne. Theater oder Film – was machen Sie lieber? Theater ist Rausch! Kino ist Licht! Fern­sehen ist ein Einspruch!

Wie wird Bukows nächster Fall für den "Polizeiruf 110" aussehen?

Der nächste Krimi wickelt einen 30 Jahre alten Fall aus, also einen "Cold Case". Da­rin musste der damalige Mörder mangels fehlender Beweise freigesprochen werden. Doch aufgrund neuer technischer Mög­lichkeiten wühlt sich die Rostocker Kripo nun noch mal in den Fall rein – und nimmt dabei schweren Schaden. Privat hat Bu­kow aufgrund eines Richterspruchs Geld­ sorgen und sucht nach einem Ausweg. Wer ihn kennt, weiß, dass das nicht zwingend die richtige Lösung ist.

Auf welchen "Polizeiruf"-Stoff hätten Sie mal richtig Lust?

Auf Ermittlungen, die König und Bukow nach Skandinavien oder Russland führen.

Wie lange bleiben Sie der Reihe treu?

So lang, wie wir alle vor und hinter der Ka­mera Lust aufeinander und die Gang haben.

Sie haben bereits zwei GOLDENE KAMERAS zu Hause. Wo stehen die denn?

In einer Holzritterburg für Kinder.

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