TV-Kritik zum Zweiteiler "Private Banking"

Eine Erbin bricht mit illegalen Praktiken ihres Geldhauses: das Drama "Private Banking".

Familienfehden, Macht- und Geldgier, dunkle Geheimnisse und der Kampf um Ideale: "In der Welt der Privatbanken geht es nicht primär um Konti und Geld. Sondern um die Beziehungsdynamiken, die einzelnen Schicksale. Und um die Angst vorm Scheitern", erläutert Regisseurin Bettina Oberli ("Tannöd"). Ihr Schweizer Zweiteiler "Private Banking" (Donnerstag, 28. Juni, 20.15 Uhr, Arte) zeigt dabei durchaus Parallelen mit der gelobten Miniserie "Bad Banks", die im März zu sehen war. Wieder sind es starke Frauen, die die Geschichte vorantreiben.

Darum geht's in "Private Banking"

"Privatbanken sind nur dazu da, dass reiche Leute Steuern sparen. Und du denkst, du kannst etwas dagegen tun?" Arnaud (Bruno Todeschini), von Beruf bildender Künstler, ist von der neuen Aufgabe seiner Lebenspartnerin Caroline (Stephanie Japp) mehr als genervt. Ihr Vater hat verfügt, dass die Suchttherapeu- tin in die Geschäftsführung der Schweizer Privatbank Weyer eintreten soll, um seine Interessen zu vertreten. Dabei trifft sie auf große Widerstände. Carolines Vater Leo (Christian Kohlund, "Der Zürich-Krimi"), erleidet einen Herzinfarkt und liegt fortan im Koma. Die Krise, in die seine Bank nach der Aufhebung des Bankgeheimnisses geschliddert ist, hat ihn aller Kräfte beraubt.

Die Miteigentümer, allen voran Carolines Halbbruder Alexander (Fabian Krüger), wollen die Gelegenheit nutzen, um Leos Lebenswerk zu verkaufen. Doch Caroline verhindert den Deal in letzter Minute. In Compliance-Beraterin Stefanie Pfenninger (Anna Schinz), die für die Einhaltung festgelegter Richtlinien verantwortlich ist, findet sie eine Verbündete. Beide entwickeln eine Strategie, das Geldhaus auf Basis legaler Geschäfte neu auszurichten. Da der Datenaustausch mit den Steuerbehörden unmittelbar bevorsteht, scheint klar, dass die Bank Schwarzgeld nicht länger dulden kann – und sich von den meisten Anlagen trennen muss.

Hintergrund

Geschickt verknüpft der Zweiteiler die gesellschaftliche Diskussion um Altlasten des Bankensystems mit einer privaten Familiengeschichte. Außenseiterin Caroline scheint den Geschäftssinn ihres Vaters geerbt zu haben: Sie versteht es, Kunden zu umgarnen, Karrieristen wie Anlageberater Marco Antonelli (herrlich schleimig: Marc Benjamin) zu durchschauen und sich bei grauen Eminenzen des Schweizer Bankwesens Respekt zu verschaffen.

Etwa bei Edi Luchsinger, einem alten Vertrauten ihres Vaters, den der österreichische TV-Star Dietrich Siegl so kultiviert wie kühl kalkulierend als Grandseigneur des Geldwesens zeigt – ganz in der Tradition des Tarnens, Tricksens, Täuschens. Je mehr Caroline hinter die Kulissen schaut, desto schwerer fällt es ihr, an ihren Idealen festzuhalten.

Für die Schweizer Stars Stephanie Japp, bei uns bekannt aus "Hinter Gittern" und "Der Kriminalist", und Anna Schinz ("Tatort") hat sich der Film bereits "bezahlt" gemacht. Nach der Schweizer Premiere 2017 wurden beide mit dem Fernsehfilmpreis ihres Heimatlands geehrt. Auch wenn andere Rollen mit Dietrich Siegl und Marc Benjamin erstklassig besetzt sind: Die Zukunft gehört anscheinend den Frauen – auch in der Finanzwelt.