Star-Porträt: Nina Proll

Unser Star der Woche beweist nicht nur mit der Free-TV-Premiere ihrer Krimi-Komödie "Die Frau mit einem Schuh", dass weitaus mehr in ihr steckt als die "Vorstadtweiber"-Sexbombe Nicoletta.

Seit Nina Proll in der Erfolgsserie "Vorstadtweiber" die blonde Nicoletta verkörpert, gehört die 44-Jährige zu den bekanntesten österreichischen Gesichtern im deutschen Fernsehen. Dabei ist die Rolle der egozentrischen Sexbombe nur eine Facette ihres Repertoires, wie die gebürtige Wienerin mit der bereits 2014 entstandenen Krimi-Komödie "Die Frau mit einem Schuh", die am 24. Juni (20.15 Uhr im ZDF) ihre deutsche Free-TV-Premiere feiert, beweist. (bis zum 23. Juli auch als Stream in der ZDF-Mediathek verfügbar)

Darum geht's in "Die Frau mit einem Schuh"

Nina Proll spielt die gelangweilte Provinzpolizistin Franzi, die endlich ihre große Bewährungsprobe gekommen sieht, als zunächst der Skalp und dann der abgetrennte Fuß derselben unbekannten Frauenleiche in ihrem Revier auftauchen. Während ihr bequemer Kollege Michael (Karl Fischer) weiter seine Ruhe haben will, stürzt sich Franzi in die Ermittlungen und kommt dem dubiosen Mechaniker Gerry (Johannes Krisch) auf die Spur, der mit seiner leidenschaftlichen Frau Silvia (Edita Malovcic) etwas zu verbergen scheint.

Der von Michael Glawogger inszenierte erste Film der "Landkrimi"-Reihe des ORF bot Hauptdarstellerin Nina Proll nicht nur die Gelegenheit, ihre Leidenschaft fürs Motorradfahren auszuleben. Sie konnte ein Jahr vor Beginn ihres "Vorstadtweiber"-Ruhms auch selbstbewusst beweisen, dass sie den richtigen Karriereweg eingeschlagen hat.

Nina Proll: die vielseitige Schauspielerin

Eigentlich hatte die im beschaulichen Waldviertel aufgewachsene Nina Proll nach der Matura am katholischen Mädchengymnasium Sacre Cœur nämlich Tanz und Gesang am Theater an der Wien und dem Performing Arts Studio Vienna studiert. Nach mehreren Musical-Auftritten lernte sie 1998 beim Dreh des Kurzfilms "Sonnenflecken" die Regisseurin Barbara Albert kennen, die Proll daraufhin auch in ihrem Spielfilmdebüt "Nordrand" (1999) besetzte.

Trailer zu "Nordrand" (1999)

Das Drama über zwei ungewollt schwanger gewordene junge Frauen, die den Ausbruch wagen, brachte Nina Proll bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig den "Marcello-Mastroianni-Preis" als beste Nachwuchsschauspielerin und auf der Berlinale den Titel "Shooting Star des europäischen Films ein".

Ihr Talent, emotionale Ausnahmezustände theatralisch und trotzdem glaubhaft darzustellen, konnte die durchstartende Darstellerin fortan in anspruchsvollen TV-Dramen wie "Zwölfeläuten" (2001), mit Hauptrollen in leichter Unterhaltung wie "Erbin mit Herz (2004), mit herausragenden Nebenrollen wie im Mehrteiler "Buddbrooks" (2008) oder in Arthouse-Überraschungen wie "Talea" (2013) ausleben. Mit nachhaltigem Erfolg: Bei der diesjährigen ROMY-Verleihung wurde Nina Proll als "Beliebteste Schauspielerin Kino/TV-Film" ausgezeichnet.

Nina Proll: die streitbare Sexbombe

Einen gehörigen Teil an der ROMY-Auszeichnung dürfte auch Nina Prolls "Vorstadtweiber"-Paraderolle gehabt haben – vielleicht auch, weil ihr die Rolle der temperamentvollen Nicoletta persönlich so nahe ist: "Ich mag diese Rolle sehr gerne. Was ich witzig an Nico finde, ist ihr pragmatischer Zugang zu Männern. Eben nicht das Disneyhafte zu erwarten – den Mann nicht als Retter."

Eine ähnlich selbstbewusste Zielstrebigkeit legt Nina Proll in ihrem Privatleben an den Tag. So war sie Jahre vor ihrer Hochzeit 2008 bereits die heimliche Geliebte des Schauspielers Gregor Bloéb. Mit dem Bruder von Tobias Moretti lebt Proll seit der Geburt ihrer beiden gemeinsamen Söhne in der Abgeschiedenheit eines Südtiroler Bergbauernhofs – was die impulsive Schauspieldiva aber nicht daran hindert, sich in gesellschaftliche Diskussionen einzumischen.

So sorgte Nina Proll im Rahmen der #MeToo-Debatte mit einem Posting unter dem Hashtag #notme für Kontroversen, indem sie dem Feminismus einen Opferkult vorwarf: "Wenn wir Frauen von den Männern auf Augenhöhe behandelt werden wollen, müssen wir auch aufhören, uns wie schüchterne, verängstigte Wesen zu benehmen. Mein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl bestimmen sich nicht über Aussagen, die irgendwelche Männer über mich tätigen."

Quasi als Gegenmodel stellte die bekennende Sexbombe, deren sexy Nicoletta-Outfits teilweise aus der eigenen Garderobe stammen, im letzten Jahr die Satire "Anna Fucking Molnar" auf die Beine, in der Nina Proll als strauchelnde Schauspielerin in der Midlife-Crisis beschließt, sich mit schamlos ausgelebten männlichen Attribute zu holen, was sie will.

Musikvideo zu Nina Prolls Komödie "Anna Fucking Molnar" (2017)

"Ich wollte mit der Geschichte den Spieß umdrehen und eine Frau zeigen, die sexuell selbstbestimmt durchs Leben geht und kein Opfer ist." Und da "Anna Fucking Molnar" nicht nur Nina Prolls Debüt als Drehbuchautorin, sondern auch die erste österreichische Kino-Komödie ist, in der eine Frau die Hauptrolle spielt, wird deutlich: Für Nina Proll ist "Selbst ist die Frau" mehr als ein Motto. Es ist ihr Antrieb.