Bleibt Til Schweiger "Tatort"-Kommissar, Herr Schreiber?

Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator
Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator
Foto: © NDR/Marcus Krüger
Schauspieler Til Schweiger ist sauer über den vermeintlich miesen Sendeplatz für die Fernsehpremiere seines Kino-"Tatorts". Wir sprachen über diese Entscheidung mit dem ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber.

Mitten im Fernsehsommerloch, am Sonntag, dem 8. Juli, um 20.15 Uhr im Ersten, wird Til Schweigers Kino-"Tatort" "Tschiller: Off Duty" gesendet. Der Schauspieler ist stinksauer über die Terminierung seines Kino-"Tatorts". Er rechnet nur mit drei bis vier Millionen Zuschauern. Außerdem deutet er große Unstimmigkeiten in seinem Verhältnis zum NDR an. Daher trafen wir ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber zum Gespräch.

Interview mit Thomas Schreiber

Herr Schreiber, wer ist nach Gebhard Henkes Suspendierung neuer "Tatort"-Koordinator und somit zuständig für die "Tatort"-Sendeplätze?

Die "Tatort"-Sendeplätze werden in der Fernsehfilm-Koordination ausgesucht. In diesem Fall war das etwas anders, weil auch die Programmplanung der Programmdirektion Das Erste in München eingebunden war, da der Kino-"Tatort" 130 Minuten lang ist und nicht die üblichen 90 Minuten. Das ist der wesentliche Grund, warum wir einen Platz gesucht haben, an dem wir keinen "Anne Will"-Sonntag haben. Alternative Sendeplätze im Herbst standen aufgrund der Landtagswahlen nicht zur Verfügung. Außerdem gibt es schon seit Jahren die Forderung, auch im Sommer Erstausstrahlungen von "Tatorten" zu zeigen. Das machen wir jetzt - in einer Zeit, in der erfahrungsgemäß viele Menschen Lust haben, gemeinsam fernzusehen - nämlich zwischen den Viertelfinalen, den Halbfinalen und dem Finale der Fußballweltmeisterschaft. Aus unserer Sicht kann das auch für attraktive Film-Premieren eine sehr interessante Zeit sein. Übrigens: "Wer weiß denn sowas? XXL" haben wir ebenfalls an einem Samstag im Juli getestet - und zwar erfolgreich vor 5,5 Millionen Zuschauern und einem riesigen Marktanteil. Zuschauer finden "frische Ware".

Til Schweiger beschwert sich erneut über vermeintlich gebrochene Versprechen Ihrerseits. Welches Versprechen - außer, dass in der Folge "Fegefeuer" der Vorspann wegfallen solle, damit es für die "Tagesschau"-Zuschauer so aussähe, als würde Judith Rakers wirklich überfallen - haben Sie denn gebrochen?

Sie können sich doch daran erinnern, dass das damals nach den Anschlägen und der Geiselnahme von Paris nicht mehr vertretbar war. Natürlich hat jeder das Recht, Kritik zu üben.

Christian Granderath war nicht zufrieden mit den Quoten des dritten und vierten Schweiger-"Tatorts". Wie erklären Sie sich das sinkende Zuschauerinteresse?

Wir hatten filmisch sehr schöne Sachen, aber wir waren schlicht und einfach zu action-betont für den Sendeplatz. Wir haben mit einem sehr, sehr guten Team und einem gewissen Aufwand etwas riskiert und versucht, mehr Action in den "Tatort" zu integrieren, und auch eine zusammenhängende Geschichte geschrieben statt abgeschlossener Einzelfolgen. Damit haben wir leider nicht so viele "Tatort"-Zuschauer erreicht, wie wir erhofft hatten.

Der Kinotrailer zu "Tschiller: Off Duty"

Til Schweiger rechnet im Sommerloch mit drei bis vier Millionen Zuschauern.

Lassen wir uns überraschen.

Aber mit welcher Einschaltquote und welchem Marktanteil rechnen Sie?

Ich sage nie vorher, welche Zahlen ich erwarte. Wenn, dann mache ich das intern. Da lege ich mich durchaus auch fest.

Sind die Schweiger-"Tatorte" Fluch oder Segen?

Ein Segen, denn seit der Bekanntgabe, dass Til Schweiger für den "Tatort" vor der Kamera steht, ist sehr viel passiert. Es gab ja früher durchaus Schauspieler, die keinen "Tatort" spielen wollten, und da ist sehr viel Dynamik reingekommen. Das empfinde ich als sehr positiv.

Was würden Sie rückblickend bei den Schweiger-"Tatorten" anders machen?

Ich hätte die "Tatorte" drei und vier natürlich lieber nicht verschoben. Aber es gab gute Gründe, warum wir sie damals verschoben haben und das hat dem Film nicht geholfen.

Heißt das, wenn Sie noch mal vor derselben Situation stünden, würden Sie sie nicht noch mal verschieben?

Das ist eine hypothetische Frage. Es war notwendig, aber es hat uns damals nicht geholfen und wir stehen ja nicht noch einmal vor derselben Situation, weil wir diese Filme nicht noch einmal machen. Jetzt geht es darum: Was lernen wir aus den Erfahrungen der letzten Filme und finden wir einen inhaltlich überzeugenderen Weg? Dann werden wir filmisch eine Antwort auf die Frage geben.

Til Schweiger wirft Ihnen Undankbarkeit vor.

Auch da gehen die Meinungen auseinander.

Wie geht es jetzt weiter? Wann drehen Sie den nächsten "Tatort" mit Til Schweiger?

Ich habe ein Drehbuch vorliegen. Wir werden schauen, ob es die Entwicklung nimmt, dass wir es verfilmen wollen.

Wann ginge es los, wenn es die Entwicklung nähme?

Wenn es die Entwicklung nimmt, werden wir das rechtzeitig mitteilen.

Worum geht es - grob gesagt - inhaltlich?

Ich glaube, es ist keine gute Tradition, den ersten Entwurf eines Drehbuchs über die Presse auszubreiten, auch wenn ich die Neugierde verstehe. Wir sind gerade mitten in den Drehbuchgesprächen und ich bin sehr zuversichtlich.

Kommt das Drehbuch wieder von Christoph Darnstädt?

Nein, es kommt diesmal von Eoin Moore und Anika Wangard.

Wen haben Sie als Regisseur im Visier?

Die Regie übernimmt auch Eoin Moore.

Lust, Til Schweigers "Tatort"-Verträge nach den drei nächsten Folgen noch mal zu verlängern?

Jetzt schauen wir erst mal, ob wir einen sechsten "Tatort" zusammen hinkriegen.

Werden die nächsten drei Hamburg-"Tatorte" wieder linear erzählt und sind es, zugespitzt gefragt, wieder Action-"Tatorte"?

Ich habe ja gesagt, dass wir aus den Erfahrungen der vergangenen fünf Filme lernen wollen.

Ist es realistisch, dafür 2019 mit einer Ausstrahlung zu rechnen?

Es ist nicht unrealistisch.

12,74 Millionen Zuschauer beim Auftakt, ein Gastauftritt von Helene Fischer, eine aufwendige Doppelfolge und jetzt auch der actionreiche, 130-minütige Kinokrimi, der im TV läuft - wie fällt Ihre bisherige Tatort-Bilanz aus? Sind Sie zufrieden?

Durchwachsen. Wir haben uns sicherlich mehr erhofft nach dem guten Auftakt.