Christian Granderath: "An Schweigers nächster 'Tatort'-Folge wird gearbeitet"

Christian Granderath, Leiter der Abteilung Fernsehfilm im NDR.
Christian Granderath, Leiter der Abteilung Fernsehfilm im NDR.
Foto: © NDR
Fünf Jahre nach Til Schweigers Debüt als "Tatort"-Kommissar ärgern sich der TV-Star und der NDR über einen Quoteneinbruch. Wir trafen Christian Granderath, den Leiter der Abteilung Fernsehfilm im NDR, zum Gespräch.

Interview mit Christian Granderath

12,74 Millionen Zuschauer bei Til Schweigers "Tatort"-Auftaktfolge "Willkommen in Hamburg", ein Gastauftritt von Helene Fischer, eine aufwendige Doppelfolge, und ein actionreicher 130-minütiger Kinokrimi, der am 8. Juli TV-Premiere feiert. Wie fällt Ihre bisherige "Tatort"-Bilanz mit Til Schweiger aus? Sind Sie zufrieden?

Die Schweiger-"Tatorte" wurden von uns nie so hoch gehängt und mit Erwartungen überfrachtet wie von der Presse. Dass Til der erfolgreichste deutsche Kino-Schauspieler ist, wussten wir genauso, wie dass er das Fernsehpublikum polarisieren wird. Wir wollten damit gezielt vor allem jüngere Zuschauer ansprechen und zum Ersten führen. Dabei wollte ich auch etwas ausprobieren, das es im "Tatort" so noch nicht gegeben hatte – einen action-betonten Popcorn-Tatort drehen mit einem Antagonisten, der über vier Folgen erzählt wird. Das ist nicht die Nummer Sicher, überhaupt nicht. Und klar war natürlich auch, dass die Kritiker darüber herfallen und ihr "Feindbild Schweiger" pflegen werden, egal was kommt. Mit der ersten Folge "Willkommen in Hamburg" haben wir eine Riesenzahl an Zuschauern gefunden. Die Quote und der Marktanteil des zweiten Films haben dann mit zehn Millionen Zuschauern in etwa das abgebildet, was ich erwartet habe. Es ist einfach ein Unterschied, eine gemütliche und harmlose Krimikomödie zu senden oder mit dem Action-Genre, das in Deutschland nicht zuhause ist und das in den USA ein Vielfaches kostet, anzutreten. Das zu etablieren und erzählerisch auch zu optimieren, braucht Atem, Zeit und Geduld. Bei der dritten und vierten Folge hat dann immens weh getan, dass wir wegen der Pariser Terroranschläge den Sendetermin verschieben mussten. Ich habe das für richtig gehalten. Es war eine Frage der Pietät. Als wir die Folgen Anfang Januar ausstrahlten, hatten sie nicht mehr den geplanten Erfolg - und natürlich war ich damit nicht zufrieden. Aber manchmal ist das unvermeidlich. Ich würde alles wieder so machen. Die Vitalität eines Formats erkennt man daran, dass man auch mal etwas anderes wagt. Für manche ist das dann aber Teufelswerk. Dass man einem "Tatort"-Kommissar über vier Folgen gegen ein und denselben Antagonisten kämpfen lässt, hat es bis dahin noch nicht gegeben.

Geplant sind drei weitere "Tatorte" mit Til Schweiger. Werden die wieder linear erzählt und sind es, zugespitzt gefragt, wieder Action-"Tatorte"?

Es gibt eine Verabredung für drei weitere Folgen. Momentan wird an der nächsten Folge gearbeitet – in einer veränderten Konstellation. So soll jetzt Filmpool Fiction produzieren, die schon sehr erfolgreich unseren Rostocker "Polizeiruf 110" mitkonzipiert haben. Das geht mit Akzentverschiebungen einher.

Haben Sie Lust, den "Tatort"-Vertrag mit Til Schweiger nochmal zu verlängern?

"Don’t cross your bridges before you reach them" – wir sind doch noch dabei, den laufenden Vertrag auszufüllen. Und das geschieht mit Lust. Solange es allen Spaß macht und es finanzierbar und erfolgreich ist, ist das natürlich denkbar.

Gibt's etwas, was Sie in Bezug auf die Til-Schweiger-"Tatorte" rückblickend anders machen würden?

Nein.