Aus Hollywood zum "Tatort": Florence Kasumba

Als erste schwarze "Tatort"-Kommissarin ermittelt Florence Kasumba demnächst in Göttingen. In den USA ist sie schon ein Star.

Mit der Erfüllung von Wünschen ist es bekanntlich so eine Sache. Manchmal klappt’s, manchmal nicht, und manchmal lässt sich das Schicksal ein bisschen Zeit – im Fall von Florence Kasumba ziemlich genau vier Jahre. 2014 befand die heute 41-Jährige in einem Interview, dass es "absolut Zeit für einen dunkelhäutigen ‚Tatort‘-Kommissar" sei. "Deutschland ist bunt, das möchte ich auch im TV sehen." Jetzt wird Kasumba an der Seite von Maria Furtwängler im nächsten Charlotte-Lindholm-"Tatort", Arbeitstitel "Born to Die" (Sendetermin noch offen), als Kommissarin Anaïs Schmitz in Göttingen ermitteln. Irgendwie überfällig.

Marvel und DC

Mittlerweile hat Kasumba als Marvel-Heldin in Hollywood Karriere gemacht. Die passionierte Martial-Arts-Sportlerin legte als Kriegerin Ayo, Leibgardistin des Wakanda-Königs T’Challa, in den Blockbustern "The First Avenger: Civil War" (2016), "Black Panther" und jüngst "Avengers: Infinity War" (beide 2018) von Publikum und Kritik gleichermaßen gelobte Auftritte hin.

In "Wonder Woman" (2017) machte sie einen Abstecher zum Marvel-Konkurrenten DC, seitdem kennen sie Action- und Comicfreunde rund um den Globus. Bei der Einreise in die USA begrüßte sie ein Beamter gar mit "Wakanda forever!" Die Wahl-Berlinerin hat eine Fangemeinde, die manch altgedientem "Tatort"-Recken Tränen in die Augen treiben dürfte.

Jüngster (Hollywood-)Streich: der Part der Hyäne Shenzi in Disneys Neuverfilmung des Hit-Musicals "Der König der Löwen" (2019) mit Megastars wie Beyoncé Knowles unter der Regie von Jon Favreau ("Iron Man"). Für Kasumba eine Herzensangelegenheit, denn diese Rolle spielte sie bereits auf der Musical-Bühne in Hamburg. Umso erstaunlicher, dass sie hierzulande noch immer vergleichsweise unbekannt ist.

Karrierebeginn als Musicaldarstellerin

Dabei ist Florence Kasumba, die sich selbst einmal als "echte Ruhrpottpflanze und typisch deutsch" bezeichnete, seit über 20 Jahren im Geschäft. Geboren wurde sie in Kampala, Uganda, wuchs aber in Essen auf. Dass sie zum Theater wollte, wusste sie bereits im Alter von zwölf Jahren nach einem Klassenausflug zum Musical "Starlight Express". Die junge Florence musizierte im Jugendblasorchester und tanzte Ballett, bevor sie Gesang, Tanz und Schauspielerei an der Fontys Hogeschool voor de Kunsten Tilburg in den Niederlanden studierte.

Die Mezzosopranistin begann ihre Karriere in Bühnenhits wie "Mamma Mia!", "Aida" und "Cats". 2001 gab sie ihr Schauspieldebüt in der niederländischen Produktion "Ik ook van jou". Serienfreunde kennen Kasumba aus deutschen Erfolgsreihen wie "Dr. Klein", "Großstadtrevier" und "Letzte Spur Berlin".

Privat auch eine Kriegerin

Meist ist die Schauspielerin dabei mit glatt rasiertem Schädel zu sehen, den markanten Look trägt sie auch privat: "Ich mag Haare nicht", scherzte sie jüngst in einem Youtube-Interview. Warum? Die Zeit, die fürs Stylen draufginge, sei ihr schlichtweg zu schade. Verständlich bei ihrem vollen Terminkalender.

Die wenige Freizeit verbringt Fantasy- und Sci-Fi-Fan Kasumba lieber in Berlin mit ihrem Ehemann, einem Sänger und Synchronsprecher, und den beiden Kindern. Die dürften sich freuen, dass Kasumba jetzt zur Abwechslung mal wieder "vor der Haustür" in Deutschland dreht. Ein "Tatort"-Neuling ist sie übrigens nicht, bereits siebenmal war sie in unterschiedlichen Rollen dabei, zuletzt in der Stuttgart-Episode "Im gelobten Land" (2016). Dass sie im neuen Lindholm-"Tatort" eine toughe Kriminalerin jenseits von Stereotypen gibt, kann Kasumba nur recht sein, denn sie liebt es, "starke Frauen zu spielen".

In einem Interview betonte sie jüngst: "Ich möchte nicht, dass der deutsche Zuschauer schwarze Leute im Fernsehen sieht, die Putzfrauen, Prostituierte, Drogendealer spielen, die Voodoo machen oder Flüchtlinge sind. Das gibt es natürlich im wahren Leben, aber es geht auch anders." Eben. Als "Tatort"-Kommissarin Anaïs Schmitz zum Beispiel.