TV-Event der Woche: "Für meine Tochter"

Neuer Einsatz für Dietmar Bär: In einem ZDF-Drama spielt er einen Apotheker, der sich in den Syrienkrieg wagt, um sein Kind zu retten.

Der Rauch beißt in den Augen, überall riecht es nach Feuer. Auf den Straßen laute Schreie, Chaos, Panik. GOLDENE KAMERA-Preisträger Dietmar Bär kommt in seiner Rolle als Apotheker aus einer deutschen Kleinstadt und ist plötzlich dort, wo er nie sein wollte: mitten im Krieg in Syrien. Seine Odyssee im Nahen Osten erzählt das Drama "Für meine Tochter" (8. August, 20.15 Uhr, ZDF).

Trailer: "Für meine Tochter"

Darum geht's in "Für meine Tochter"

Der Apotheker Benno Winkler (Dietmar Bär) hatte sich nicht mal in den Nachrichten sonderlich für den Syrienkonflikt interessiert – bis zu dem Tag, an dem er erfährt, dass Tochter Emma (Anna Herrmann) im türkisch-syrischen Grenzgebiet verschollen ist. Ohne sein Wissen wollte sie mit ihrem Freund Max (Merlin Rose) der Familie eines syrischen Bekannten bei der Flucht helfen. Nun macht Winkler sich auf, Emma zu finden. Sie ist der letzte Mensch, den er hat. Denn Winkler ist Witwer: Erst wenige Monate zuvor ist seine Frau gestorben – überraschend, nach einer OP. In seiner Trauer hat Winkler sich völlig zurückgezogen, wie in einem Kokon gelebt.

Auch von seiner Tochter hat er sich immer mehr entfernt, ihre Gefühle, ihre Traurigkeit ignoriert – und so nicht wahrgenommen, dass Emma sich emotional enger an ihren Freund Max gebunden und mit ihm den Plan zur Fluchthilfe geschmiedet hat. In einem Flüchtlingslager nahe Syrien trifft Winkler tatsächlich Max – den Letzten, der Emma vor einem Bombenangriff lebend sah. Gemeinsam machen sich die beiden auf die riskante Suche.

Hintergrund

Gedreht wurde das Filmdrama in der Wüste Marokkos, fünf Wochen lang unter extremen Bedingungen. Dietmar Bär: "Es war ungeheuer heiß – in der Spitze auch über 40 Grad. Gefühlte fünf Liter Wasser sind pro Tag durch meine Kehle gelaufen. So konnte man es durchstehen."

Doch Bär reizte die Rolle des Benno Winkler sofort. Er sagte zu, obwohl seine Zeit knapp ist: Jedes Jahr steht der 57-Jährige für drei "Tatort"-Folgen als Kölner Kommissar Freddy Schenk vor der Kamera, hinzu kommen Theaterauftritte, Lesungen, Einsätze als Synchronsprecher.

Wichtig war Bär das Thema: "Die Flüchtlingskrise beschäftigt uns seit Jahren. Sie ist uns zwar nah, aber eigentlich ist der Krieg, das entsetzliche Grauen, vor dem diese Menschen fliehen, auch ganz weit weg. Für Benno Winkler genauso wie für viele Bundesbürger. Ich nehme mich da nicht aus." Bär wirbt um Ver- ständnis für Flüchtlinge: "Jedem sollte klar sein, dass die Menschen nicht zu uns kommen, weil sie es hier toll finden. Sie haben alles aufgegeben und fliehen, um zu überleben."

GOKA-Fazit

Der Film bleibt weitgehend unpolitisch, zeigt eher die kleinen, ergreifenden Konflikte hinter den großen Krisen. Dietmar Bär überzeugt mit einer sehr guten schauspielerischen Leistung. Der Film geht nahe und ist bewegend inszeniert, hat in den Szenen in der Wüste allerdings seine Längen. Insgesamt bleibt es aber ein brandaktuelles Thema, das die Ursachen einer Flucht und das Leid der Betroffenen eindrucksvoll zeigt.